4-facher Vater und CEO vom Startup des Jahres – Interview mit Rudolf Ball

Gemeinsam plaudern wir über seinen Weg zum Unternehmensgründer, über die Herausforderungen beim Aufbau der Firma, wie er seine Aufgabe als Vater und Firmenchef miteinander kombiniert und welche Tools er verwendet um sich selbst und seine Firma zu managen. Also unbedingt reinhören in dieses spannende Interview.


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Rudolf Ball

Transkript des Interviews:

Intro: Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast. #00:00:16-6#

Hallo und herzlich willkommen zur 203. Podcastfolge. Ich freue mich, dass du wieder dabei bist. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich, Rudolf Ball zum heutigen Interview bei mir begrüßen zu dürfen. Rudi ist CEO von Symvaro, und er hat die Lösung „Waterloo“ für Wasserversorger. Darüber wird er sicher gleich noch mehr erzählen. Rudi hat gerade etwas Besonderes erreicht, denn er wurde vom österreichischen Wirtschaftsministerium als „Start-up des Jahres“ ausgezeichnet. Und ganz nebenbei ist er noch vierfacher Vater. Unter allzu viel Freizeit hast du sicher nicht zu leiden, Rudi. Am besten stellst du dich selbst kurz vor, wer du bist, was du tust und erzählst etwas zu Waterloo und zu den anderen wichtigen Themen. #00:01:06-8#

Rudi: Hallo Thomas, vielen lieben Dank für Einladung, es freut mich total, dass ich in deinem Podcast bin. Ich möchte vorwegschicken, ich liebe deinen Podcast, denn das Thema „effizient leben, arbeiten und lernen“ ist so wichtig in meinem Leben, weil es die Effizienz ist, die am Ende des Tages ausmacht, ob du erschöpft ins Bett fällst und das Gefühl hast, dass du überhaupt nichts erreicht hast oder ob du am Ende des Tages, zum Beispiel nach dem Podcast mit dir, zufrieden auf ein Glas Bier gehst und sagst, dass es ein geiler Tag war. Danke für die Einladung, das freut mich total. #00:01:42-0#

Thomas: Sehr gerne. #00:01:43-0#

Rudi: Du hast mich gebeten, mich vorzustellen. Ich bin 39 Jahre alt, gebürtiger Kärntner und komme aus Köstenberg, falls das jemand kennt, eine wunderschöne Gegend in Kärnten. Ich habe mein Unternehmen Symvaro 2010 gemeinsam mit meinem CTO und Freund Philip Kozeny gegründet. Wir sind ein IT-Unternehmen und haben uns sehr schnell auf Themen wie „Smart City“ fokussiert. Das ist unser großes Thema: Wie werden wir in Zukunft leben, wie kann die Technologie unser Leben verändern und welchen Mehrwert können wir liefern? Wie können wir Nutzen liefern? Davor war es bereits schon ganz spannend, ich muss ein bisschen chronologisch bleiben, merke ich. Ich habe Informatik studiert, bin Techniker aus ganzem Herzen, bin auch Entrepreneur aus ganzem Herzen und war das auch schon als Kind. Meine Mama hat mir immer erzählt, dass ich alles verkauft habe, in der Familie und Dinge in Angebotspakete zusammengefasst habe. Das hat schon sehr früh angefangen. Mit vierzehn Jahren habe ich angefangen, Computer zusammenzuschrauben. Ich habe gebrauchte Computer gekauft, die einzelnen Hardwarekomponenten zusammengebaut und dann bei uns im Dorf weiterverkauft. Im Dorf war ich damals schon so eine Art „Bill Gates“. #00:03:00-5#

Thomas: (Lacht) #00:03:01-8#

Rudi: (Lacht) Damit habe ich meine ersten Euros verdient. Später habe ich Informatik studiert. Ich habe auch den ersten Abschnitt in BWL gemacht, aber ich habe gemerkt, dass das nicht so ganz mein Ding ist. Mir hat Informatik besser gefallen, weil du da etwas bauen kannst. Du kannst etwas entwickeln, du kannst etwas machen, und das hat mich bereits fasziniert, als ich zum ersten Mal Software verkauft habe. Ich habe für einen Bekannten ein Softwareprojekt gemacht, das war ein kleines Tool, aber das hat sein Business-Leben so dramatisch verändert. Ich habe dafür Geld bekommen, und dann hat es in meinem Kopf „klick“ gemacht. Hey, wie geil ist das, du kannst das Leben eines anderen verbessern, du kannst mit deinen Fähigkeiten die Arbeitsweise von Menschen völlig verändern, und zum Schluss verdienst du auch noch Geld damit! Das hat mir echt gut gefallen (lacht). #00:03:53-7#

