Ausdruck statt Eindruck – ein Interview mit Alexander Wahler

Alexander Wahler ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung und hilft den Menschen in seinem Umfeld glücklicher und erfolgreicher zu werden. Außerdem hat er einen extrem erfolgreichen Youtube-Kanal, seine Videos wurden mehr als 2,5 Millionen mal gesehen. Gemeinsam haben wir Themen wie Authentizität, Empathie, Selbstvertrauen und seinen spannenden Ansatz zum networking geplaudert. Hör rein in dieses spannende Interview.


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Das Transkript des Interviews:

Hallo und herzlich willkommen zur 205. Podcastfolge, ich freue mich, dass du wieder dabei bist. Heute wieder ein sehr, sehr spannendes Interview mit Alexander Wahler. Alexander ist 26 Jahre alt, Coach für Persönlichkeitsentwicklung und hilft Menschen in seinem Umfeld, glücklicher und erfolgreicher zu werden. Er ist ein extrem erfolgreicher YouTuber mit Millionen von Views. Alex, herzlich willkommen, ich freue mich, dass du dabei bist. Sei so lieb und stell dich kurz selbst vor. Ich bin sicher, ich habe noch ein paar Sachen vergessen, die für meine Hörerinnen und Hörer spannend sind.

Alexander: Servus Thomas. Du hast eigentlich das Wichtigste gesagt. Ich habe das vor drei Jahren als Hobby angefangen. Eigentlich habe ich Psychologie studiert, war semiprofessioneller Musiker und hatte mich schon einige Jahre mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt, weil meine Leidenschaft immer die Menschen waren und persönliches Wachstum und Lernen. Ich habe es schon immer geliebt, eine Fähigkeit zu lernen und diese an Leute weiterzugeben. 2014 habe ich als Hobby einen YouTube-Kanal angefangen und mir gesagt, dass ich als Challenge jeden Tag ein Video hochlade. Und das ist innerhalb kurzer Zeit zu einem kleinen Coaching Business geworden, und als es größer wurde, habe ich mein Studium deswegen abgebrochen. Und heute mache ich es Fulltime.

Thomas: Du hast jetzt schon etwas ganz Spannendes gesagt, was ich erst unlängst in einem Podcast gehört habe: Regelmäßigkeit und dranbleiben. Ist das eines deiner Erfolgsrezepte?

Alexander: Ich würde sagen, nicht nur von mir. Oder? Es gibt ein Zitat, auf das ich mich immer berufe, das lautet, „ich kann dir nicht sagen, was dich erfolgreich macht, aber ich kann dir sagen, was dich nicht erfolgreich macht, nämlich Faulheit und Unzuverlässigkeit“. Konstant an einer Sache dranzubleiben, das ist das absolute Gegenteil von Faulheit und Unzuverlässigkeit. Ich schaue auch sehr gerne darauf, etwas nicht intensiv zu machen, sondern es konstant zu machen. Nehmen wir als Beispiel das Phänomen, was jedes Jahr zu Anfang des Jahres auftaucht, wenn alle Leute ins Fitnessstudio rennen und sich vornehmen, dieses Jahr super in Form zu kommen. Die wenigsten legen sich einen Trainingsplan für die nächsten dreißig Tage zurecht und nehmen sich vor, fünf- bis sechsmal die Woche trainieren zu gehen, fünfundvierzig Minuten lang dies und jenes zu machen, um langsam aufzubauen. Nein, die meisten rennen ins Studio, verausgaben sich komplett, machen es zwei bis drei Tage lang hintereinander, hassen dann die Welt, weil alles wehtut und sie überall Muskelkater haben und hören auf damit. Der viel bessere Weg ist, konstant aufzubauen, denn dann geht die Intensität mit der Zeit automatisch hoch. 

