5 Fragen die dein Leben verändern – Interview mit Cordula Nussbaum

Heute ist es mir eine besondere Ehre, die Heldin der „kreativen Chaoten“ Cordula Nussbaum im Interview zu Gast zu haben. Cordula ist Rednerin, Motivatorin, Zeitmanagerin, Coach, Autorin und Bloggerin. Gemeinsam plaudern wir über kreative Chaoten und ihr eCoaching-Programm „5 Fragen die dein Leben verändern“. Hör unbedingt rein in dieses wirklich spannende Interview!


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Das Interview mit Cordula Nussbaum

Thomas: Hallo Cordula, freut mich, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview. Für all jene, die dich nicht kennen sollten, das sind wahrscheinlich sehr, sehr wenige, aber stell dich bitte kurz mal vor, wer du so bist und was du so machst.

Cordula: Alles klar Thomas, danke erstmal für die Einladung, ich habe mir sehr gerne die Zeit genommen. „Zeit“ ist auch schon ein gutes Stichwort, ich gelte als die Zeitmanagementexpertin im deutschsprachigen Raum. Wobei ich ein bisschen einen anderen Ansatz habe als es die meisten kennen. Mein Ansatz nennt sich „Zeit- und Selbstmanagement für kreative Chaoten“, sprich für Ausprobierer, Ideensprudler und auch sehr hilfsbereite empathische Menschen, die sich an diesen ganzen klassischen Tipps gnadenlos die Zähne ausbeißen. Mittlerweile gibt es 14 Bücher zu dem Thema „kreativ chaotischer Erfolg“ von mir, und ich brenne für das Thema, es macht einfach Spaß.

Thomas: Super, genau, und es gibt nicht nur Bücher, es gibt auch ein E-Coaching von dir. Und da ist jetzt gleich meine erste Frage: Das E-Coaching, „Wie Sie mit fünf Fragen Ihr Leben verändern“, das klingt ziemlich provozierend, geht das wirklich alles, was man sich so vornimmt?

Cordula: Gute Frage! Nein, es geht nicht alles, und ja, der Titel ist sehr provozierend, und ich sage in dem Buch oder im E-Coaching aber auch ganz explizit: Es geht nicht alles im Leben. Es wäre vermessen zu sagen, „tschacka, tschacka, du musst es dir nur gut genug wünschen, und dann geht schon alles!“ Nein, es gibt tatsächlich Dinge, die gehen nicht oder nicht mehr. Ich arbeite seit 15 Jahren als Trainerin, als Coach, unterstütze schon, seitdem ich Teenager bin, andere Menschen dabei, persönlich zu wachsen, und ich habe immer wieder festgestellt, jawohl, es geht nicht alles im Leben, aber es geht viel, viel mehr, als wir immer denken. Und das ist der Ansatz des Buches und auch des E-Coachings, mal draufzugucken, erstmal, wofür brennst du, was würdest du gerne in dein Leben hineinbringen, und dann zu schauen, wie könnte es denn gehen? Und erstaunlicherweise stellen meine Klienten oder auch meine Leser dann immer fest, „jawohl, es stimmt, es geht mehr, als ich gedacht habe!“

Thomas: Das ist wirklich genial. Das heißt, du deckst quasi fast zwei Schienen ab, einerseits das Thema „Leidenschaft finden“ und andererseits dann auch eben, wie man die Leidenschaft umsetzen kann.  

Cordula: Genau. Wie gesagt, ich gelte eigentlich als Zeitmanagementexpertin, wobei man ganz klar sagen muss, dass wir Zeit nicht managen können. Zeit vergeht, ob ich will oder nicht, jede Stunde, jede Minute zerrinnt uns zwischen den Fingern. Ich bin aber im Prinzip über Seminare und Publikationen zum Thema „Marketing“ zu dem Thema gekommen, wie kannst du dich als Freiberufler, Kleinunternehmer so vermarkten, dass du erfolgreich im Markt unterwegs bist? Und es war mir damals noch gar nicht so bewusst, aber es war mir schon immer ein Herzensthema zu gucken, willst du das überhaupt? Hast du überhaupt Lust, freiberuflich, kleinunternehmerisch unterwegs zu sein? Hast du überhaupt ein Angebot, was für dich selbst attraktiv ist? Das heißt, dieses Thema „Leidenschaft“ war unbewusst von Anfang an immer drin. Und auch von Anfang an war für mich unbewusst der Punkt, dass ich Zeit nicht managen kann, aber wir können gucken, wie kann ich so mit meiner Zeit, mit meinen Tagen, meinen Wochen umgehen, dass ich glücklich bin, dass ich ruhig, dass ich gelassen bin? Und auch da ist dieses Thema, ob dir das überhaupt Spaß macht, was du prinzipiell tust, für mich die ganz, ganz wichtige Basis. Denn klar, ich kann kleine Strategien ausprobieren, wir können effizienter arbeiten, wir können ganz, ganz, ganz viel tun, wir können unsere To-do’s genial verwalten, wenn aber die Grundzufriedenheit nicht da ist, dann wird dieses Gefühl von Stress nie weggehen.  

