Effizienter Lernen: Geniale Tipps vom Lerncoach

Es ist wieder mal Zeit sich mit dem Thema effizienter Lernen auseinanderzusetzen, daher habe ich mir die Hilfe eines Experten geholt. Matthias Leo Webel ist Lerncoach und hilft seinen Klienten bei den verschiedensten Problemen rund um das Thema „lernen“. Im Interview verrät er, wie du effizient und produktiv lernen kannst, wie du dich zum Lernen motivierst, wie du am effizientesten Sprachen lernst und viele weitere spannende Dinge.


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Das Interview: Effizienter Lernen

Thomas: Hallo Matthias, freut mich, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview. Bitte sei mal so lieb und stelle dich meinen Hörerinnen und Hörern kurz vor.

Matthias: Ja hallo Thomas, ich freue mich, hier in deinem Podcast dabei zu sein. Zu mir: Mein Name ist Matthias Leo Webel, und ich bin von Beruf Lerncoach. Mein Konzept für Lerncoaching heißt „edumentu“, und entsprechend heißt meine Webseite www.edumentu.de. Und ich arbeite vor allem mit Schülern, Studierenden und Auszubildenden, die irgendwie gerade Stress oder Frust haben mit dem Lernen. Einige kommen und sagen, „ich habe Prüfungsangst, kannst du mir da irgendwie helfen?“, bei anderen ist es wieder die Motivation, dass sie nicht in die Gänge kommen, um sich mit ihrem Stoff zu beschäftigen. Und bei anderen ist es dann so, wie organisiere ich mein Lernen, wie gliedere ich das auf?

Thomas: Spannendes Aufgabenfeld. Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie ein Lerncoach so seine eigene Schulzeit verbracht hat. Vielleicht kannst du dazu noch ein paar Worte sagen.

Matthias: Bei mir war es so, dass ich eigentlich ein ganz guter Schüler war. Allerdings hatte das einen sehr speziellen Grund, und zwar war es mir als Schüler immer sehr peinlich, wenn ich eine schlechte Note geschrieben habe. Deswegen habe ich das immer vermieden. Also ich habe meine Hausaufgaben deshalb gemacht und ich habe mich deshalb auf Prüfungen vorbereitet, weil mir schlechte Noten einfach peinlich gewesen wären, jetzt gegenüber meinen Eltern, gegenüber den Lehrern und den Mitschülern. Das ist bei vielen Schülern anders. Die meisten Schüler, die zu mir kommen, lassen sich eher dadurch motivieren, dass sie sich auf eine gute Note freuen als dass sie von einer schlechten Note weg wollen. Aber das ist eine Typ-Sache, und bei mir war es eben andersherum und hat gut funktioniert.

Thomas: Okay. In meinem Podcast geht es ja um effizientes und produktives Lernen, Leben und Arbeiten. Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie lernt man wirklich effizient und produktiv?

Matthias: Das kommt natürlich ganz stark darauf an, was man lernen will. Es gibt nämlich so grob gesagt drei verschiedene Kategorien von Lernen. Bei der ersten Art geht es darum, Wissen zu speichern und dieses Wissen bei Bedarf abrufen zu können. Das gilt zum Beispiel für jemanden, der Medizin studiert und der dafür jede Menge Begriffe kennen muss – Bausteine des Organismus, die Namen und Eigenschaften von Krankheiten und so weiter. Die zweite Art ist dann, „ich lerne etwas, was ich können will, was ich anwenden will“, zum Beispiel eine Fremdsprache. Da genügt ja das reine Wissen um die Grammatik nicht aus, ich brauche einfach Übung in der Anwendung. Das heißt, ich will die Fremdsprache auch sprechen und in Dialogen verwenden. Und die dritte Art des Lernens, da geht es dann um das Lernen von Bewegungsabläufen. Zum Beispiel, wenn jemand tanzen lernen will oder ein Instrument, zum Beispiel Schlagzeug spielen, lernen will. Und jede Art des Lernens hat so ihre eigenen Gesetze. Und ich würde sagen, die Hörer deines Podcasts, die brauchen oder wünschen sich am ehesten ein paar Tipps dazu, wie sie sich Wissen aneignen.

Thomas: Ja, das wäre super.