Thomas: Absolut, ja, kann ich nur unterschreiben. Ich bin Fitnesscentergeher, und ich hasse die Zeit zwischen dem 2. und dem 10. Jänner (lacht). Sehr, sehr genial. Dein Thema ist die Persönlichkeitsentwicklung, du beschreibst das so schön, „hin zur magnetischen Persönlichkeit“. Gib uns doch mal ein paar Tipps mit auf den Weg!

Alexander: Als erstes berufe ich mich immer gerne darauf, damit aufzuhören, einen guten Eindruck machen zu wollen. Ich weiß nicht, ob es dir schon einmal aufgefallen ist, Thomas, die meisten Bücher und die meisten Kurse, die sich mit diesem Thema beschäftigen, fokussieren sich auf den Eindruck, den wir machen. Häufig stellt unser Kopf als erstes die Frage, wie mache ich einen guten Eindruck, wie komme ich gut an, wie überzeuge ich die andere Person von mir? Ich stelle das Ganze gern auf den Kopf, und zwar fokussiere dich nicht darauf, einen Eindruck zu machen, sondern fokussiere dich darauf, deine eigene Persönlichkeit auszudrücken. Das gebe ich gerne nochmal in einem Zitat wieder: „Ausdruck statt Eindruck“. Denn jeder von uns hat eine einzigartige Persönlichkeit, und du wirst es niemals schaffen, dass dich alle Leute mögen. Ganz im Gegenteil, wenn du charismatischer sein möchtest, wenn du anziehender sein möchtest, dann musst du polarisieren. Das ist ein bisschen wie im Business. Wenn du im Business versuchst, einen Bauchladen zu haben und jeden damit anzusprechen, dann sprichst du keinen damit an, weil sich niemand denkt, dass das Angebot genau für ihn gemacht ist.  

Wenn du im Geschäft polarisierst, ist das genauso, als wenn du mit deiner Persönlichkeit polarisierst. Wenn du diese Persönlichkeit zu einhundert Prozent rauslässt, wirst du dadurch manche Leute komplett abstoßen, so dass sie überhaupt kein Interesse haben, Zeit mit dir zu verbringen, während andere dich nicht nur mögen, sondern sogar absolut lieben werden. Das heißt, der erste Punkt ist immer, lerne, deine Persönlichkeit auszudrücken. Und ich sage ganz konkret, lerne es! Natürlich ist es menschlich, dass wir eine gewisse Angst vor Ablehnung haben, dass wir gut bei anderen Menschen ankommen wollen, dass wir ein wenig in die Meinung anderer Leute investiert sind. Das ist absolut menschlich. Die Kunst dabei ist, den Mut zu haben, mit diesen Dingen umzugehen. Das heißt, die Achtsamkeit und das Selbstbewusstsein zu entwickeln und zu merken, „ach guck mal, jetzt bin ich in Gedanken gerade wieder dabei, welche Meinung die Leute um mich herum von mir haben“ oder auch eine Tendenz, bei der anderen Person gut ankommen zu wollen. Das heißt, ich habe mich ein bisschen verstellt. Einfach die Achtsamkeit darauf zu setzen, denn sobald du die Achtsamkeit auf etwas setzt, hast du eigentlich schon fünfzig Prozent der Arbeit erledigt. Das ist so, als würdest du mit einer Taschenlampe ins Dunkle leuchten, und sobald du das Licht ins Dunkle gebracht hast, kannst du das, was du gesehen hast, nicht mehr vergessen. Das heißt, du hast allein schon dadurch die fünfzig Prozent geschafft, um es zu einem kontinuierlichen Prozess zu machen. Und damit kommen wir wieder zum ersten Punkt zurück. Du wirst dich jeden Tag dabei ertappen, „oh, was geht in meinem Kopf vor, drücke ich mich authentisch aus oder versuche ich gerade, extrem gut anzukommen?“  

Ich würde sogar sagen, dass das einer der größten Punkte ist, warum YouTube für mich so gut funktioniert hat, weil ich nie versucht habe, ein Image aufzubauen. Ich habe mich einfach vor die Kamera gestellt und angefangen, zu reden. Das ist übrigens ganz interessant, Michael Rossié, das ist ein bekannter Public Speaker Trainer, hat gesagt, „scheiß auf Rhetoriktraining!“ Oh, darf ich hier fluchen?  