Thomas: Absolut, das sehe ich auch immer wieder, das ist die absolute Basis, und auf die muss man aufbauen, sonst baut man ein Haus ohne Fundament.

Cordula: Genau.

Thomas: Cordula, inwiefern hilft dein Coaching den Menschen, die ihr Zeitmanagement verbessern wollen?

Cordula: Wie gesagt, prinzipiell ist das E-Coaching so angelegt, dass du für dich erst einmal entdeckst, was willst du überhaupt? Was wäre für dich attraktiv in deinem Leben zu tun, zu erleben, aussteigen aus dem Hamsterrad, dich selbständig machen, dich joblich zu verändern? Da auch mal ganz bewusst draufzuschauen, was bläst dich von dem Kurs, den du eigentlich einschlagen willst, immer wieder weg? Das heißt also, mal diesen Gegenwind unter die Lupe zu nehmen, warum bin ich nicht so in meinem Leben unterwegs, wie ich will? Und das ist die Basis, wie du gerade so schön gesagt hast, das ist wie das Fundament des Hauses, und dann kann ich Zeitmanagementideen dazu „garnieren“, sage ich jetzt mal. Das heißt, für Menschen, die sagen, „ich bin super gut in meinem Alltag unterwegs, ich brauche einfach nur ein paar Tools, wie ich ruhiger, gelassener mit meinen Aufgaben umgehen kann“, da sind wir dann in meinem Bereich des reinen Zeitmanagements drin, zu dem es übrigens auch demnächst irgendwann mal ein E-Coaching gibt, ich bin da schon heftig am Konzeptionieren. Und wenn jemand sagt, „nein, ich brauche einfach dieses Fundament noch, die Basis, ich weiß noch nicht so richtig, wo es für mich schön hingehen könnte“, der ist dann richtig gut in dem E-Coaching „Geht ja doch“ aufgehoben.

Thomas: Und du hast da einen sehr speziellen Ansatz.

