Aufschieben war gestern

Aufschieben ist die Volkskrankheit Nummer 1! Daher freue ich mich, dass sich Gregor in diesem Gastartikel dieses Themas angenommen hat. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg bei der Umsetzung.

So wirst du zum Umsetzer

Kein Zweifel: die heutige schnelllebige Zeit stellt große Anforderungen an Deine Fähigkeit zur effizienten Nutzung Deiner Zeit. Instrumente zur besserem Zeitmanagement sind zum Beispiel: Zielformulierung, To-Do-Listen, Prioritätensetzung, Planung, Projektmanagement etc. Diese Instrumente sind beileibe nicht unnütz – ganz im Gegenteil, sie helfen enorm. In meinen Trainings und Coachings lehre ich seit vielen Jahren diese und viele andere Instrumente.

Im Laufe meiner langjährigen Praxis habe ich jedoch mehr und mehr entdeckt, dass die herkömmlichen Zeitmanagementinstrumente einfach nicht ausreichen. Vor allem können die genannten Tools ein großes Problem nicht lösen: die Initiativlosigkeit. Ich lernte im Coaching einmal einen hochrangigen Manager kennen. Er war ordentlich, genau, bestens strukturiert, hatte seine Tagespläne, Ziele, Prioritäten usw. alles fein säuberlich erfasst.

Er war geradezu ein Musterschüler an Selbstorganisation! Und dann sagte er zu mir: „Wissen Sie, Herr Heise, ich habe zwar hier alles notiert, aber ich sitze häufig den ganzen Vormittag lang an meinem Schreibtisch und kriege in Wirklichkeit kaum etwas umgesetzt. Ehrlich gesagt sind es nicht die Störungen von anderen, die mich abhalten, sondern ich kann mich einfach nicht aufraffen…

“ Du kannst dir sicher denken, dass ein weiteres Tool aus dem Werkzeugköfferchen bestimmt nicht geholfen hätte und ehrlich gesagt hatte ich auch ein solches damals nicht parat. Vielleicht kennst Du diese Situation auch bei Deiner Arbeit: Du hast jede Menge zu tun, ein ganzer Berg von Verpflichtungen wartet nur darauf, abgearbeitet zu werden. Und statt gleich loszustarten machst Du zunächst einmal nichts oder beschäftigst Dich mit Dingen, die alles andere als wichtig.

In der Psychologie heißt dieses Verhalten Prokrastination oder schlicht: Aufschiebeverhalten. Aufschieben kann eine Menge an Ursachen haben. Eine der Hauptursachen ist, dass wir unser Gehirn nicht richtig benutzen, um aktiv und handlungsbereit zu werden. Julius Kuhl hat sich als Psychologe mehr als 20 Jahre mit diesem Problem beschäftigt. Er hat herausgefunden, dass es einen Unterschied gibt zwischen Wollen und Tun. Es reicht eben nicht aus, sich zu wünschen handlungsinitiativ zu werden. Der Manager im Beispiel wollte ja auch seinen Schreibtisch abarbeiten – aber er hat es einfach nicht geschafft. Bestimmt kennst Du das auch, dass Du Dir etwas vornimmst – es dann aber doch nicht verwirklichst.

Was macht Dich handlungsinitiativ

Worin liegt nun das Geheimnis, um handlungsinitiativ zu werden?

Positive Emotionen aufrufen

Erinnere Dich an eine Situation, in der Dir Deine Aufgaben leicht von der Hand gegangen sind. Wie war Dein Gefühlszustand? Ich möchte wetten, dass Du in einer guten Stimmung gewesen bist. Wenn ein Mensch in einem positiven Gefühlszustand ist, dann wird das Gehirnsystem aktiv, das Handlungsroutinen bereitstellt. Die Arbeit geht einem leicht von der Hand. Also ist eine erste wichtige Erkenntnis: wenn Du es schaffst, auch in Belastungssituationen eine positive Stimmung aufzubauen, hast Du den nötigen Schwung, um in die Handlung zu kommen. Wie kommst Du in eine gute Stimmung? Das kann die Aussicht auf eine Belohnung sein, ein Photo das bei Dir freudige Gefühle auslöst (ja, auch das berühmte Katzenbild). Musik die Dich in einen guten Zustand versetzt. Aber auch ein kurzer Spaziergang bringt Dich wieder in Schwung.