Thomas: (Lacht)

Alexander: Okay. Er sagt, vergiss Rhetoriktraining, Gestiktraining und den Umgang mit deiner Körpersprache. Geh auf die Bühne und lerne, auf der Bühne genauso zu reden wie neben der Bühne. 

Thomas: Absolut. Das beste Beispiel ist, glaube ich, Gary Vaynerchuk.

Alexander: Ja, bester Mann. Auf jeden Fall, klar.  

Thomas: Den werden wir verlinken. Gary, wer ihn noch nicht kennt, ist auf jeden Fall ein Phänomen, dass sich jeder mal anschauen sollte. Ein unglaublicher Typ.

Alexander: Und das ist das Schöne. Wo wir gerade bei dem Punkt sind, will ich ihn eben kurz zu Ende bringen. Weil er das auch so anspricht, nämlich: Sei authentisch! Und das ist natürlich ein Wort, das enorm durch die Gegend geworfen wird. Was heißt denn „authentisch“? Ich versuche gerne, es den Leuten einfach zu machen und zu sagen, fokussiere dich auf den Ausdruck deiner Persönlichkeit, drücke dich selber aus. Drücke das nach außen aus, was du innerlich fühlst. Und nimm wahr, wenn dir dein Verstand einen Strich durch die Rechnung machen will, denn das bist nicht du, sondern das ist dein Verstand. Unsere Gedanken laufen einfach ab, und sobald wir lernen, ein höheres Selbstbewusstsein zu bekommen, also ein höheres Bewusstsein für unsere Gedanken, können wir sie beobachten und dann manche Gedanken ernst nehmen oder weniger ernst nehmen. Wenn der Gedanke kommt, „was denkt jetzt Markus dort drüben über mich?“, dann sollte man sich dessen sofort bewusstwerden, „ah, da war dieser Gedanke wieder“. Damit nehmen wir ihm die Macht und können uns mehr darauf fokussieren, uns auszudrücken.  

Thomas: Das kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Wenn du wirklich authentisch bist, dann ist das immer die absolut beste Version. Ich komme aus dem Fußball, und bei vielen Fußballtrainern merkt man einfach, dass ihr Verhalten aufgesetzt ist, das passt irgendwie nicht, denn sie imitieren einen Mourinho, einen Klopp oder sonst irgendwen. Und andere wiederum sind vollkommen authentisch, und das ist auf alle Fälle absolut wichtig. Welche Punkte gibt es neben der Authentizität noch zum Thema „Persönlichkeit“?

Alexander: In Bezug auf das Schließen von Freundschaften und Leute kennenlernen oder worauf meinst du?

Thomas: Ja, machen wir das einfach, Freude, Leute kennenlernen, welche wichtigen Punkte gibt es da noch?

Alexander: Punkt Nummer 1 ist immer die Authentizität. Und darauf folgt häufig die Fähigkeit Nummer 2, und zwar ist das die Empathie. Nehmen wir an, du hattest noch nie Probleme damit, dich auszudrücken. Es gibt Leute, die damit überhaupt keine Probleme haben. Oder du hast es gerade gelernt und übst, dich frei auszudrücken, deine Gedanken und Emotionen rauszulassen und authentisch zu handeln. Dann darfst du nicht vergessen, dass du dich der anderen Person gegenüber trotzdem verständlich machen musst. Das heißt, du musst deinen Inhalt in Worte fassen oder so ausdrücken, dass die andere Person dir folgen kann. Wenn du dich authentisch ausdrückst, aber die ganze Zeit Chinesisch sprichst, obwohl die andere Person nur Englisch versteht, dann bringt das nichts. Wenn du allerdings empathisch bist und merkst, dass du die falsche Sprache sprichst und mit der Person Englisch anstatt Chinesisch reden musst, dann kannst du mit deiner Persönlichkeit bei der anderen Person extrem punkten, weil du dich nicht nur authentisch ausdrückst, sondern weil du dich auch noch auf sie bezogen ausdrückst.  