Cordula: Was mich unterscheidet, jeder, der sich so ein bisschen mit persönlichem Erfolg beschäftigt, mit dem Thema, „wo will ich hin“, der stößt sehr schnell auf die klassischen Tipps, die da zum Beispiel heißen, wenn ich jetzt beim Thema „wo will ich in“ bleibe: Schau, was du willst, erstelle einen Maßnahmenplan, brich es herunter auf Milestones, Deadlines, erstelle am besten eine schöne Excel-Tabelle, und dann arbeite das Ganze diszipliniert ab. Das heißt, die Herangehensweise ist immer, sich ein klares Ziel zu setzen, klar, messbar, detailliert, und dann ist alles super gut! Und ich habe für mich schon sehr früh festgestellt, dass diese klassischen Tipps bei mir überhaupt nicht funktionieren. Auch wieder über das Thema „Zeitmanagement“, wenn du mit deinen Aufgaben klarkommen willst, mach eine To-do-Liste, vergib Prioritäten, arbeite es ab. Ich habe es ausprobiert, und ich bin einfach so gnadenlos gescheitert, es hat nicht funktioniert. Dann habe ich lange Zeit gedacht, „okay Cordula, offensichtlich bist du zu doof, um dich zu organisieren“, und dann habe ich mich aber sehr intensiv mit dem Thema „Talente“ beschäftigt, jetzt nicht im Sinne von super genial Klavier spielen oder Fußball spielen zu können, sondern „Talente“ im Sinne davon, bei welchen Aufgaben blühst du auf, was geht dir leicht von der Hand, was sind so die Aufgaben, die Tätigkeiten, wo du komplett Zeit und Raum vergisst? Und ich habe festgestellt, je nachdem, in welcher Talentewelt wir hauptsächlich unterwegs sind, brauchen wir einfach andere Ideen, Strategien, um persönlich erfolgreich zu sein, entweder in unserer Lebensphilosophie, Lebensplanung – jetzt verwende ich mal das Wort – oder auch im Zeitmanagement. Und ich habe sehr früh festgestellt, es gibt einfach, wenn man es mal ganz grob sagt, zwei Talentwelten: Auf der einen Seite eher die Talenttypen, sehr systematisch, analytisch, die großen Spaß daran haben, Pläne zu erstellen, etwas herunterzudröseln und sich detailliert an Zeitpläne, Wochenpläne zu halten, und auf der anderen Seite habe ich dann eher so die kreativ-chaotischen Talenttypen, also die Ideensprudler, die Ausprobierer und Unterstützter, die zwar vielleicht versuchen, eine To-do-Liste zu erstellen, aber kaum ist die To-do-Liste fertig, kommt eine neue, spannende Aufgabe daher – und zack – sind die wieder weg! Und das ist der Punkt, wo ich festgestellt habe, wenn wir eher in dieser kreativ-chaotischen Welt unterwegs sind, dann funktionieren die klassischen Tipps zum einen überhaupt nicht, und zum anderen produzieren sie zusätzlichen Stress, weil du jeden Abend dasitzt und feststellst, „super, heute früh habe ich mir 15 To-do’s aufgeschrieben, zwei davon habe ich erledigt, 13 nicht“ – oh, doof gelaufen! Und da habe ich einen Ansatz entwickelt, der tatsächlich für diese Ausprobierer, für die Menschen passt, auch für Menschen in einem Umfeld, wo die Dinge sehr schnell daherkommen, sehr überraschend daherkommen, und die auch sagen, „ich habe Lust, spontan auf neue Themen, neue Aufgaben anzuspringen, und dieses total strategische Planen und Abarbeiten, das ist einfach nicht mein Ding“.  

Thomas: Da frage ich jetzt aus Eigeninteresse, kann es da sein, dass ich mit jeweils einem Fuß in beiden Welten stehe? (Lacht)

Corinna: Ja, das kann sein, was einerseits eine gute Botschaft ist, weil dadurch bist du natürlich sehr vielseitig einsetzbar, und jetzt auch in deinem Fall als Solounternehmer oder als Solounternehmer mit ein paar Mitarbeitern um dich herum, aber wenn du der kreative Kopf bist und auch der strategische Kopf bist eines Unternehmens, dann ist es natürlich ideal, wenn wir beide Welten ein bisschen abdecken können. Einerseits die Idee zu haben, „was könnte ich tun?“, dabei auch so ein bisschen die Risikofreude zu haben, mal auszuprobieren, und auf der anderen Seite aber auch zu sagen, „es ist genial, ich setze es jetzt auch systematisch um“. Aber andererseits kann es auch sein, dass es eine innere Zerrissenheit gibt, dass du zum Beispiel dasitzt und sagst, „oh, mein Podcast, ich muss jetzt ganz strategisch die nächsten Wochen und Monate vorausplanen“. Und da sitzt der eine, der systematische Teil von dir da und erstellt sozusagen diesen Zeitplan, und der andere Teil im Thomas schreit, „einen Zeitplan braucht es nicht, ich lerne doch ständig neue, interessante Leute kennen, und da werde ich doch allemal irgendetwas haben“. Und dann hast du einen internen Clinch in dir selbst, und das kann blockieren.  

Thomas: Stimmt, ja, deswegen habe ich einen flexiblen Zeitplan! (Lacht)

Cordula: Sehr gut!

Thomas: Und wenn dann die Cordula kommt und ein Interview da ist, dann verschieben wir den Rest!