Zu viel Denken vermeiden

Der Mensch hat im Laufe der Evolution viele Entwicklungsschritte gemacht. Einer der wichtigsten war der Ausbau des sogenannten „präfrontalen Cortex“. Diese Hirnstruktur nimmt den vorderen Bereich des Gehirns ein und ist für Funktionen wie: Aufmerksamkeit, Nachdenken, Entscheiden, Planen zuständig. Der präfrontale Cortex sorgt dafür, dass du an einer Sache dranbleiben kannst.

Störendes wird unterdrückt, die Konzentration gefördert und Hürden im Ablauf überwunden. Eine weitere wichtige Funktion: in dieser Hirnregion kannst du auch Absichten bilden. Das ist immer dann wichtig, wenn ein spontaner Handlungsimpuls zunächst einmal unterdrückt werden soll. Zum Beispiel: Du sitzt in einer Besprechung und hast einen wichtigen Einwand gegen das, was dein Kollege gerade ausführt. Die gute Gesprächskultur gebietet es jedoch, dass du abwartest, bis dein Kollege ausgesprochen hast. Damit du dieses Vorhaben jedoch nicht vergisst, musst du eine Absicht bilden und speichern.

Später, wenn die Situation günstiger ist, musst Du das Hirnsystem aktivieren, das für die Handlunsgausführung zuständig ist. Das gelingt mit dem aktivieren von positiven Emotionen. Dein Absichtsgedächtnis wirkt wie eine rote Ampel und signalisiert Deinem spontanen Ausführungssystem: HALT – STOP.

Allerdings: haben sich zu viele Absichten angesammelt, dann kommt das Gehirn aus dem STOP-Modus gar nicht mehr heraus! So ist es auch dem oben beschriebenen Manager ergangen: er hatte einfach zu viele unerledigte Absichten gespeichert. Das hielt ihn in einer permaneneten Wartesituation… Wie kannst du das verhindern? Eine wichtige Maßnahme ist das Führen von To-Do-Listen. Dieses altbewährte Tool erhält hier seine Bestätigung durch die moderne Hirnforschung! Denn: Absichten, die Du Dir notiert hast, musst Du Dir nicht mehr merken. Dadurch steht mehr Handlungsenergie zur Verfügung. Die Umsetzungswahrscheinlichkeit steigt. Wenn Du nun Deine Liste hernimmst und nun eine Absicht in die Tat umsetzen möchtest gehe wie folgt vor:

  1. Bevor Du startest versetze Dich in einen positiven Gefühlszustand. Auch wenn die Aufgabe noch so unangenehm ist, versuche sie mit positiven Emotionen zu verknüpfen.
  2. Mache Dir bewusst, welche Handlungsschritte Du gehen wirst. Bei umfangreicheren Arbeiten mache Dir einen Plan.
  3. Plane bewusst Belohnungen ein (Pause machen, Kaffee trinken, Spaziergang, etwas Triviales tun. Achte aber besonders bei Pausen und anderen Unterbrechungen darauf, ein striktes Zeitlimit einzuhalten.)

Wenn das noch nicht genügt, um in die Handlung zu kommen, dann hilft meistens ein Vertrag mit sich selbst. So könntest Du Dir z.B. sagen: „Ich werde die Arbeit erst einmal 5 Minuten probieren. Wenn es mir nicht zusagt, dann darf ich aufhören“. In aller Regel hörst Du dann nicht auf, denn wenn Du erst einmal in der Tätigkeit bist, läuft es wie von selbst.