Manche würden das Ganze so ausdrücken, dass man ehrlich interessiert an einer Person sein soll. Wenn du ehrliches Interesse an einer Person hast, wirst du automatisch sehr viel empathischer, weil du dann neugierig bist, weil du dich dann mehr in die Person hineinversetzt. Ich gehe gerne den Weg mich zu fragen, was fühlt die Person aktuell innerlich? Wenn du weißt, wie sich die Person innerlich fühlt, dann kannst du deine Worte und deinen Ausdruck sehr viel einfacher und besser an sie anpassen. Und diese beiden Sachen muss man zusammenbringen, den authentischen Ausdruck mit dem emphatischen Eingehen auf die andere Person. Das sagt auch Stephen Covey mit „seek first to understand, then to be understood“, versuche erst, die andere Person zu verstehen, um dann von ihr verstanden zu werden. Nur, wenn du weißt, wie die andere Person tickt, kannst du dich in ihren Worten ausdrücken, und dann fühlst du dich selbst auch verstanden. Das sind meiner Erfahrung nach die beiden wichtigsten Fähigkeiten, Ausdruck und Empathie.

Und hier kommt noch eine lustige Sache dazu. Die Leute, die häufig Probleme mit dem Ausdruck haben, haben meist keinerlei Probleme mit der Empathie, während die Leute, die überhaupt kein Problem mit dem Ausdruck haben, häufig enorme Probleme mit der Empathie haben. Es gibt den etwas zurückhaltenden Menschen, der sich nicht so ganz traut, aus sich herauszukommen. Der ist häufig sehr emphatisch, wenn nicht sogar zu empathisch. Der ist häufig zu sehr damit beschäftigt herauszufinden, wie sich die andere Person fühlt, welches Bild sie von ihm selbst hat und wie die Person von ihm denkt. Da sollte der Fokus mehr von der Empathie weggehen, hin zum Ausdruck. Wir lernen auch die lauten Persönlichkeiten kennen, die extrem direkt sind, die super extrovertiert sind, das heißt, die keinerlei Probleme haben, sich auszudrücken. Bei denen fehlt es häufig an Empathie. Das heißt, je nachdem, wo du gerade in diesem Spektrum bist, lieber Zuhörer, kannst du das Ganze anpassen. Und hier sei bitte ehrlich zu dir, und ich denke, wenn du in dich hineinhorchst, dann weißt du auch, an welchem Punkt des Spektrums du gerade bist. Dann merkst du im Gespräch, ob du gerade versuchst, einen guten Eindruck zu machen oder ob du dich ehrlich ausdrückst. Oder wenn du eher die Person bist, die sich ausdrückt, dann stell dir die Frage, „rede ich gerade auf die Person ein oder rede ich mit ihr?“ Wenn du dich einfach nur ausdrückst ohne Empathie, dann führst du kein Gespräch, sondern du redest auf jemanden ein. Deshalb da eher die Empathie, um mit der Person zu reden, und wenn du eher auf der empathischen, ruhigeren Seite bist, dann drücke dich mehr aus und fokussiere dich weniger auf den Eindruck, den du machst.

Thomas: Kann ich absolut unterschreiben. Jetzt gibt es aber auch Menschen, Alex, bei denen einfach das Selbstvertrauen komplett fehlt. Wahrscheinlich haben diese Menschen Empathie, aber sie können gar nicht zu diesem Ausdruck kommen. Hast du dazu vielleicht noch Tipps zur Steigerung des Selbstvertrauens oder wie diese Menschen das Problem lösen können?