Thomas: Super. #00:03:56-0#

Rudi: Und das war der Start in mein Berufsleben. Ich habe dann einige Jahre in Unternehmen gearbeitet, ich habe für Microsoft gearbeitet, ich habe für die ASFINAG gearbeitet, ich war beim AIT, damals hat es noch Arsenal Research geheißen, und dort habe ich in einem Forschungszentrum gearbeitet. Dort gab es einen Tag, der ein Wendepunkt in meinem Leben werden sollte. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Daten, und bei der ASFINAG habe ich mich relativ lang mit einem Projekt beschäftigt, wie man aus Daten Nutzen ziehen kann für verschiedenste Bereiche, für Flechter, für Spediteure, für Wetterdienste und so weiter. Und es hat dort einen Vorstandswechsel gegeben. Den gibt es bei staatsnahen Konzernen öfter. Und der neue Vorstand ist irgendwann nach ein paar Wochen im Dienst zu uns ins Forschungszentrum gekommen, und ich war total aufmunitioniert, bis zu den Zähnen aufmunitioniert mit der geilsten Slide, die du dir vorstellen kannst. Die hieß „fünf neue Wege, wie wir in Zukunft mit Daten Geld verdienen und die Welt zu einem besseren Ort machen“. So ungefähr. Ich, testosterongeladen, habe das präsentiert, habe meine Zwölf-Minuten-Pitch hingelegt und war davon überzeugt, dass das wie eine Granate einschlägt. Und der neue Vorstand hörte sich das an und sagt, „ja, vielen Dank. Sehr interessant. Aber Sie wissen, dass unsere Aufgabe nicht ist, Software zu entwickeln, sondern unsere Aufgabe ist es, dass Autobahnen schön sauber sind und dass wir Maut verlangen“. Punkt!  #00:05:36-2#

Meine Euphorie war danach ziemlich schaumgebremst. Ich komme nach Hause, und meine Frau fragt, „wie war’s? Ist es so aufgegangen, wie du es dir erwartet hast?“ „Eigentlich genau das Gegenteil“, antwortete ich ihr. Und in dem Moment ist mir etwas klargeworden. Ich war damals siebenundzwanzig Jahre alt, und ich hatte bereits das Maximum an Kreativität erreicht, das ich in diesem Unternehmen ausleben kann. Ich bin gegen eine Wand gelaufen, und weiter komme ich nicht. Und von siebenundzwanzig bis zur Pension, da dauerte es echt noch ein paar Jahre. Und ich sagte zu meiner Frau, „was soll ich tun?“ Sie antwortete das einzig Richtige, „schau, du redest schon dein ganzes Leben davon, selbständig zu werden. Kündige!“ Und am nächsten Tag bin ich in die Firma gegangen und habe gekündigt. Und das war die beste Entscheidung in meinem ganzen Berufsleben, beziehungsweise, nein, das war die zweitbeste, denn die beste war, auf meine Frau zu hören. #00:06:27-9#

Thomas: Deine Frau zu heiraten, besser gesagt. (Lacht) #00:06:31-4#

Rudi: Genau, das war dann zwei Jahre später. #00:06:34-6#

Thomas: War es für dich ein schwerer Schritt, die Kündigung und der Schritt in die Selbständigkeit. #00:06:38-7#

Rudi: Ja, absolut. Die Kündigung war ein schwerer Schritt. Wir haben eine Landwirtschaft zu Hause gehabt, einen Bauernhof, und Arbeit und Freizeit war für mich immer vermischt. Ich verstehe das Konzept heute noch nicht, dass Leute so ungern in die Arbeit gehen und so gerne in die Freizeit. Für mich ist das immer alles eines im Leben, kulturell geprägt davon, wie wichtig es ist, einen sicheren Job zu haben. Und ich sage dir, den Job, den ich gehabt habe, der war so sicher, sicherer geht es fast nicht mehr. Ich hätte das von siebenundzwanzig bis zur Pension ohne Probleme absitzen können, ohne Probleme! Dort zu kündigen, ohne eine Geschäftsidee, ohne dass ich bereits ein Start-up im Hintergrund gehabt hätte, das war zu einer Zeit, als Start-ups noch nicht hip waren, das war schon ein großer Schritt. Aber ich kann mich noch an das Gefühl erinnern, als ich dort herausgegangen bin. Ich habe mich gefühlt wie der Super Hero, das beste Gefühl aller Zeiten! Der Schritt war hart, natürlich, weil es ein Schritt in einen Bereich außerhalb der Komfortzone war. Und wenn ich auf mein Leben der letzten Jahre zurückblicke, immer dann, wenn ich diesen Schritt gewagt habe, aus der Komfortzone heraus, immer dann passieren die genialsten Sachen. Dann passiert persönliches Wachstum, und da passieren Dinge, die du nicht erahnen kannst. #00:07:58-7#