Matthias: Wenn ich etwas lernen möchte, wofür ich eine große Menge Wissen benötige, dann brauche ich auf jeden Fall eine Struktur für mein Lernen. Es bringt dann nichts, einfach wie wild drauflos zu lernen und einfach nur so viele Bücher wie möglich zu lesen oder DVDs anzuschauen. Ich empfehle auf jeden Fall, den Stoff in Portionen, in Lernportionen aufzuteilen. Was ich auch brauche, wenn ich Wissen lerne, das ist ein konkretes Ziel. Das heißt, wie viel Stoff genau will ich denn beherrschen? Und welche Vorlagen habe ich dafür, welche Bücher, welche Ordner, welche Internetseiten? Und bis wann will ich den Stoff komplett beherrschen, welchen Stichtag gibt es da? Da würde ich schauen, ob und wann ich mit meinem Wissen eine Prüfung ablegen kann, das ist ja für viele Leute, die irgendetwas lernen möchten, ein ganz wichtiges Thema. Also ein Zertifikat zu bekommen, eine Prüfung zu bestehen. Ich habe beispielsweise zurzeit eine erwachsene Schülerin im Lerncoaching, die ist gerade mitten in einem Kurs für Gesundheitsberatung, das macht sie im Selbststudium. Zu diesem Kurs hat sie insgesamt sechs dicke Bücher, wo alles drinsteht, was sie braucht. Wir haben uns dann im Coaching erst einmal die Inhaltsverzeichnisse angesehen, und dann konnten wir daraus erarbeiten und erkennen, dass es insgesamt 180 Portionen gibt, 180 Themen oder Lernportionen. Und eine Lernportion ist dann der Stoff, wo ich sage, das ist das, was du innerhalb von einer Schulstunde machen würdest, so ungefähr 30 bis 60 Minuten. Bei meiner Schülerin ist dann eine Lernportion beispielsweise das Thema „die gesunde Funktionsweise der Nieren“. Es geht ja um Gesundheit. Entscheidend ist dann aber, wie sie mit dem Wissen aus diesem entsprechenden Buchabschnitt umgeht. Was macht sie damit? Früher hätte sie vor allem, so wie wir wahrscheinlich alle, Textpassagen wild unterstrichen oder mit Textmarker markiert und hätte es sich in einem extra Heft oder Notizbuch zusammengeschrieben und dann probiert, das so oft zu wiederholen, bis sie es im Kopf hat. Ich habe ihr eine effektivere Methode vorgeschlagen. Sie macht jetzt zu jeder Lernportion, also zu jedem Thema, eine Mindmap. Jetzt weiß ich, dass auch bei dir Thomas das Thema Mindmaps schon öfter angesprochen wurde, und ich bin auch ein großer Fan von diesen Mindmaps. Das sind ja meistens diese Blätter, auf denen ich zu einem Thema in der Mitte einen Kreis habe. Da steht der Titel des Themas drin. Und dann habe ich dicke Äste in verschiedene Richtungen, und diese Äste sind die Unterthemen. Die kann ich dann beschriften und mit Bildern versehen. Und von den dicken Ästen gibt es wieder dünnere Äste mit weiteren Unterthemen, die kann ich wieder miteinander verknüpfen und Bildchen malen, Farben benutzen und so weiter und so fort. Also Mindmaps sind wirklich eine sehr gehirnfreundliche und sehr lernfreundliche Art, sich Wissen anzueignen. Und wie man sich so eine Mindmap erstellt, das ist ja leicht zu lernen und