Alexander: Auch, wenn es die Leute nicht gerne hören werden, aber der erste Punkt ist: Lass dir ein paar Eier wachsen! Selbstvertrauen ist nichts, was zu Hause im stillen Kämmerlein durch Affirmationen gedeiht, sondern es ist etwas, was du dir verdienst. Ich war bis fast zu meinem 21. Lebensjahr Jungfrau, ich war extrem schüchtern und zurückhaltend. Und das hat mich ziemlich angekotzt, weil ich gesehen habe, dass ich bald einundzwanzig werde und in meinem Leben gerade mal zwei Mädchen geküsst habe. Ich wollte dieses Thema für mich ein für alle Mal klären. Und siehe da, ich las die ersten Bücher zum Thema „Selbstvertrauen“, und alle sagten mir, dass man sich in die Situation hineinwerfen muss, denn anders wird man diese Angst nicht los. Du kannst Angst niemals wegdenken, du kannst Angst nur weghandeln.  

Ein Beispiel, nehmen wir an, du stehst auf einem Zehn-Meter-Brett und hast enorme Angst, zu springen. Du kannst noch so viel nachdenken, die Angst wird so lange nicht weggehen, bis du springst. Du kannst dich niemals aus der Angst herausdenken. Das heißt, der erste Schritt ist immer, identifiziere die Situation, die dich unsicher und nervös macht, die dir vielleicht sogar Angst macht und setze dich dieser Situation so lange aus, bis es sich für dich so anfühlt wie das Schuhe Zubinden. Das war übrigens auch einer der Gründe, warum ich begonnen habe, YouTube zu machen, weil ich mega Schiss hatte, mich vor die Kamera zu stellen. Und heute ist es so, dass ich eigentlich nichts anderes mache als vor der Kamera zu stehen. Es ist wirklich so, „ah, eine Kamera, okay!“ Was dann übrigens immer lustig ist, bei anderen zu sehen, zum Beispiel bei Freunden. Du kennst jemand, der ein super enormes Selbstvertrauen hat, und zwar so lange, bis er vor einer Kamera steht. Wenn man zusammen ein Video drehen will, dann sieht man, dass sich plötzlich die ganze Persönlichkeit verändert, „oh, die Kamera ist an“. Das heißt nicht, dass derjenige eine Person ohne Selbstvertrauen ist, nein, lediglich die Situation ist neu.  

Und da möchte ich einen zweiten Punkt mitgeben, um das Mindset ein wenig zu ändern. Leute, die wenig Selbstvertrauen haben oder sich in manchen Situationen unwohl fühlen, sagen gerne, dass sie schüchtern oder ein zurückhaltender Typ sind, „ich bin eher der Außenseiter“. Hör auf, dir diese Eigenschaften zuzuschreiben, denn sobald du das tust, meißelst du es in Stein. Auch wenn du sagst, dass du schüchtern bist, nein, du bist nicht schüchtern, denn ich bin mir sicher, dass du bereits Situationen durchlebt hast, in denen du extrem aus dir herausgekommen bist. Wo du laut warst, lustig warst, wo du einen Spruch nach dem anderen gerissen hast. Situationen, in denen du vollkommen im Mittelpunkt gestanden und die ganze Aufmerksamkeit auf dich gezogen hast. Also bist du offensichtlich nicht immer schüchtern. Sage dir nicht, dass du schüchtern bist, sondern sage dir stattdessen, dass du in diesen Situationen einfach noch nicht genug Erfahrung gesammelt hast. That’s it! Sobald du mehr Erfahrung in diesen Situationen sammelst, bist du auch entspannter.