Cordula: Genau, genau. Und wenn du jetzt ein total systematischer Mensch wärst, dann würdest du das nicht machen. Es gibt Kollegen, auch von uns Kollegen, die Redaktionspläne erstellen, wirklich bis Dezember 2016, und dann ist das gesetzt. Und dann darf nur im allergrößten Notfall irgendetwas dazwischenkommen, aber sie produzieren teilweise auch drei, vier, fünf Monate im Voraus. Das ist nicht gut oder schlecht, sondern das ist einfach eine andere Herangehensweise, und es ist ganz wichtig, dass wir uns klarmachen, wie ticke ich, welche Art zu planen, strategisch vorzugehen, passt zu mir? Welche Art bringt mich auch weiter? Und uns dann nicht zu messen im Sinne von „ich habe ein schlechtes Gewissen, denn der andere macht es ja ganz anders“. Klar macht es der andere ganz anders, denn er ist ja auch ein anderer Mensch.  

Thomas: Genau, so sehe ich das auch, sehr richtig. In deinem Buch und im gleichnamigen Online-Coaching sagst du ja, „fünf Fragen helfen, unser Leben zu verändern“. Jetzt stelle ich mir die Frage, fünf Fragen, reicht das wirklich?

Cordula: Auch das ist natürlich ein bisschen provozierend vom Untertitel. Ja, es reicht, insofern, weil ich mit diesen fünf großen Fragen sozusagen jeweils ein Dach aufmache, und unter diesen fünf Fragen kommen dann ganz viele Übungen, Reflexionsfragen, die aber immer auf dieses Thema einzahlen. Also insofern, grob gesprochen, wenn wir uns fünf Fragen stellen – ja, reicht es aus.  

Thomas: Das ist schon mal gut, und gleich zur ersten Frage habe ich auch eine Frage: „Warum nicht?“, ist da die Frage, und jetzt meine Meinung: Ist das nicht arg negativ für den Einstieg in das Thema?

Cordula: (Lacht) Ja, das klingt so. Wie gesagt, Buch und auch E-Coaching bauen auf den fünf Fragen auf. Im Buch habe ich mich bewusst für die Frage „warum nicht?“ entschieden, auf dem Weg zu dem, was du willst, nämlich mit der konkreten Fragestellung, „warum tun Sie eigentlich nicht das, was Sie eigentlich tun wollen?“ Und warum habe ich es als Einstieg genommen? Weil ich in den letzten Jahren in meiner Arbeit auch als Coach, ich mache viele 1:1 Coachings, festgestellt habe, es hat immer – immer, immer, immer – einen ganz bestimmten Grund, warum wir uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Wenn wir jetzt auch wieder ein Beispiel aus dem Zeitmanagement nehmen, viele Leute sagen, dass sie gerne mal pünktlich Feierabend machen möchten, aber irgendwie ufert es immer aus, sie kommen einfach mit ihrer Arbeitszeit nicht zurecht. Und wenn ich jetzt frage, „warum gehst du denn nicht pünktlich um 17:00 Uhr?“, wobei ich es im Coaching ein bisschen anders formuliere, weil dieses „warum nicht?“, wenn man es von einem Externen hingeknallt bekommt, kommen wir schnell in eine solche Rechtfertigungsrolle, aber wenn ich mir selbst die Frage „warum nicht?“ stelle, dann ist es eine andere Geschichte. Aber hinterfrage mal, warum gehst du denn nicht pünktlich nach Hause? Und wenn dann solche Gründe kommen, „ja, ich habe Angst, dass mein Chef dann denkt, ich sei nicht leistungsfähig, nicht engagiert“, dann weiß ich auch, es ist so ein massiver Gegenwind, da kann ich hundertmal sagen, „stelle dir um 17:00 Uhr den Wecker und gehe einfach!“, der Mensch würde es nicht tun. Und das Schöne ist, in dem Moment, wo wir unseren Gegenwind, unsere Blockade erkannt haben, können wir auch anfangen, damit zu arbeiten. Wenn ich jetzt bei dem Beispiel bleibe, dass alle denken, ich sei nicht mehr engagiert, wenn ich um 17:00 Uhr pünktlich gehen möchte, dann zu überlegen, wie könntest du denn rüberbringen, dass du sehr wohl engagiert bist? Und dann kommen wir in ein solches Lösungsdenken hinein, und ich finde es immer wahnsinnig wichtig, dass wir unsere Hindernisse, unsere Gegenwinde wahrnehmen. Und ich halte beispielsweise überhaupt nichts von Ratgebern, die sagen, „hey tschacka, es geht alles im Leben, und du musst es dir nur gut genug wünschen, du musst Briefe ans Universum schicken, und dann haut es schon hin“. Ich meine, das Universum, ja, da kann ich eine zusätzliche Bestellung aufgeben, aber wenn ich immer gegen meinen inneren Widerstand agiere, dann werde ich nicht da hinkommen, wo ich hinwill oder ich werde es vielleicht irgendwann mal schaffen, aber es hat unglaublich viel Energie und Kraft gekostet, und das ist schade. Und deswegen eben dieser vielleicht ein bisschen negative Einstieg, mir erst einmal den Spiegel vorzuhalten, was hindert mich denn? Um das schon mal zu lösen. Im E-Coaching habe ich es umgedreht, denn ich wollte die Teilnehmer nicht gleich am Anfang mit dem fetten Thema alleine lassen, und deswegen habe ich im E-Coaching die Frage „warum“ vorgezogen in die ersten zwei Einheiten, nämlich im Sinne von „warum willst du das tun, was du tun möchtest?“, das heißt, „was ist deine grundsätzliche Motivation?“ Da geht es um die Motive, um die Antreiber in uns, auch um die Werte, was ist einem tatsächlich wichtig? Es gibt auch einen Talentecheck, in welcher Talentewelt bist du hauptsächlich unterwegs? Damit sie einfach schon mal mit einer ganz anderen Grundmotivation dort hineingehen.