macht auch sehr großen Spaß, finde ich. Es gibt im Internet jede Menge Material dazu. Ich empfehle die Seite mindstation.de, da wird auch beschrieben, wie man Mindmaps möglichst sinnvoll gestaltet. Also, sobald ich jetzt zu so einer Lernportion, zu einem Thema eine Mindmap habe, brauche ich noch ein Wiederholsystem. Und das ist ganz entscheidend. Die Frage ist, wann beschäftige ich mich nochmal mit diesem Stoff? Beim Wiederholen ist eine Sache besonders wichtig und wird leider von vielen Leuten übergangen, es ist nämlich wichtig, nicht zu häufig zu wiederholen. Wichtiger ist stattdessen, dass man sinnvolle Pausen macht, dass man Tage hat, wo man den Stoff nicht wiederholt. Viele denken, je mehr und je häufiger sie das Zeug lernen und nochmals durchlesen und anschauen, umso besser. Aber das ist falsch. Es ist ein Wissen aus der Lernforschung, dass das Gehirn Pausen braucht. Ein Beispiel: Wenn ich heute ein neues Thema bearbeitet und dazu eine Mindmap gemacht habe, dann ist es sinnvoll, erst am Tag drei zum ersten Mal diesen Stoff zu wiederholen, also übermorgen. Dazu gehe ich dann übermorgen einfach diese Mindmap nochmals durch, schaue sie mir an und hole dann das Wissen wieder in meinen Kopf. Dann kann ich mir das auch nochmal so vorsagen, worum es da geht, einfach nochmal das Thema wiederholen. Das Gute ist, dieses Wiederholen dauert in der Regel nicht länger als zehn Minuten pro Mindmap. Und die nächste Wiederholung ist dann sinnvoll an Tag sieben, also ungefähr in einer Woche. Dazwischen, zwischen dem dritten und dem siebten Tag lasse ich das Zeug wirklich liegen, also diese eine Mindmap, die lasse ich liegen. Dann mache ich die nächste Wiederholung an Tag 30, so dass ich die Abstände immer etwas größer mache. Der Punkt ist nämlich der, wenn ich einen Stoff zu häufig wiederhole, dann mache ich es meinem Gedächtnis zu leicht. Das Wissen ist noch zu frisch, wenn ich es zu oft wiederhole. Ich muss also dem Gedächtnis die Chance geben, ein bisschen was von dem Gelernten zu vergessen, um es dann nach einer ganz bestimmten Zeit wieder zu reaktivieren, mit ein bisschen Aufwand. Und so merke ich mir über kurz oder lang das Material besser. Das ist erwiesen, darüber gibt es einige Studien und gute Bücher, die das beschreiben. Meine Schülerin, die jetzt den Kurs in der Gesundheitsberatung macht, die kann also ihre 180 Lernportionen im Kalender eintragen. Sie kann dann wirklich total sinnvoll eintragen, wann sie welches Thema neu erarbeitet, also zum ersten Mal lernt, und wann sie dann die Wiederholungen macht – nach dem dritten Tag, dem siebten Tag, dem dreißigsten Tag, und dann kann man nach einem halben Jahr nochmal ran und so weiter. Sie hat insgesamt etwa ein Jahr Zeit, und dann macht sie die Prüfung dazu. Deshalb kann sie jetzt ihre Lernzeit genau einteilen und weiß, was sie wann lernt. Das ist unter anderem das, was ich im Lerncoaching mit ihr mache, einfach einen Lernplan und eine Struktur zu erstellen.

