Gamification und Flow – ein Interview mit FlowLab-Gründer Jonas Vossler

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Jonas ist der Gründer von FlowLab, einem Unternehmen das eine Mental-Coach-App herausgebracht hat. Ich habe in diesem Interview so viel mitgeschrieben, wie noch in keinem anderen Interview zuvor. Wir plaudern darüber, warum Games so erfolgreich sind (nicht nur bei jungen Menschen), wie du in den Flow-Zustand kommst, Achtsamkeit, Ablenkungen, Hardyness, Contrasting, Routine und Kontrolle. Ich kann hier gar nicht alle Themen aufzählen, die Jonas angesprochen hat. Ganz großer Tipp: Hör in dieses Interview rein!


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Jonas Vossler

Transkript des Interviews:

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast. #00:00:16-8#

Hallo und ein herzliches Willkommen zu dieser Podcastfolge. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich sehr, dass du mir auch diese Woche wieder dein Ohr leihst. Heute gibt es ein extrem spannendes Gespräch. Bei keinem der vielen Interviews, die ich bisher geführt habe, habe ich so viel mitgeschrieben wie bei diesem. #00:00:45-0#

Bevor wir starten, möchte ich noch darauf hinweisen, dass dir dieses Interview von selbstmanagement.rocks präsentiert wird, der Plattform, mit der du dein Selbstmanagement optimierst. Nach zwölf bis sechszehn Monaten wirst du entspannt und trotzdem erfolgreich durchs Leben gehen und genau wissen, wie du wieder mehr Zeit für dich selbst und für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast. Wenn dich dieses Thema interessiert, dann freue ich mich, wenn du jetzt auf selbstmanagement.rocks vorbeischaust.  #00:01:12-3#

Dass ich bei diesem Interview so viel mitgeschrieben habe wie noch nie, das ist ein gutes Zeichen dafür, dass du genau hinhören solltest. Vielleicht hast du sogar die Gelegenheit, dir unser heutiges Gespräch ein zweites Mal anzuhören. Wer ist mein Interviewpartner? Es ist Jonas Vossler, der Gründer von FlowLab, einem Unternehmen, das eine Mental-Coaching-App herausgebracht hat. Diese App gibt es sowohl für Android als auch für Apple. Die App stand jedoch nicht im Vordergrund unseres Gesprächs. Ich habe mit Jonas über sehr viele interessante Themen geplaudert. Es ging um den Gamification Factor und den Grund, warum es nicht nur für junge Menschen spannend ist, Spiele zu spielen.  #00:02:03-8#

Wir haben darüber gesprochen, wie man in den Flow kommt und was das überhaupt ist, ein „Flow“. Es geht um Achtsamkeit, Ablenkung, Hardiness, Mental Contrasting, Routine, Kontrolle und um vieles mehr. Hör einfach selbst in dieses spannende Interview mit Jonas Vossler und seinen neuen Denkansätzen hinein.  #00:02:25-5#

Thomas: Hallo Jonas, es freut mich sehr, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich habe im Intro schon ein bisschen über dich gesprochen, aber sei doch so lieb und erzähl uns, wer du bist und was du machst. Wie war dein Werdegang, und wie bist du zum Thema „Flow“ gekommen? #00:02:40-1#

Jonas: Danke für die Einladung zum Interview, lieber Thomas. Gerne erzähle ich etwas über mich. Ich habe Innovationsmanagement studiert und gelernt, wie man Innovation und Kreativität in Organisationen bringt. Dabei ist die psychologische Komponente sehr wichtig, die bei der Mitarbeiterführung und bei der Selbstführung beziehungsweise bei der individuellen Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt wird. Das hat mich schon immer fasziniert. Bei meinen Recherchen bin ich an ein motivationspsychologisches Institut in Berlin geraten, das sich ganz spezifisch mit der Psychologie von Spielen beschäftigt. Der Flow spielt dabei eine wichtige Rolle. Spiele sind mit dem Ziel entwickelt, dass man sich ziemlich verlässlich in ihnen verliert, und der Flow beschreibt, dass man mit einer Sache verschmilzt. Dieses Phänomen wird seit einigen Jahren in der positiven Psychologie untersucht. #00:04:02-5#

Ich selbst habe über den Sport einen Zugang zum Thema gefunden. Ich habe leidenschaftlich Basketball gespielt, und immer, wenn man etwas exzessiv betreibt, gerade im sportlichen Bereich, dann stößt man schnell an die mentale Komponente. Das ist sowohl im Teamsport als auch auf der individuellen Ebene relevant. Es gibt Stress und Leistungsdruck, aber es gibt auch magische Momente, in denen alles läuft und nichts schiefgeht. Das hat mich schon immer fasziniert. Als ich mich am spielwissenschaftlichen Institut mit diesem Phänomen auseinandersetzen konnte, war es um mich geschehen.  #00:04:50-6#

Das, was wir heute mit FlowLab machen, ist für mich ein Glücksfall, weil ich sehe, dass das Thema Flow sehr viel Potential hat. Es wird, gerade in der heutigen Zeit, zu einer Lebensphilosophie innerhalb der persönlichen Entwicklung. #00:05:03-5#