Thomas: Super, sehr gut, gefällt mir sehr gut, dieser Ansatz.

Cordula: Das freut mich.

Thomas: Dann hast du noch die Frage nach dem „Was“, und die erklärst du mit dem Bild einer Insel. Wieso nicht als Ziel?

Cordula: Ja, warum nicht als Ziel (lacht)? Ich habe festgestellt, dass viele Menschen, also gerade auch so die kreativ-chaotischen Menschen unter uns, ihr könnt euch das übrigens, wenn es euch interessiert, in welcher Talentwelt man zu Hause ist, bei mir auf der Webseite www.kreative-chaoten.com anschauen, da gibt es einen Selbstcheck, wo ihr das selber mal herausfinden könnt, in welcher Talentewelt bin ich unterwegs? Und da habe ich festgestellt, dass gerade kreativ-chaotische Menschen oft schon ein Problem alleine mit dem Wort „Ziel“ haben. Warum? Weil für viele Menschen dieses Wort alleine schon sehr negativ behaftet ist. „Ziel“ klingt für viele kalt, so egoistisch, wir kennen es auch aus Unternehmen, da werden dann „Ziele vereinbart“, und es geht meistens einher mit Stellenabbau und Ellbogenmentalität, das ist in vielen Köpfen so drin. Und wenn ich schon allein ein Problem mit dem Wort „Ziel“ habe, dann werde ich es auch nie festlegen wollen, das macht keinen Spaß. Plus, bei kreativ-chaotischen Menschen kommt hinzu, sie wollen kein Ziel haben, messbar detailliert, wie wir es aus dem klassischen Management kennen. Warum? Weil kreativ-chaotische Menschen sind auch so die „Weltenentdecker“, die sagen, „das da draußen ist eine Blumenwiese voller Möglichkeiten, ich will mich gar nicht festlegen auf ein Ziel, weil ich das Gefühl habe, wenn ich ein Ziel für mich definiert habe, dann gehen wir mir einfach ganz, ganz, ganz viele Möglichkeiten durch die Lappen“. Und das ist wirklich der Unterschied zu den Systematikern. Und ihr kennt das vielleicht auch aus Einstellungsgesprächen, wenn die Frage kommt, „wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“, dann sagt der Systematiker, „ja, in fünf Jahren bin ich Abteilungsleiter von der Abteilung, fahre dieses Auto, bin verheiratet, habe zwei Kinder und ein Haus im Vorort“. Während der kreative Chaot eher sagt, „boah, in fünf Jahren? Keine Ahnung! Dieses Meer von Möglichkeiten, ich weiß nicht, wo es mich hintreibt“, und das ist auch gut so. Und deswegen, auch dieses Bild der Insel, und um die Menschen, gerade die kreativ-chaotischen Menschen zu ermuntern, man braucht kein Ziel-Ziel definieren, um ins Tun zu kommen, sondern stelle dir das wirklich vor wie eine Paddeltour durch das Meer der Möglichkeiten. Wenn du dein „Warum“ kennst, wo es dich hinzieht, siehst du schon den groben Kurs. Und das heißt zum Beispiel für einen kreativ-chaotischen Menschen, die Abwechslung, das Ausprobieren, neue Impulse zu bekommen, das quasi als Kurs zu sehen, und dann hast du immer wieder auf diesem Kurs, den du dann paddelst in deinem Meer der Möglichkeiten verschiedene Inseln, die du anlaufen kannst, aber nicht die Insel als Ziel-Ziel im Sinne von „angekommen, und das bleibt jetzt so für immer“, sondern solche kleinen Zwischenstationen. Und immer wieder von der Idee her: Bist du mal an einer Insel angelandet, ist die nächste schon in Sicht, und dann paddelst du weiter. Und die nächste und die übernächste, wir könnten die nicht definieren, weil wenn ich nicht ins Tun komme, sehe ich auch gar nicht, was kommt daher? Und deswegen dieses Bild, „macht euch mal auf den Weg, paddelt los, sucht euch eine Insel, die ihr erst einmal anlaufen wollt, und von da aus geht es dann weiter“.  