Thomas: Ein sehr spannendes Beispiel, dankeschön. Matthias, welche Tipps hast du für konzentriertes Lernen?

Matthias: Wenn ich etwas lernen möchte, dann überlege ich persönlich mir vorher, welches Umfeld ich dafür haben will. So, dass ich mich da gerne konzentriere. Für mich ist es zum Beispiel wichtig, dass ich es beim Lernen gemütlich habe. Ich könnte niemals an einem Schreibtisch lernen, das habe ich auch schon als Schüler nicht gemacht. Das habe ich verabscheut. Dafür ist mir der Schreibtischstuhl viel zu ungemütlich, und auch der Tisch, der ist langweilig. Das macht mir keinen Spaß. Ich sitze fürs Lernen gerne auf der Couch oder auf dem Sessel oder auch gerne auf meinem Bett. Manche meiner Schüler, die sitzen dann zum Beispiel gerne auf dem Wohnzimmerteppich und lernen dort, andere sind am Küchentisch, auf der Eckbank. Super ist es zum Beispiel auch, wenn ich meinen Lernstoff in der Hand halten kann, also wenn ich den in einem Buch habe oder in einem Ordner, in einem Heft, so dass ich beim Gehen lernen kann. Also zum Beispiel einen Spaziergang durch den Park zu machen und dabei Vokabeln zu lernen, das ist absolut wirksam. Dieser Wohlfühlfaktor, der ist für das Lernen enorm wichtig. Es spielt bei vielen Leuten sogar eine Rolle, welche Kleidung sie tragen. Die Frage ist, lerne ich lieber in Freizeitkleidung oder in Jeans und Hemd? Mit Schuhen oder ohne Schuhe? Das kann jeder für sich entscheiden und ausprobieren. Und in der Regel kann jeder Mensch ziemlich schnell herausfinden, wie er es am liebsten hat. Wie fühlt er sich wohl, so dass er sich gut und leicht konzentrieren kann? Eine wichtige Überlegung bei der Konzentration ist auch folgende: Ich muss mir überlegen, ob ich gerade etwas ganz Neues lernen will, ein neues Kapitel, ein neues Thema, wo ich wirklich richtig gefordert bin oder ob ich einfach nur etwas wiederhole oder irgendetwas anwende, was ich eigentlich schon kann, um darin Routine zu bekommen. Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Lernens. Wenn ich nämlich einerseits etwas Neues lernen möchte, vielleicht ein Buch zu einem ganz neuen Thema lese, dann will ich persönlich Ruhe um mich herum haben. Und die meisten Menschen sehen das genauso. Dann will ich keine Musik anhaben, kein Radio, gar nichts, keine Ablenkung und auch keine Poster oder sonstigen Dinge, die mich visuell ablenken können. Wenn ich allerdings etwas lerne, um darin Routine zu gewinnen, wenn ich etwas wiederhole wie zum Beispiel Vokabeln, die ich dann in Sätze einbaue, Vokabeln, die ich schon kenne, dann kann es sogar durchaus nützlich sein, wenn um mich herum irgendwas los ist. Dann kann ich auch mal in einer Cafeteria lernen, wo eine Geräuschkulisse ist. Oder ich mache wirklich das Radio an oder höre Musik dabei. Ich habe oft Schüler im Lerncoaching, die machen zum Beispiel ihre Hausaufgaben nicht gerne, weil sie sich dabei langweilen. Zum Beispiel, wenn sie ein Arbeitsblatt mit Aufgaben ausfüllen sollen, die ihnen eigentlich recht leicht fallen. Irgendetwas, das sie schon können, und wo sie nur noch Routine reinbringen sollen. Dann empfehle ich manchmal sogar, ganz bewusst beim Üben den Fernseher anzumachen, damit es nicht so langweilig ist – ganz einfach. Und ich will ja bei so einer Routinesache dahin kommen, dass ich Dinge automatisch nebenbei mache. Das ist wie beim Autofahren. Ein erfahrener Autofahrer macht das Radio an, weil sonst das Autofahren einfach zu langweilig ist, besonders, wenn er immer wieder die gleichen Strecken fahren muss. Entscheidend ist immer, auszuprobieren, was funktioniert und was zum Ziel führt. Das kann bei dem einen anders sein als beim anderen. Und Spaß machen darf es natürlich auch, denn sobald ich beim Lernen Spaß habe, merke ich mir sogar mehr.

Thomas: Ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Ich denke, alles, wobei man Spaß hat, das macht man gerne, und das funktioniert dann auch viel, viel besser als wenn man keinen Spaß hat. Jetzt aber dahingehend eine weitere Frage: Wenn es mich mal nicht so freut, wenn ich mir denke, „ach, jetzt schon wieder lernen?“, was muss ich dann tun, um mich zum Lernen motivieren zu können? Oder wie kann ich mich dann in solchen Fällen zum Lernen motivieren?

Matthias: Oft ist es so, dass die Leute vom Lernen zurückschrecken, weil sie zum Beispiel Angst haben vor der riesigen Stoffmenge und sich denken, dass sie sich das niemals alles merken können – „das geht gar nicht!“ Und dann gilt es halt, diese falsche Vorstellung von diesem riesigen Berg an Lernstoff, der dann noch wie in einem totalen Nebel liegt, loszulassen. Am besten ist es da, sich mal genau eine Lernportion herauszupicken, aus diesem Berg, den man da scheinbar hat und sich in dieses eine Thema hineinzuversetzen. Meine Schülerin, also die mit der Gesundheitsberatung, die hatte dieses Problem auch. Früher hat sie nämlich gedacht, „oh je, dieses Thema hier, Gesundheit, das ist ja so riesig, das packe ich nie, wie soll ich das alles lernen?“ Und dann hat sie früher immer gleich aufgegeben und gar nicht erst mit dem Lernen begonnen. Inzwischen hat sie ihre Lernportionen klar und weiß zum Beispiel, dass heute das Thema „gesunde Verdauung“ dran ist. Dadurch hat sie eine ganz konkrete, genaue Vorstellung von ihrem Stoff. Sie hat Bilder im Kopf und weiß jetzt, worauf es hinausläuft. Dann nämlich kann sie Interesse entwickeln, nach dem Motto „ich bin gespannt, was ich jetzt selbst für meine Verdauung tun kann“ oder „mal sehen, wie viel ich schon über das Thema weiß!“ Und das ist eine positive Lernhaltung. Das ist immer das Ziel, eine positive Lernhaltung und eine gute Vorstellung zu haben.