Thomas: Absolut richtig, kann ich voll und ganz unterschreiben. Bei mir war es so ähnlich, auch ich hätte meinen Job bis zur Pension machen können, habe dann aber ein bisschen was anderes gemacht. Ich bin typischer Selbständiger, du bist Unternehmer, das ist etwas ganz anderes. Wie kam es dann zum Unternehmen, dass du jetzt leitest? #00:08:18-3#

Rudi: Das ist eine sensationelle Frage, Thomas. Ich sage grundsätzlich auch, dass es einen Riesenunterschied zwischen dem Selbständigen und dem Unternehmer gibt. Wenn du heute kündigst, weil du dein eigenes Business aufziehst, dann bist du am Anfang immer ein Selbständiger. Du machst dein Business, du bist Coach, du bist Trainer, du bist Entwickler, du bist Webdesigner, du bist Tischler, ganz egal, aber du machst dein Produkt und arbeitest an deinem Produkt. Und das geht relativ lang. Irgendwann hast du Mitarbeiter, und das Unternehmen wächst mit jedem neuen Kunden. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo du den Schritt vom Selbständigen zum Unternehmer schaffen musst. Ein Unternehmer arbeitet nicht im Unternehmen, er arbeitet am Unternehmen. Das haben wir alle schon tausendmal gehört, aber es hat unglaublich viele Konsequenzen. Eine Konsequenz ist, du musst dich aus dem Operativen völlig zurücknehmen, du verlierst Kundenkontakt. Deine Aufgabe ist eine ganz andere. Du musst an deiner Strategie arbeiten, du musst schauen, dass das Unternehmen wachsen kann. Du musst schauen, dass Geld da ist. Du musst neue Produkte und Services entwickeln. Du musst es schaffen, dass es eine geniale Kultur im Unternehmen herrscht. Aber du bist nicht wirklich Teil davon, sondern du bist außerhalb, und dieser Schritt, der hat unheimlich viel mit Vertrauen zu tun. Ich habe das außergewöhnliche Glück, dass ich mit Philip Kozeny und Gernot Fleiss zwei Mitgründer und Shareholder im Unternehmen habe, die zu hundert Prozent im Unternehmen sind und das mit vollem Herzen und mit voller Leidenschaft lieben. Und ich habe auch das Glück, ihnen die Verantwortung übergeben zu können, und ich weiß, sie machen es nicht gleich gut wie ich, sondern sie machen es wesentlich besser, als ich das jemals machen könnte. Und dann macht es Spaß. #00:10:04-1#

Wenn du dieses Vertrauen nicht schenken kannst, wenn du diese Gewissheit nicht hast und nicht diese Lust darauf hast, Neues zu entdecken, weil die beiden machen vieles natürlich ganz anders, als ich es machen würde, dann macht es keinen Spaß. Da zerreibt es viele. Viele Selbständige, die ich kenne, haben drei, vier, fünf Mitarbeiter, sind aber immer Selbständige geblieben. Sie arbeiten mit, heben das Telefon ab und beantworten jede Kunden-E-Mail. Sie bekommen 300 E-Mails am Tag und wundern sich, warum am Ende des Tages so wenig Freizeit übrigbleibt, und so wenig Familie. Die Beziehungen gehen in die Brüche, und die Kinder kennen sie nur aus Facebook. Ganz schlimm! Und das Problem an dem Ganzen ist, du lernst nicht, Unternehmer zu werden. Du lernst es nicht auf der Uni, du lernst es nicht in der HAK, du lernst es nirgends. Gerade gestern habe ich mit einem Freund geredet, der Turniertänzer war. Er hat mir erzählt, dass er eine sensationelle Ausbildung zum Turniertänzer erhalten hat, mit Coaching und Training. Und dann ist er Unternehmer geworden, und plötzlich stehst du im Leben und hast absolut keine Ahnung. Natürlich lernt man durch Trial & Error, aber du musst sehr oft auf die Schnauze fallen, und das tut sehr weh. Das habe ich am Anfang ein bisschen vermisst. #00:11:28-0#