Thomas: Sehr genial, gefällt mir sehr gut, diese Metapher. Kreative Chaoten verwenden sicher auch Tools, Programme und Apps für ihr Zeit- und Selbstmanagement, hoffe ich zumindest. Hast du da ein paar Tipps für uns?

Cordula: Der beste Tipp, den ich euch geben kann, gerade, wenn ihr kreativ-chaotisch seid: Legt euch nicht auf ein Tool fest, weil, ihr werdet feststellen, du entscheidest dich egal für welches Tool und wirst dann nach ein paar Wochen erleben, dass es keinen Spaß mehr macht. Und dann kommt häufig der Punkt, wo wir sagen, „war ja mal wieder klar, dass ich nicht am Ball bleibe, nie kann ich irgendetwas durchziehen“. Aber das ist auch schon wieder der Punkt, denn „durchziehen, am Ball bleiben“, das ist eine Kernkompetenz von systematisch-analytischen Menschen. Kernkompetenz kreativ-chaotischer Menschen ist es, Dinge anzufangen, Dinge auf den Weg zu bringen. Und das heißt ganz konkret, erlaubt euch auch in den Tools eine Abwechslung, nimm eine Zeitlang eine App, probiere Evernote aus, nimm eine Excel-Tabelle, ein Word-Dokument, dann wechsle mal aufs Büchlein, dann nimm die Post-it‘s und erhalte dir einfach deinen Drang nach neu, nach Abwechslung, selbst auch in den Tools richtig lebendig. Und natürlich, manchmal müssen wir einen Kompromiss eingehen, wenn ihr sagt, ihr seid irgendwo fest angestellt, und ihr seid im Job einfach gezwungen, mit einem gewissen Tool zu arbeiten, gerade bei virtuellen Tools. Ich organisiere mich zum Beispiel wahnsinnig gerne mit Outlook, weil wir hier im Büro vernetzt sind, meine Mitarbeiter haben Zugriff auf meinen Kalender, das erleichtert einfach unglaublich das Organisatorische. Das heißt hier, wo mehrere Leute miteinander gut klarkommen sollen, nehmt ein Tool, das allen hilft. Aber da, für die Themen oder die Aufgaben, die nur dich alleine betreffen, da suche dir tatsächlich ein Tool, das du selbst gerne in die Hand nimmst, an dem du richtig Spaß hast.

Thomas: Sehr gut, kann ich nur unterstreichen. Cordula, wir haben gleich noch ein tolles Angebot für unsere Hörerinnen und Hörer. Bevor ich das aber mitteile, wo kann man dich im Netz finden, wo kann man mehr über dich erfahren? Du hast es schon erwähnt, vielleicht gibt es noch ein paar andere Punkte, E-Mail-Adresse oder Facebook oder wo auch immer?

Cordula: Ich bin im Netz eigentlich gut zu finden, www.kreative-chaoten.com, das ist eine Seite, da findet ihr auch ganz viele gratis Downloads und verschiedene Selbstchecks. Dann habe ich einen Blog, den ich mittlerweile seit acht Jahren betreibe, den findet ihr unter www.gluexx-factory.de. Thomas, du stellst es wahrscheinlich in die Links mit auf die Seite drauf?