Dann gibt es Leute, die sich vor dem Lernen drücken, weil sie schon sehr früh Angst haben, eine Prüfung nicht zu bestehen, schon Wochen, Monate oder gar Jahre vorher. Die malen sich dann in ihrer Fantasie so richtig lebhaft und intensiv aus, wie sie in der Prüfung sitzen mit einem weißen Blatt vor sich, auf dem überhaupt nichts draufsteht, ihnen nichts einfällt, sie haben Kopfweh, Schweißausbrüche, zittern und sind innerlich total blockiert. Und dann steht vielleicht der Prüfer noch in Gedanken vor ihnen und schüttelt den Kopf, schimpft irgendwie, ist sauer und enttäuscht. Wenn man sich ein solches Szenario ausmalt, und das machen wirklich viele Leute, und zwar unbewusst, dann ist es kein Wunder, dass man auch vor dem Lernen zurückschreckt. Ich frage meine Schüler dann, wie stellst du dir denn eine erfolgreiche Prüfung vor? Wie sitzt du dann da? Setz dich jetzt mal genauso hin, mach das mal. Wie fühlst du dich dann? Und vor allem, wie genau sieht es denn da aus, sobald du die Prüfung erfolgreich bestanden hast? Was sagen dann die Leute zu dir? Und wie feierst du deinen Erfolg? Mach dir also einen positiven Film über deine bestandene Prüfung. Sobald ich eine Vorstellung von einem Ereignis habe, die mir gut gefällt, dann motiviert mich das automatisch, dann will ich sofort loslegen, und dann ist dieser Sog-Effekt da, weil ich Lust habe, mich dieser Fantasie auch in Wirklichkeit anzunähern und das in Erfüllung zu bringen.

Thomas: Okay, meine nächste Frage geht dahin, in der Schule lernt man, man ist das Lernen gewohnt, man lernt relativ schnell. Mit dem Alter verlernt man dann vielleicht so ein wenig das Lernen, sage ich mal. Und jetzt meine Frage, wie kann man wieder schnell ins Lernen hineinfinden, wie kann man sich wieder beibringen, schnell zu lernen?

Matthias: Man kann das Lernen eigentlich nicht wirklich verlernen, man kann sich höchstens einreden, dass man es verlernt hätte. Und dadurch macht man sich das Leben und das Lernen dann selbst schwer. Ich habe beispielsweise neulich mal einen 70-jährigen Akkordeonspieler in einem Konzert gehört. Der hat richtig toll gespielt, total virtuos und super schön. Ich habe wirklich mit Begeisterung zugehört. Und nach dem Konzert habe ich mit ihm gesprochen, habe zu ihm gesagt, „das ist ja klasse, man hört, wie viel Erfahrung Sie damit haben. Sie sind bestimmt schon von Kind an mit diesem Instrument aufgewachsen!“ Er guckte mich an und sagte, „nein, ich habe mit 60 Jahren überhaupt erst angefangen. Ich habe mir einen guten Lehrer gesucht und habe wirklich bei null angefangen und einfach immer das geübt, was mir Spaß macht. Und jetzt spiele ich eben seit zehn Jahren Akkordeon, ich bin jetzt 70 und immer noch begeistert. Ich übe viel und gebe Konzerte.“ Da war ich baff. Und das ist genau das Stichwort – die Begeisterung. Erwachsene, die irgendetwas Neues lernen wollen, dürfen sich auch wieder an ihre kindliche Neugier erinnern, die sie alle mal hatten. Beim Lernen im Augenblick zu sein, das ist ganz entscheidend. Viel lachen dabei, das Lernen genießen und auch oftmals sich selbst nicht so ernst nehmen. Erwachsene haben nämlich oft mit sich selbst zu wenig Geduld, und dann gehen sie total hart mit sich selbst ins Gericht. Und sobald sie wieder eine mehr kindliche, ein bisschen verspielte, eine neugierige Einstellung zum Lernen haben, dann läuft es auch. Dann brauchen sie noch eine sinnvolle Struktur für das Lernen, vielleicht ein Coaching oder Unterricht oder was auch immer, und dann geht es auf jeden Fall stetig vorwärts. Für Erwachsene sind Lerngruppen auch eine interessante Geschichte. Auf Facebook und Co. findet man zum Beispiel auch Gleichgesinnte zu jedem Lernthema. Man muss bei diesen Lerngruppen nur darauf achten, dass dort auch wirklich eine motivierende und positive Grundstimmung herrscht. Da gibt es nämlich auch Anderes. Wenn in der Gruppe eher Panik geschürt wird, nach dem Motto „oh, es ist alles so schwer und so viel“, dann sucht man sich besser eine andere Gruppe. Das habe ich schon erlebt an einem eigenen Beispiel und habe die Gruppe dann wieder verlassen.