Gehen wir zurück zu dem Beispiel meines Freundes vor der Kamera. Privat ist er eine super selbstbewusste Person mit einem enormen Selbstvertrauen. Kaum geht die Kamera an, merkst du, dass er plötzlich ganz anders wird. Er wird unsicher und redet leiser und langsamer. Was nicht heißt, dass er kein Selbstvertrauen hat, sondern er ist einfach in einer ungewohnten Situation. Er würde aber nicht auf die Idee kommen zu sagen, dass er schüchtern ist. Nein, nein, nein! Es ist einfach ungewohnt. Je mehr du dich an etwas gewöhnst, desto mehr Selbstvertrauen hast du in diesen Situationen.

Thomas: Absolut, das kann ich voll und ganz unterstreichen. Wer Lust hat, kann auf meinen YouTube Channel gehen und ganz nach hinten scrollen (lacht). Ich sehe es mir ab und zu noch sehr, sehr gerne an und lasse es auch auf dem Kanal stehen. Natürlich sieht man die Unsicherheit, man sieht, dass ich mich nicht wohlgefühlt habe, aber es war einfach ein Entwicklungsprozess, und mittlerweile geht es mir wie dir. Die Kamera geht an, und ich bin in meinem Element. Das ist kein Unterschied zu sonst, das heißt, man muss sich an alles erst gewöhnen.

Alexander: Es ist total interessant, wenn du eine neue Fähigkeit lernst, wie überwältigend die anfangs ist. Du sammelst erste Erfahrungen, machst die ersten Schritte, und plötzlich funktioniert es leichter. Dann wirst du ein bisschen angefixt und merkst, „es geht ja doch!“ Du machst du es mehr und mehr und mehr, und mit der Zeit hast du keine Angst mehr davor, sondern es wird vielleicht sogar zu einer Leidenschaft.  

Thomas: Absolut, ganz genau so ist es, wirklich sehr, sehr spannend. Ich kann nur jedem empfehlen, ins kalte Wasser zu springen und das umzusetzen. Super Tipps, danke dafür, Alex. Ein Thema hätte ich noch auf dem Schirm, und zwar geht es um das Aufbauen von Netzwerken. In unserer heutigen Gesellschaft ist es sehr wichtig, ein großes Netzwerk zu haben und viele Leute zu kennen. Damit ich, wenn ich mal irgendwas irgendwo brauche, weiß, auf wen ich zurückgreifen kann. Wie baut man sich ein tolles, großes Netzwerk auf?  

Alexander: Da würde ich zunächst an einem Punkt anknüpfen, den du gerade genannt hast, nämlich möglichst viele Leute zu kennen. Da möchte ich dir extrem widersprechen. Das ist etwas, worauf viele Leute ihren Fokus setzen. Aus meiner Erfahrung ist es jedoch nicht wichtig, wie viele Leute du kennst, sondern es ist wichtig, welche Leute du kennst. Das heißt, fokussiere dich nicht darauf, ein riesiges Netzwerk aufzubauen, denn was bringt es dir, wenn du mit jedem eine ziemlich lockere, oberflächliche Beziehung hast, aber niemand für dich da ist, wenn du Hilfe brauchst? Stattdessen nimm fünfzehn, zwanzig oder auch fünfzig Leute, welche Zahl auch immer sich für dich am authentischsten anfühlt und finde die Leute, die zu dir passen. Ich persönlich bin kein Fan solcher rationalen Zweckbeziehungen wie „okay, pass auf, hier in dem Geschäft machen wir jetzt dieses und jenes zusammen, denn wir profitieren bei davon“. Ich mag es lieber, Leute kennenzulernen. Wir beiden haben letzte Woche auch erst einmal zusammen geskypt, um uns vorzubesprechen. Ich mag es lieber, Leute kennenzulernen. Denn warum nur das Rationale, wenn du auch Freundschaften und enge Beziehungen aufbauen kannst oder vielleicht sogar nur lockere Beziehungen, bei denen ihr euch gut versteht und die euch gleichzeitig gemeinsam weiter nach vorne bringen? Und dazu brauchst du nicht viele Leute, im Gegenteil. Wir alle kennen „Dunbar‘s Number“, dass unser Kopf nur dafür gemacht ist, maximal hundertfünfzig verschiedene Beziehungen mental aufrechterhalten zu können. Das war die maximale Stammesgröße, die wir als Urmenschen hatten. Danach ist der Kopf überfordert. Das sieht man übrigens auch sehr schön von Gruppen von Schimpansen, dass sich die Gruppe ab einer bestimmten Anzahl splittet, wenn die Gruppe zu groß wird. Sie teilt sich in zwei kleinere Gruppen, weil es einfach zu unübersichtlich wird und sie die vielen Beziehungen nicht mehr tracken können. Und bei uns ist es ähnlich.  