Realistische Ziele setzen

Viele Aufschieber setzen sich Ziele, die unmöglich zu erreichen sind. Warum? Weil Sie meistens unrealistische Phantasien sind. Natürlich ist es angenehm zu träumen, wie schön es wäre mit einem Onlinebusiness Tag für Tag ohne Arbeit ein Einkommen von mehreren 1000 Euro pro Tag zu erzielen… Und diese Vorstellung löst auch gute Gefühle aus. Aber: ohnekonkrete Pläne und klare Handlungsschritte kann daraus nichts werden. Das heißt nicht, dass Du Dich nicht solchen Träumen hingeben darfst – aber überlege konkret:

  • welche Schritte Dich zum Ziel führen
  • wann Du diese Schritte gehen wirst
  • was Du tun wirst, wenn Schwierigkeiten auftauchen und
  • ob Du auch bereit bist, diese Schritte zu gehen. Eine wichtige Frage, denn Deine Ziele sollten mit Deinen Werthaltungen und Motiven übereinstimmen.

Misserfolge bewältigen

Eine weitere Hürde die es zu bewältigen gilt um ein guter Umsetzer zu werden ist die Bewältigung von Misserfolg. Ein Misserfolg gehört zum Handeln dazu. Ja mehr noch: an Misserfolgen kannst Du wachsen und reifen. Umgekehrt gilt: wen Du erwartest, dass bei jedem neuen Projekt alles gleich 100% funktionieren soll, setzt Du Dich unter einen unnötigen Druck! Das kann dann dazu führen, dass Du vor lauter Furcht dass etwas schief gehen könnte lieber gar nichts unternimmst! Wie kannst Du Misserfolge besser bewältigen?

  • Erlaube Dir Fehler!
  • Vermeide die Perfektionismusfalle.
  • Tausche Dich mit anderen über Misserfolge aus.
  • Werte einen Misserfolg schriftlich aus. Was hast Du gelernt? Was machst Du in Zukunft anders?
  • Vermeide es, einen Misserfolg allein auf Dich zu beziehen. Es liegt niemals nur ausschließlich an Dir!
  • Vermeide unbedingt langes Grübeln. Was geschehen ist, ist geschehen. Hake den Misserfolg gedanklich ab und orientiere Dich neu.

Fazit

  • Damit Du Deine Ziele erreichst, musst Du in die Umsetzung gehen. Das erreichst Du durch positive Emotionen, realistische Ziele und Misserfolgsbewältigung.
  • Nur Träumen allein genügt nicht! Plane Umsetzungsschritte ein und belohne Dich dazwischen!
  • Umsetzen bedeutet mehr als nur Zeitmanagementtools zu beherrschen, Du musst in der Lage sein, Dein inneres Orchester – Dein Gehirn – richtig zu steuern. Das gelingt durch das bewusste Wahrnehmen und Beeinflussen der eigenen Stimmung!
  • Emotionen haben einen großen Anteil daran, Handlungsblockaden zu überwinden. Du bist also nicht Opfer, sondern kannst durch relativ einfache Methoden Deine Selbststeuerung verbessern.
  • Starte den Tag mit einer positiven Grundstimmung!

Wusstest Du, dass es möglich ist, Deine Selbststeuerungskompetenzen zu messen? Dazu gibt es einen wissenschaftlich fundierten Onlinetest, der 13 Kompetenzen Deiner Selbststeuerung. Du siehst sofort, wo Du schon Stärken hast und wo es noch Entwicklungspotenzial hast. Der Test dauert ca. 15 Minuten. Du kannst ihn hier bestellen und durchführen.

Über den Autor

Gregor ist seit 1990 als Trainer und Coach aktiv. Er ist Geschäftsführer der Heisetraining. Seine Schwerpunktthemen sind: Selbstführung, Verhandlungsführung, Vertrieb und Führungskräfteentwicklung. Er leitet das PSI-Institut Austria, das in Zusammenarbeit mit IMPART von Julius Kuhl psychologische Testverfahren und Zertifzierungen durchführt. Du erreichst den Autor auf seiner Website www.heisetraining.at

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2018-05-25T18:11:55+00:000 Kommentare

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