Thomas: Ja, da gebe ich dir recht, die Gruppendynamik, die kann natürlich in beide Richtungen gehen, ich habe auch schon beides erlebt. Und ja, aus denen, wo es schlecht oder in die falsche Richtung geht, sollte man sich dann schnell wieder entfernen. Matthias, bei mir ist auch ein großes Thema Sprachen lernen. Wie geht man da am besten vor, wie bringt man sich eine Sprache am besten schnell und effizient bei?

Matthias: Die effektivste Variante, um eine neue Sprache zu lernen, das ist auf jeden Fall die, dass man eine Zeitlang in dem Land lebt, indem diese Fremdsprache eben als Muttersprache gesprochen wird. Und dass man sich dann einfach dort durch den Alltag wurschtelt, einfach drauflos quatscht, mit Händen und Füßen redet, improvisiert und viel Kontakt zu Einheimischen pflegt. Es ist ja bekannt, wer als Sechsjähriger zum Beispiel in ein anderes Land umzieht, der hat die neue Sprache nach einem Jahr auf jeden Fall drauf. Und das zeigt, dass unser Gehirn eine eingebaute Funktion hat zum Sprachenlernen. Nun kann man sich das natürlich nicht immer leisten oder nicht immer erlauben, mal eben so für ein Jahr wegzuziehen, in ein anderes Land, nur weil man eine Fremdsprache lernen will. Man kann aber probieren, möglichst nahe an dieses natürliche Lernen dranzukommen. Ich würde mir auf jeden Falle einen guten Sprachkurs besorgen, und zwar mit Texten und Audiomaterial – ganz wichtig. Und den würde ich dann in kleinen Lernportionen durcharbeiten. Wichtig ist, und das geht aus den Kursen nicht immer hervor, dass man sich nicht darin verbeißt, die Grammatik, also die Regeln einer Sprache, hundertprozentig kapieren zu wollen. Wenn man nicht gerade ein totaler Fan von Grammatik ist, dann nervt es nur, und es hält einen auf. Ich würde immer möglichst schnell dazu übergehen, die typischen Sätze, die ich persönlich haben will, immer wieder zu hören und nachzusprechen. Dann würde ich, nachdem ich mit dem Material ein bisschen gearbeitet habe, auf jeden Fall Kontakt zu Muttersprachlern dieser Fremdsprache suchen. Das geht heutzutage über das Internet wunderbar. Dann würde ich mit ihnen chatten, reden, sich vielleicht gegenseitig korrigieren, einfach dranbleiben. Es gibt ja auch so eine Art Tauschbörse für privaten Sprachunterricht, das heißt, ich suche jemanden, der mir Chinesisch beibringt, und diese Person will von mir Deutsch lernen. Das ist ein riesiger Spaß und funktioniert auf jeden Fall. Und nach einiger Zeit ist es dann auf jeden Fall auch sinnvoll, Filme in dieser Fremdsprache zu gucken. Am besten Filme, die man schon kennt. Und dann, wenn es geht, beim Anschauen in der Fremdsprache die Untertitel einzuschalten, die dann in Deutsch sind oder vielleicht in Englisch, wenn man das schon kann. Dann schaue dir diesen Film immer wieder und wieder an, auch mal nur so nebenbei, und allmählich schleifen sich diese fremden – anfangs fremden – Sprachmuster ins Gehirn ein, und die Vokabeln auch. Und so lernt man dann die Sprache immer besser.

Thomas: Hört sich ja eigentlich gar nicht schwierig an, und wenn man es macht, ist es das wahrscheinlich auch nicht. Matthias, hast du noch ein paar Literaturtipps zum Thema „Lernen“ für uns?