Das heißt, man sollte den Fokus nicht darauf legen, ein großes Netzwerk aufzubauen, sondern besser darauf, die richtigen Leute kennenzulernen. Und es sollte jeder für sich entscheiden, welche Leute das sind, sei es für die Karriere, sei es für ein bestimmtes Hobby oder ganz einfach für Freundschaften. „Eine Freundschaft, die auf einem Zweck basiert, ist keine echte Freundschaft“, das ist ein schönes Zitat, auf das ich mich gerne fokussiere. Das heißt, dass ihr zunächst einfach Freunde seid, und wenn darüber hinaus noch etwas hinzukommt, von dem ihr gegenseitig profitiert oder ihr euch gegenseitig erfolgreich macht, dann ist das super. Aber ich komme ein bisschen von der Frage ab hin in den philosophischen Bereich, merke ich gerade. Wie macht man es also?

Fokussiere dich also nicht darauf, viele Leute zu finden, sondern darauf, die richtigen Leute zu finden. Ironischerweise musst du dafür wahrscheinlich eine ganze Menge Leute kennenlernen, um die „Goldstücke“ zu finden. In dem Zusammenhang nehme ich gerne die Goldgräbermethapher. Stell dir vor, du bist ein Goldgräber, der mit seiner Spitzhacke in der Goldmine arbeitet und auf dem Stein herumhackt. Das meiste, was dir entgegenkommt, sind Steine, aber die willst du natürlich nicht. Und so kannst du dir es auch mit den Beziehungen vorstellen. Du gehst auf ein Event nach dem anderen oder lernst jede Woche ein Dutzend neue Leute kennen. Die meisten davon sind cool, aber sie kommen und gehen. Man lernt sich kennen, aber es entsteht keine enge Freundschaft, keine super Beziehung, sondern man hat nur einige Male Kontakt. Dann findest du ab und zu Edelsteine, aber das ist immer noch nicht das, was du suchst. Diese Edelsteine machen das Leben extrem einfacher, sehr viel schöner und bunter. Es sind gute Beziehungen, gute Bekanntschaften, bei denen du merkst, dass ihr auf einer Wellenlänge seid. Ihr könnt euch gegenseitig in den Karrieren helfen, ich kann von ihm lernen, er kann von mir lernen. Mein Trainer ist zum Beispiel so jemand. Wir sind recht gut befreundet, und wir arbeiten sechsmal die Woche zusammen. Er trainiert mich, und ich helfe ihm im Business. Wir verstehen uns einfach super. Und dann findest du ab und zu genau das, was du gesucht hast, nämlich die Goldstücke. Und was für dich ein Goldstück ist, das kannst du selbst für dich definieren, sei es ein guter Freund, ein Mentor oder der perfekte Kunde, sei es eine feste Freundin oder ein fester Freund, wo es wirklich „klick“ macht. Und um diese Leute zu finden, musst du durch eine ganze Menge Leute durch, sowohl geschäftlich, privat als auch bei einem Hobby. Und das meine ich, wenn ich sage, fokussiere dich nicht darauf, viele Leute kennenzulernen, sondern darauf, die richtigen Goldstücke zu finden. Ironischerweise musst du natürlich erst einmal eine Menge Leute kennenlernen, aber sammle keine Kontakte, nur um Kontakte zu sammeln. Das ist meiner Erfahrung nach nicht effektiv, denn die andere Person merkt, dass sie nur ein Kontakt ist und kein ehrliches Interesse besteht. Bau eine authentische Beziehung auf, das wird dir langfristig immer mehr bringen.