Thomas: Lass uns in das Thema Games eintauchen. Ich komme aus dem Mannschaftssport, denn ich habe Fußball gespielt. Diese Leidenschaft hat mir wenig Zeit für Computer Games gelassen. Was können wir von Games lernen, und wie schaffen es die Spiele, uns in ihren Bann zu ziehen, so dass wir in einen Flow kommen? #00:05:28-8#

Jonas: Die wenigsten in unserem Alter würden sich als „Zocker“ von Computerspielen bezeichnen. Wir untersuchen die angewandte Spielwissenschaft, die sich „Ludologie“ nennt. Es geht darum, Spielelemente in verschiedensten Kontexten zu entdecken. Das kann sowohl ein Sportspiel als auch eine soziale Interaktion sein, die beispielsweise auf der Arbeit stattfindet, sozusagen das „Spiel des Lebens“. Es gibt die große Hypothese: Reality is broken. Das ist auch der Titel eines Buches von Jane McGonigal. Der Titel drück aus, dass uns Spiele das liefern, was in der Realität aufgrund der Komplexität häufig fehlt.  #00:06:22-8#

Bei einem Computerspiel hat man immer klare Ziele und weiß genau, welche Schritte nötig sind, um die Ziele zu erreichen. Auf dem Weg dorthin wird der Fortschritt gemessen, und hier kommt der Flow als ein Kernelement mit hinein. Um Fortschritte zu erlangen, muss man sich anstrengen. Dabei ist man weder überfordert noch unterfordert. Man befindet sich gerade so an der Grenze zur Überforderung und muss alle kognitiven Ressourcen aktivieren, um eine Herausforderung zu meistern. Und das machen Spieler sehr gut. #00:07:01-5#

Weiterhin gibt es zwei wichtige Komponenten. Die eine ist, dass man ein unmittelbares Feedback erhält. Jeder Schritt, den man im Spiel macht, wird in irgendeiner Form bewertet im Hinblick auf die Zielerreichung. Es ist also ein relevantes, sinnvolles Feedback, das teilweise multisensorisch ist. Du hörst etwas und schießt, machst es kaputt und erhältst Punkte. Im richtigen Leben findet das nur selten statt. Wenn man es sich neurochemisch anschaut, dann ist die Hoffnung auf Belohnung ein großer Motivator, denn wir Menschen sind süchtig nach Feedback.  #00:07:45-0#

Die zweite Komponente ist die Sinnstiftung. Egal, wie sinnvoll man bestimmte Ziele innerhalb eines Spiels findet, man arbeitet auf etwas hin, was meist über die persönliche Entwicklung hinausgeht. Das kann ein Teamerfolg oder die Rettung der Welt sein. Es gibt viele Phänomene, die man in die neuen Arbeitswelten übertragen kann, und genau das haben wir gemacht. Wir haben das Prinzip eines ludologischen Managementsystems entwickelt, das sich dieser Methoden aus Spielen bedient und versucht, sie in der Arbeitswelt anzuwenden.  #00:08:22-9#

Thomas: Bleiben wir gleich bei diesem Thema. Du bist Gründer, und dabei ist jede Menge Flow gefragt. Es gibt Leistungsdruck, Selbstzweifel und Ängste. Das ist emotional sehr herausfordernd.  #00:08:40-6#

Jonas: Die Methodik der Spiele verstehen es sehr gut, Grundvoraussetzungen zu schaffen, mit denen man in einen Flow kommt und Höchstleistungen erbringt. Dieses Prinzip ist auf die Arbeitswelt übertragbar. Es gibt einen so genannten Flow Kanal. In der Mitte dieses Kanals bist du ideal gefordert, wahrscheinlich sogar überfordert. Du hast das Gefühl, dass du die Arbeit nicht schaffen kannst. Oder es ist das Gegenteil, die Aufgaben unterfordern dich, und dir fehlt die Motivation. In der Wissenschaft gibt es bestimmte Theorien in Bezug auf die Persönlichkeit. In jeder gegebenen Situation kann man sich ausmalen, welche mentalen und emotionalen Fähigkeiten eine Person mitbringen muss, um herauszufinden, wie man die persönlichen Skills und die Schwierigkeit der Aufgabe in ein ideales Verhältnis bringt.   #00:09:45-5#

Aus der Perspektive meines Arbeitsalltags als Gründer kann ich bestätigen, dass ich häufig an der Grenze zur Überforderung stehe. Heutzutage werden wir ständig mit Informationen überflutet. Leistungsdruck, Versagensängste, das sind alles Emotionen, die uns überfordern und die uns Stress bereiten. Um dem zu begegnen ist es wichtig, Selbstregulierungsfähigkeiten zu erlernen und herauszufinden, welche individuellen, mentalen und emotionalen Regulierungsfähigkeiten ich mitbringen kann, um Flow zu erfahren.  #00:10:23-2#