Thomas: Fehler zu machen ist wichtig, glaube ich. Man muss lernen, Fehler zu machen, aber man muss aus den Fehler lernen, und dann ist jeder Fehler halb so schlimm. #00:11:34-1#

Rudi: Absolut richtig. #00:11:35-3#

Thomas: Du sprühst förmlich vor Energie, das spürt man richtig. Das finde ich wahnsinnig toll. In meinem Podcast geht es auch sehr oft um die Themen „Ziele und Visionen“. Wie ist es dann weitergegangen? Du hast gekündigt, und wie hast du dann dein großes Ziel, deine Vision entwickelt? Vielleicht in der Kurzform, ich weiß schon, dass es eine sehr lange Geschichte dazu geben wird. #00:12:01-1#

Rudi: Das stimmt, das wäre abendfüllend. Die Kurzform ist, ich habe am Anfang viel probiert. Ich war sehr frustriert, als ich gekündigt habe. Ich hatte die Software so satt, ich wollte keine Software mehr machen. Das Leben, das Universum wollte aber, dass ich Software mache. Und es hat etwa drei Monate gedauert, ich habe verschiedene Sachen gemacht, und dann hat mich die Software und damit die Vergangenheit wieder eingeholt und ich habe wieder damit begonnen, Software zu machen. Ich habe dann einige sehr erfolgreiche Projekte durchgeführt. Und so hat sich das vom einen zum nächsten Projekt, Projekt, Projekt entwickelt, bis ich draufgekommen bin, dass es sich irgendwie nicht gut anfühlt. Projekte, das ist am Anfang eine Euphorie, und dann machst du das Projekt, und irgendwie arbeite ich wieder für jemanden anderes. Es hatten sich nur die Leute in der Arbeit verändert, aber ich lebte noch immer nicht mein Leben. Es war immer noch nicht mein Traum.  #00:12:58-3#

Ich kann nur jedem, der in die Selbständigkeit geht, ans Herz legen, von Zeit zu Zeit mit einem Coach zu reden. Das muss nicht wöchentlich sein, um Gottes Willen, aber einmal im halben Jahr für zwei Stunden, das kannst du ohne Probleme finanzieren, und das bringt dich massiv weiter. Ich sage immer, dass mein Gehirn danach wieder aufgeräumt ist, so wie ein Kleiderschrank, auf einmal ist wieder völlig klar, wo hängen die Hose, und was sind deine Ziele? Ich habe mich gefragt, was will ich eigentlich, was bedeutet für mich Erfolg, und wo geht die Reise hin? Was ist mir wichtig, und was ist mir nicht wichtig? Und daraus haben sich die ersten Visionen entwickelt. Ich sage bewusst „Visionen“. Ich glaube, dass es ein Fehler ist, wenn man „der Vision“ hinterherreitet und fragt, „wo ist meine Vision?“ Das ist womöglich nicht nur eine Vision, sondern es sind viele, und die verändern sich mit der Zeit. Die Welt verändert sich, das Leben verändert sich, die eigenen Bedürfnisse und die Lebensumstände verändern sich. Wie kommen wir ständig weiter? Und die zwei genialen Jungs, mit denen ich heute unterwegs bin, mit ihnen zusammen machen wir alle vier, fünf Monate einen Workshop, wo wir bewusst außerhalb des Unternehmens sind, wo wir uns bewusst irgendetwas im Grünen suchen, ein Seminarhotel zum Beispiel, und zwei Tage lang an unserer Vision arbeiten und checken, ob die Vision noch passt. Passt die Reise noch, passen die Werte noch? Oder ist es irgendetwas, von dem wir glauben, dass es wichtig ist, nur weil man es immer wieder auf Facebook liest? Ich überspitze es jetzt ein bisschen. Oder ist es etwas, für das wirklich unser Herz schlägt? #00:14:34-2#

Thomas: Wirklich sehr, sehr geniale Antwort, kann ich voll und ganz unterschreiben. Ich habe es schon angesprochen, du sprühst voller Leidenschaft. Für einen Unternehmer ist es wichtig, dass er diese Leidenschaft auf die Mitarbeiter, auf das Rundherum, auf das ganze Unternehmen überträgt. Wie gelingt dir das? #00:14:50-5#