Matthias: Ich habe jede Menge Bücher über das Lernen, bedingt durch meinen Beruf, aber ich kann gerne ein paar Favoriten nennen. Ein noch relativ neues Buch, das heißt im deutschen Titel „Neues Lernen – warum Faulheit und Ablenkung dabei helfen“. Der Autor ist ein Amerikaner, der heißt Benedict Carey. Dann empfehle ich alles Mögliche von Vera Birkenbihl. Das war eine Lern-Managerin, kann man sagen. Sie ist vor ein paar Jahren gestorben. Sie hat vor allem über dieses Thema „Sprachen lernen“ unwahrscheinlich witzige und sehr gehirngerechte Sachen geschrieben – also Vera Birkenbihl ist die Autorin. Dann das Thema „Mindmapping“, da gibt es tolle Literatur vom Erfinder dieser Mindmaps, das ist der Tony Buzan. Und noch ein deutscher Autor, der auch tolles Material geschrieben hat, ist Martin Krengel. Von ihm gibt es beispielweise ein Buch, das heißt „Bestnote“. Da geht es wirklich darum, wie organisiere ich mein Lernen, wie strukturiere ich das, welche Methoden gibt es, die funktionieren? Welche sind überholt? Und aus diesen Büchern kann man sich schon jede Menge Ideen holen für das, was man persönlich lernen möchte.

Thomas: Ausgezeichnet, vielen Dank. Ja Matthias, abschließende Frage: Wo findet man dich im Netz? Und was machst du sonst noch so? Gib uns noch ein paar kurze Infos zu deiner Person vielleicht.

Matthias: Meine Webseite heißt www.edumentu.de, und auf dieser Webseite gibt es auch einen Podcast, seit September 2014. Witzigerweise habe ich diesen Podcast deshalb ins Leben gerufen, weil mich dein Podcast, lieber Thomas, dazu motiviert hat. Und zwar, weil du immer so schön betonst, dass Perfektionismus nicht nötig ist, und das man einfach machen soll und einfach Ergebnisse erzielen soll. Und mein Podcast heißt „so läuft Schule“ und richtet sich vor allem an Schüler oder egal, welche Menschen, die das gerne hören wollen. Also jeder, der gerne etwas lernt und damit manchmal ein paar Probleme hat, kann sich diesen Podcast anhören. Da gibt es dann Lerntipps, Motivationstipps und ein paar Ideen, wie man Lernblockaden entlarvt und überwindet. Und inzwischen gibt es da über 20 Folgen. Man kann mich natürlich auch als Coach buchen, und das mache ich gerne auch online, also zum Beispiel per Skype. Es wenden sich immer wieder Leute an mich zum Beispiel mit dem Thema, dass sie ihre Rechtschreibung verbessern wollen. Dazu habe ich spezielles, eigenes Material entwickelt. Oder das Thema, wie ich meinen Lernplan erstellen kann. Leute, die zum Beispiel im Studium sind und die irgendwann einmal eine Prüfung vor sich haben und die dann ihre Zeit möglichst effektiv nutzen wollen und ihr Lernen strukturieren wollen – in solchen Fällen kann man sich gerne an mich wenden, und dann coache ich dich!

Thomas: Matthias, vielen Dank für dieses Interview. Das waren viele, viele spannende Informationen, die du uns zum Thema „Lernen“ gegeben hast. Und ja, ich hoffe, wir hören uns bald wieder.

Matthias: Ja Thomas, vielen Dank für dieses Interview, es hat mir viel Spaß gemacht. Ich bin echt sehr stolz und froh, dass du mich da mit eingebunden hast. Ich wünsche dir und deinen Hörern weiterhin noch viel Erfolg beim Selbstmanagement, beim erfolgreichen Lernen und Arbeiten.

2018-06-05T10:43:06+00:003 Comments

3 Comments

  1. uta beerhenke 25. März 2015 at 08:32 - Reply

    Herzlichen Dank für dieses Interview. Und danke an Matthias Leo Webel, Du hast eine geballte Ladung an Lerntipps verraten!
    Ich finde, sich mit einem gedanklichen, positiven „Film“ zu motivieren, ist universell einsetzbar. Zum Beispiel auch, wenn es um ein Gehaltsgespräch, um die erste öffentliche Rede oder um den ersten Tag im neuen Job geht.
    Viele Grüße, Uta

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