Thomas: Genau, ja klar, das kommt alles in die Show Notes.

Cordula: Da gibt es immer ein-, zweimal die Woche einen Selbstmanagement-Tipp. Dann gibt es einen Podcast von mir, den kann man auch über den Blog ansteuern. Und natürlich bin ich in Facebook und Twitter auch ganz gut aktiv, und per E-Mail einfach an die info@kreativechaoten.com, das kommt direkt bei mir raus.

Thomas: Super, sehr gut, und jetzt haben wir vor unserem Interview ein wenig geplaudert, ich bin ja sehr begeistert von deinem E-Coaching und von deinen Ansätzen. Und ich konnte dich ein bisschen „zwicken“ (lachen), und da haben wir, glaube ich, ein tolles Angebot zusammengebracht. Dieses E-Coaching von dir, „Wie Sie mit fünf Fragen Ihr Leben verändern“, das kostet normalerweise 399,- Euro. Wir haben für die nächsten paar Tage vereinbart, dass meine Hörerinnen und Hörer dieses E-Coaching für 299,- Euro erstehen können plus einen Zugang zum Mitschnitt „Geht ja doch“. Das war eine Buchpräsentation oder was war das?

Cordula: Genau, da habe ich in Berlin das neue Buch vorgestellt, Buchpremiere, und das haben wir als Audio mitgeschnitten. Das geht ungefähr eine Stunde.

Thomas: Den gibt es auch noch obendrauf. Genauer Infos dazu gibt es auf meinem Blog. Link und Show Notes, das kommt dann alles noch im Nachhinein. Ich möchte mich recht herzlich bei dir bedanken, Cordula, es war ein extrem spannendes Interview, es hat mir riesigen Spaß gemacht. Und ich hoffe, wenn dein neuer Zeitmanagementkurs herauskommt, dass wir uns dann auch über den unterhalten können.

Cordula: Sehr, sehr gerne, Thomas. Dann wünsche ich dir noch eine gute Zeit, euch Hörerinnen und Hörern auch viel Spaß beim Umsetzen, ins Tun kommen, und nicht vergessen: Es geht nicht alles im Leben, aber es geht mehr, als wir immer denken.

Thomas: Das ist ein gutes Schlusswort, das lassen wir so stehen. Danke, Cordula.

Cordula: Gerne.

2017-02-08T08:36:02+00:005 Comments

5 Comments

  1. Andreas K. Giermaier 3. Mai 2016 at 21:05 - Reply

    Wichtiges Gespräch, wichtiger Prozess!

    Wenn du was hast wovon du meinst „NO WAY“, so könnte diese Nussbaumsche Methode sinnvoll für dich sein 😉
    ernsthaft: eines der besten Bücher derzeit.

    Nicht nur diese fünf Fragen sondern vielmehr auch all dein Denken, deine Beziehungen, deinen Erfolg: alles ist zurückzuführen auf deine Emotionen und Glaubenssätze.

    Es geht um das Reflektieren und aktives Ändern deiner Grenzen im Kopf, deines Selbstbildes, deines So-Seins, deines LEBENs.

    Cordula Nussbaum (und dir Tom natürlich auch) drei Daumen nach oben!

  2. Sascha Groeger 11. Mai 2016 at 19:43 - Reply

    Wahre Worte ! Vielen Dank hat mich sehr inspiriert und gezeigt, dass ich wohl ein emphatisch kreativer Chaot bin ????

  3. Caroline Müller 14. Juni 2016 at 00:23 - Reply

    Ich habe den Podcast mit grossem Interesse gehört und soeben einen der von Cordula Nussbaum erwähnten Selbstchecks gemacht – das Resultat ist überwältigend und ich hab es nun auch schwarz auf weiss, dass ich eben genau zu diesen Kreativen Chaoten gehöre, mit der Tendenz zum Unterstützer. Bei der Lektüre der Auswertung habe ich immer mehr gemerkt, dass das Resultat voll zutrifft und vieles beim Namen nennt, was ich bis anhin einfach „gespürt“ habe …. was die Situation nicht einfacher macht momentan… Nun muss ich meinen Weg finden.

    • Thomas 14. Juni 2016 at 05:47 - Reply

      Freut mich sehr!
      Viel Erfolg dabei.

      lG Thomas

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