Rudi: Ich glaube nicht, dass man Leidenschaft in jemanden einpflanzen kann. Ich glaube, dass die Leidenschaft in jedem schlummert. Aber man muss die Rahmenbedingungen schaffen, so dass sie sich bei jedem entfachen können. Wir haben im Unternehmen etwas angefangen, und ich habe noch kein echtes Wort dafür, aber ich würde es „Job Canvas“ nennen. Das ist ein System, ein theoretisches Modell der Aufgaben, die das Unternehmen von mir erwartet, was meine Talente sind, meine Stärken und was mir leichtfällt. Das sind drei verschiedene Sachen, Talente, Stärken und das, was mir leichtfällt. Und auch, was meine Wünsche sind. Und das packen wir alles in ein Modell und nennen es beispielsweise das „System Thomas“. Wir schauen, was dieses System Thomas als Input braucht und was als Output herauskommt. Und wie können wir den Output erhöhen, und wie können wir es hinbekommen, dass dieses System Thomas richtig gut funktioniert? Und das ist Teil eines genialen Umfelds, das wir erschaffen, in dem es jedem leichtfallen sollte, sich am Sonntag schon darauf zu freuen, dass man am Montag wieder die coolen Typen trifft, mit ihnen einen Kaffee trinkt und geniale Sachen macht. Wir kommunizieren viel im Unternehmen, jede Stimme ist gleich viel wert. Wir haben beispielsweise ein sehr erfolgreiches Produkt, zu dem ein Praktikant die Idee hatte. Der hatte nach drei Wochen gesagt, „könnten wir da nicht mal was machen?“ Und ich habe gesagt, „das ist eine sensationelle Idee, mach!“ Und er hat einen Prototyp gebaut, der Kunde hat es gekauft, und heute ist das ein super erfolgreiches Produkt. Der Code ist Mist, aber das Produkt ist geil! (Lacht) Am Code müssen wir noch ein bisschen arbeiten.  #00:16:43-1#

Jede Stimme soll einen Wert haben, jeder soll wissen, dass er ein wertgeschätzter Teil einer Gruppe ist, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Und hey verdammt, jeder soll wissen, wo die Reise hingeht! Ich bin ein totaler Gegner von, „da gibt es ein paar Sachen, die sind so geheim, von denen wissen nur das Management Team“. Wir erzählen alles, die guten und die schlechten Sachen, und die nicht so schönen auch. Jeder weiß, wann es gut läuft, und jeder weiß, wann es nicht so gut läuft. Das macht uns zu einem sensationellen Team. #00:17:15-9#

Thomas: Das glaube ich. Ich habe gerade das Gegenteilige kennengelernt. Ich bin in einem Dachverband im Vorstand, und da ist das Gegenteil der Fall, und dann kommt natürlich auch das Gegenteil heraus, Streitereien, Missgunst und Ähnliches, was natürlich alles andere als gut ist. Aber wirklich cool, super Antwort. Schwenken wir ein bisschen hinüber zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben, die in meinem Podcast auch immer ein wichtiges Thema sind. Von dir weiß ich, dass du vierfacher Vater bist, zehn, sieben, fünf und zwei Jahre alt sind deine Kinder. Erzähl mal, wie bringt man ein solch großes Unternehmen, die Familie, Freunde und vielleicht Hobbys unter einen Hut? #00:17:50-8#

Rudi: Wow! Das ist eine schwierige Frage. Ich habe vier wunderbare Kinder. Aber man bekommt nicht sofort vier Kinder, sondern es beginnt einmal mit einem. Und das erste Kind ist so wie kündigen und sagen, „ab wann bin ich selbständig?“ Du hast absolut keine Ahnung, was dich erwartet. Ich war total entgeistert, dass die uns im Krankenhaus das Kind mit nach Hause gegeben haben. #00:18:16-7#