Thomas: Absolut, kann ich voll und ganz unterstreichen aus meiner eigenen Erfahrung. Sehr, sehr coole Tipps, Alex, vielen Dank dafür. Wir sind schon über die zwanzig Minuten hinausgelangt. Ich würde sagen, die restlichen Fragen verschieben wir auf ein anderes Mal.  

Alexander: Gerne.

Thomas: Worüber ich noch gerne mit dir plaudern will, das ist, du hast ein kostenloses Online Coaching, vielleicht kannst du dazu noch ein paar Worte verlieren?

Alexander: Genau, das ist ein fast neunzigminütiges Online Coaching, ein Online Training, für das du dich kostenlos eintragen kannst. Und da werde ich dir genau zeigen, wie du es schaffst, charismatischer zu werden, deine Persönlichkeit auszudrücken und dadurch die richtigen Leute in dein Leben zu ziehen. Ich werde dir dabei drei sehr coole Geheimnisse verraten, meine drei besten Tipps. Die werde ich dir hier nicht verraten, denn sonst schaust du dir das Training nicht an. Das sind, wie gesagt, die drei Geheimnisse, die dir zeigen, warum alles, was du brauchst, deine Persönlichkeit ist und wie du es schaffst, in einer Woche mehr Leute kennenzulernen als andere Leute in einem ganzen Jahr, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen. Und ich zeige dir, wie du dabei über alles reden kannst, so dass du dir nie wieder Gedanken darüber machen musst, was die perfekten Themen sind, die du in einer bestimmten Geschäftsatmosphäre ansprechen musst oder beispielsweise auch in einer Partyatmosphäre. Das heißt, du lernst, vollkommen charismatisch zu werden, die richtigen Leute dadurch anzuziehen, und mehr will ich darüber jetzt auch gar nicht sagen. Schau es dir an, es ist extrem viel Content.  

Danke, dass ich da sein durfte, es hat Spaß gemacht.

Thomas: Sehr, sehr vielen Dank, dass du da warst, es freut mich sehr. Alle, die dieses kostenlose Online Coaching machen wollen, können den Link in den Show Notes finden beziehungsweise unter selbst-management.biz/205 für die 205. Podcastfolge. Dort wird es auch weitere Links geben.

Alexander: Ah, okay, das macht Sinn.

Thomas: Alex, vielen Dank, dass du da warst. Die letzten Worte dieses Podcasts gehören dir. Was hast du meinen Hörern noch mit auf den Weg zu geben?

Alexander: Das Letzte, was ich den Zuhörern mitgeben würde, ist: Ziehe dein eigenes Ding voll durch! Du kennst deine Persönlichkeit, du weißt, was dir Spaß macht, du weißt, was du magst und was du nicht magst, wo du hinwillst und welche Ziele du erreichen willst. Lass dir dabei von keinem anderen in die Suppe spucken. Sondern im Gegenteil, finde Verbündete, finde Freunde, finde Bekanntschaften, Beziehungen und Partner, die einen ähnlichen Weg gehen wollen oder die deinen Weg toll finden und dich dabei unterstützen wollen. Baue echte, ehrliche, authentische und tiefe Beziehungen zu ihnen auf. Denn egal, wie viele Ziele du erreichst, ohne die richtigen Leute in deinem Umfeld macht es nicht einmal halb so viel Spaß.

Thomas: Perfekt. Vielen Dank. Alles Gute, mach’s gut, Alex. Ciao.

Alexander: Ciao.

2017-10-29T08:30:03+00:00 0 Comments

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