Thomas: (Lacht) #00:18:17-0#

Rudi: Wie sie das machen können, denn ich bin doch überhaupt nicht vorbereitet! Ich habe keinen Kurs gemacht, nichts, ich habe nicht einmal ein Buch gelesen. Man wächst hinein. Und wenn man so eine wunderbare Frau hat wie ich sie habe und man das Gefühl hat, dass es passt, warum soll man dann kein zweites Kind bekommen? Nach dem zweiten Kind wird es dann spannend. Es gibt so etwas wie soziale Zwänge, und was ist der Traum eines jeden Österreichers? Reden wir es ganz offen an, ein super sicherer Job und zwei Kinder, möglichst ein Bub und ein Mädchen. Das ist so die Idealvorstellung, behaupte ich mal. Ab dem dritten Kind wird es spannend. Beim dritten Kind, wenn du sagst, „wir kriegen wieder ein Kind“, dann schauen dich die Leute ein bisschen schief an, „aber „okay, vielleicht sind sie kinderlieb“. Aber beim vierten, dann kommst du in irgendeine Schublade. Es gibt ein paar Schubladen, die kann sich jeder Zuhörer selbst ausdenken, welche Schublade er hat für eine Familie mit vier Kindern. Es ist das Wunderbarste auf der Welt, muss ich sagen. Wenn es nach mir gehen würde, könnten wir zehn Kinder haben. Meine Frau sagt, dass vier reichen, und ich verstehe sie auch (lacht), weil sie natürlich wesentlich mehr Zeit mit den Kindern verbringt als ich. #00:19:24-5#

Ich bin ein leidenschaftlicher Unternehmer, und das weiß meine Frau. Ich bin viel unterwegs, ich versuche aber auch, viel Zeit zu Hause zu verbringen. Und ich habe eines gelernt, und das ist mein Rezept für eine glückliche Beziehung: Um ein guter Vater und gleichzeitig ein guter Unternehmer zu sein, wo immer du bist, sei dort zu hundert Prozent. Meiner Familie nutzt es nichts, wenn ich in der Firma bin und die ganze Zeit denke, dass ich so gerne bei meinen Kindern wäre. Es nützt auch dem Unternehmen nichts, wenn ich zu Hause bei meinen Kindern bin und die ganze Zeit überlege, ob ich irgendeine E-Mail bekommen habe und ich mit Kunden hin- und herschreiben müsste. Ich probiere, zu hundert Prozent Vater und zu hundert Prozent Unternehmer zu sein, und auch, zu hundert Prozent Ehemann zu sein. Es gelingt mir nicht immer, ab und zu bin ich nur bei fünfundneunzig Prozent. #00:20:10-9#

Thomas: (Lacht) #00:20:11-2#

Rudi: Aber ich arbeite daran! Was das Wunderbare ist, ich kann meinen Kindern dadurch natürlich Sachen auf den Lebensweg mitgeben, die sie in der Schule mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht lernen werden. Wie man sich für etwas begeistern kann, wie man etwas aufbaut, wie man Leidenschaft entwickelt, wie man mit anderen Menschen redet, wie man unangenehme Sachen anspricht, ohne verletzend zu sein. Und das lernen die Kinder. Das sind die harten Lektionen, die ich erst in den letzten Jahren gelernt habe. Und ich hoffe, irgendwann sagen sie mal, „danke Papa, dass du uns ein bisschen mit einbezogen hast“.  #00:20:46-5#

Thomas: Mit dem Background sicher, ich meine, Software und digitale Revolution, das wird noch kommen, und da haben deine Kinder dann die besten Voraussetzungen dafür, da zu bestehen. Super. Sehr vielen Dank für diese Einblicke. Dein jetziges Leben, erzähl mal ein bisschen von deinem Tagesablauf. Du stehst um 03:00 Uhr in der Früh auf! (Lacht) #00:21:07-3#

Rudi: (Lacht) Bitte nicht! Ich stehe sehr oft um 03:00 Uhr in der Früh auf, wenn mein kleines Mädchen aufs Klo muss, aber ich gehe danach immer wieder schlafen.  #00:21:18-7#

Thomas: Wie sieht dein Tagesablauf ungefähr aus? #00:21:20-6#

Rudi: Der ist ziemlich unspektakulär. Ich stehe gehen 06:00 Uhr auf, gemeinsam mit meinem ältesten Sohn Julius, der mittlerweile ins Gymnasium geht. Um 06:30 Uhr geht sein Bus. Meine Frau steht ein bisschen früher auf. Wir frühstücken gemeinsam. Ich finde, dass das Frühstück sehr wichtig ist. Ich beobachte oft Familien, die nicht mit ihren Kindern frühstücken und denke mir immer, dass da irgendetwas nicht stimmt. Freunde, alle Podcast Zuhörer: Frühstückt mit euren Kindern! Steht dafür lieber eine Viertelstunde früher auf und esst eine Semmel oder ein Müsli zusammen. Das gibt wunderbare Gespräche in der Früh, wo noch alles sehr ruhig und das Hirn noch nicht so überlastet ist. #00:21:58-2#

Vor zwei Monaten war ich in Wattens beibei der I.E.C.T. Business School von Hermann Hauser und habe dort einen genialen Gründer kennengelernt, der diesen Bullet Proof Coffee getrunken hat. Kaffee, Butter und Kokosfett in einen Mixer, ssssssss, und trinken. Sonst nichts! Und das hat erst sehr strange auf mich gewirkt, aber ich habe gesagt, „lass mich mal kosten“. Und ich schwöre dir, das schmeckt mir richtig gut, und seit damals frühstücke ich einen Bullet Proof Coffee in der Früh. Bitte schaut euch das Rezept an und probiert es aus. Jetzt bin ich sowieso schon jemand, der ein relativ hohes Energielevel hat, aber mit so einem Bullet Proof Coffee werde ich zu einer Maschine. Ich habe das Gefühl, wesentlich klarer im Kopf zu sein, und der Körper schaltet um auf Fettverbrennung. Das fühlt sich ein bisschen komisch an, aber es ist ein geiles Gefühl. Das ist kulinarisch mein Start in den Tag. Ich frühstücke mit den Kindern, Julius geht zum Bus, die anderen Kinder wachen langsam auf, ich ziehe das Mädchen an, und ich bringe dann entweder meinen Sohn in die Volksschule, die liegt nämlich direkt auf dem Weg zur Arbeit oder ich bringe meinen dritten Sohn und die Tochter in den Kindergarten und in die Krabbelstube. Aber das mache ich eigentlich nicht so gerne, denn das dauert relativ lange.  #00:23:32-3#

Thomas: (Lacht) Die Verabschiedung. #00:23:31-8#

Rudi: Die Verabschiedung ist immer sehr lang und sehr emotional. Und das ist mein Start in den Tag. Ich frühstücke mit meiner Frau und mit meinem ältesten Sohn, dann machen wir die Kinder fertig. #00:23:42-3#

Thomas: Und dann geht es dahin, und dann geht es in die Arbeit. #00:23:43-6#

Rudi: Und ich sage dir eins, ohne Scheiß, wir haben in der Früh schon so viel Spaß. Und zwar, seit wir Alexa haben, läuft bei uns in der Früh die beste Mucke, die man sich nur vorstellen kann. (Lacht) #00:23:57-6#

Thomas: Sehr gut! #00:23:57-3#

Rudi: Meistens Gangster Rap, aber das sind Details. #00:23:59-8#

Thomas: Die Beats sind nicht so toll von der Alexa, da ist noch Nachholbedarf. Super, vielen Dank dafür. Du als Software- und App-Entwickler, welche Tools, Programme und Apps verwendest du für dein Selbstmanagement? #00:24:17-5#

Rudi: Das wandelt sich sehr schnell im Laufe der Zeit. Mein wichtigstes Produktivitätstool ist das, was am wenigsten Technology hat, das ist nämlich mein Notizbuch. Ich habe ständig mein Notizbuch bei mir, bei jedem Termin, um mir die wichtigen Punkte mitzuschreiben und sie mit dem aktuellen Datum zu versehen. Das wurde bisher noch durch nichts ersetzt. In der Firma setzen wir sehr viele Hilfsmittel ein. Wir verwenden Mindmaps und nutzen dafür XMind. Wir nutzen Trello im Marketing, wir nutzen Mattermost in der Entwicklung. Im Sales haben wir verschiedene Tools, aber vor allem Kanban, das nutzen wir ziemlich intensiv. Wir probieren aber auch sehr viele Tools aus. Eine besondere Sache war der totale Game Changer bei uns. Wir erhalten alle so viele E-Mails, und die E-Mail, das ist zwar die beste Erfindung des vergangenen Jahrhunderts, aber wir müssen irgendetwas gegen diese vielen E-Mails tun. Und im Unternehmen, unter den Mitarbeitern, ist es verboten, E-Mails zu schreiben. Wir haben zuerst Slack eingesetzt und sind jetzt zu Mattermost umgeschwenkt. Das ist eine Open Source Slack, und man muss wirklich zweimal hinschauen, denn das ist wirklich sehr ähnlich, aber es liegt alles auf unseren Servern. Und die gesamte Internetkommunikation zwischen den Teams, zwischen den Mitarbeitern sowie der Datenaustausch passiert über Mattermost. Wirklich ein geiles Tool. #00:25:48-9#

Thomas: Super. Das ist die erste Regel, wenn ich in ein Firmencoaching komme, dann sofort: keine Mitarbeitermails mehr untereinander. #00:25:54-7#

Rudi: Unbedingt aufhören damit! #00:25:56-4#

Thomas: Das ist der Produktivitätskiller Nummer eins oder zwei, je nachdem, neben Meetings, die dauern meist auch sehr lange. #00:26:02-0#

Rudi: Ja, stimmt. #00:26:02-8#

Thomas: Coole Tools, die werden wir natürlich alle verlinken. Ich habe brav mitgeschrieben, und die kann man sich natürlich in den Show Notes ansehen. Super cooles Interview, vielen Dank dafür, Rudolf.  #00:26:11-9#

Rudi: Vielen lieben Dank für die Einladung. #00:26:15-0#

Thomas: Jetzt erzähl mal, wo kann man mehr über dich, deine Firma, deine Produkte, wo kann man über all das mehr erfahren? #00:26:19-2#

Rudi: Ich bin auf Facebook und LinkedIn sehr aktiv. Ich lade alle Hörer ein, added mich auf Facebook, added mich auf LinkedIn, wir können gerne plaudern. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, dann gerne über LinkedIn oder den Facebook Messenger. Mehr über unser wunderbares Unternehmen Symvaro gibt es auf symvaro.com. Und das Digitalisierungstool für Wasserversorger, mit dem wir als „Start-up des Jahres 2017“ in Österreich ausgezeichnet worden sind, nennt sich „Waterloo“, so wie die Schlacht, waterloo.io. Und auf waterloo.io erfährt man viel, dort gibt es Apps für Bürger, es gibt aber auch sehr geile Apps für Wasserversorger und für Gemeinden, und das alles online. Ich lade natürlich auch die Zuhörer ein, die im kommunalen Gemeindeumfeld sind oder die selbst Wasserversorger sind, schaut auf waterloo.io, es zahlt sich wirklich aus.  #00:27:12-2#

Thomas: Genau, auf alle Fälle hinschauen, und die Links, die findet ihr natürlich alle in den Show Notes. Und die gibt es unter selbst-management.biz/203. Rudi, vielen Dank nochmals. Die letzten Worte dieses Podcasts gehören dir, und dann verabschieden wir uns. #00:27:35-3#

Rudi: Vielen Dank. Die letzten Worte, darauf bin ich jetzt nicht vorbereitet. (Lacht) #00:27:39-8#

Thomas: (Lacht) #00:27:40-4#

Rudi: Wir in Österreich haben ein kleines Problem. Wir sind gleich intelligent wie die in Berlin oder die im Silicon Valley. Ganz gleich. Und wir sind auch gleich gewachsen und haben alle Voraussetzungen, die gleich sind, nur die Jungs im Silicon Valley, die haben uns etwas Riesiges voraus, und das ist das Mindset, alles erreichen zu können, dieses Mindset, groß zu denken. Das fehlt uns ein bisschen hier in Österreich, größer zu denken, mutiger zu sein. Mein Appell an alle, die da draußen sind und denken, „mein Job ist Scheiße, er macht mir keinen Spaß mehr, und ich würde mein Leben gerne verändern“: Nehmt euch den Mut, und nehmt euch die Zeit! Hört damit auf, ein Leben für jemand anderes zu leben, und lebt euer eigenes Leben. Und wenn ihr einen positiven Impuls braucht oder einen Tritt in den Hintern, überhaupt kein Problem, schreibt mich über Facebook oder LinkedIn an, und ich gebe euch diesen Tritt! Es zahlt sich aus, da draußen ist das Leben wunderbar, und es gibt nichts Geileres auf der Welt, als Unternehmer zu sein! #00:28:46-3#

Thomas: Super! Vielen Dank, alles Liebe, und genießt euren Tag. Ciao. #00:28:50-3#

Outro: Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast. #00:29:09-6#

2017-10-16T14:56:24+00:002 Comments

2 Comments

  1. Max 16. Oktober 2017 at 11:20 - Reply

    „habe meine Zwölf-Minuten-Bitch hingelegt“ ist meine Lieblings-Passage im Transkript :).

    • Thomas 16. Oktober 2017 at 15:00 - Reply

      😉

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