Ich muss lernen, mich auf der physiologischen Ebene zu regulieren. Wie kann ich mich entspannen, und wie gleiche ich Stress am besten aus? Wie gehe ich mit der Angst um? Dabei spielen Achtsamkeit und Emotionsregulierung eine wichtige Rolle. Und es geht vor allem darum, welche Einstellungen und Geisteshaltungen man hat und wie man an Situationen herangeht. Im modernen Deutsch spricht man von „Mindsets“. Ich als Gründer habe einen langfristigen Performance Vorteil, wenn ich es schaffe, diese herausfordernden Situationen anzunehmen. Dabei ist es wichtig, dass man die Herausforderung als eine Lernerfahrung sieht und sich Schritt für Schritt weiterentwickelt.  #00:11:29-9#

Unsere Aufgabe ist es, zu prüfen, was der Einzelne benötigt. Befindet er sich eher auf der einen oder auf der anderen Seite des Flow-Kanals? Welche mentalen und emotionalen Regulierungsfähigkeiten kann man ihm mitgeben, damit er sich erfolgreich in den Flow manövriert?  #00:11:44-2#

Thomas: Das ist sehr cool. Ich bin schon sehr oft mit dem Begriff „Flow“ konfrontiert worden, und es gibt ein sehr interessantes Buch mit dem Titel „Flow“ von Mihaly Csikszentmihalyi. Was genau ist der Flow-Zustand, und was passiert dabei mit Geist und Körper? Was sind die positiven Effekte, und welche Wissenschaft steckt hinter diesem Flow-Zustand? #00:12:16-7#

Jonas: Der Autor Mihaly Csikszentmihalyi hat die verschiedensten Felder des Flows untersucht, vom Profisport über die kreative Kunst bis hin zur Arbeitswelt. Er forschte vor allem bei Menschen, die aussagen, sich bei ihrer Arbeit produktiv und gleichzeitig zufrieden zu fühlen. Diese Menschen nutzen ihre Zeit bestmöglich. Es gibt eine klassische Sicht auf die Produktivität, die sehr am Output orientiert und messbar ist. Bei der Betrachtung des Flows ist die Produktivität gemischt mit dem Gefühl von Zufriedenheit. Man geht in einer Sache auf.  #00:13:34-7#

Aber wie fühlt sich Produktivität eigentlich an? Wie fühlt sich der Arbeitstag an, um sagen zu können, dass er produktiv gewesen ist oder eben nicht? Es muss nicht immer heißen, „ich habe mehr geschafft“. Es könnte auch heißen, dass man eine optimale Erfahrung gehabt hat, die man als fließend bezeichnet und in der man komplett auf eine Aufgabe konzentriert war. Man scheint mit dieser Aufgabe zu verschmelzen und den Sinn für sich selbst zu verlieren. Man wird eins mit der Aufgabe, hat jedoch das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.  #00:14:31-1#

Wenn man von sich sagt, die Zeit sinnvoll zu nutzen, dann bedeutet das oft, dass man das Gefühl für die Zeit verloren hat. Dafür sind neurokognitive Prozesse verantwortlich. Das kann beim Zocken vorkommen, aber auch bei der Arbeit. Man macht nach zwei Stunden eine Pause und hat das Gefühl, dass nur wenige Minuten vergangen sind. Die von Mihaly Csikszentmihalyi befragten Menschen beschrieben diese Art des Flows. Außerdem beschrieben sie ihre Aktivitäten als autotelisch. Das bedeutet, dass die Tätigkeit selbst so befriedigend und belohnend ist, dass man keine externen Belohnungen benötigt. Ich mache etwas, nur, um es zu machen. Deswegen ist das Spielen ein gutes Beispiel, denn man spielt meist nur, um zu spielen. Man muss den Leuten dafür kein Geld geben oder sie sonst wie extrinsisch motivieren.  #00:15:27-5#

Der Flow ist definiert als eine Erfahrung, die all diese beschriebenen Komponenten miteinander vereint und bei der man neurochemisch auf einer kognitiven Ebene höchstleistungsfähig ist. Man hat einen besonders zufriedenstellenden Hormoncocktail im Blut.  #00:15:49-9#

Thomas: Das Thema ist wirklich sehr spannend. Ich erlebe diesen Flow sehr oft beim Sport. Wenn ich nach dem Laufen wieder vor meiner Tür stehe, habe ich oft das Gefühl, ich sei gerade erst losgelaufen. #00:16:12-4#

Jonas: Die körperliche Komponente, die du beschreibst, kann man auch aus der neurochemischen Perspektive betrachten. Du kennst sicher das Gefühl des „Runner’s High“. Du bist so erschöpft, dass du am liebsten aufhören würdest, aber plötzlich durchbrichst du eine unsichtbare Wand. Die Energie beginnt, wieder zu fließen, und du spürst keine Schmerzen mehr. Das ist ein stark endorphinbetriebener Zugang zum Flow. Der Flow ist ein großer Drogencocktail, eine vermehrte Ausschüttung von Neurotransmittern. Endorphine machen glücklich, und sie sorgen dafür, dass wir Schmerzen besser ertragen oder sie sogar überwinden.  #00:17:09-9#

Auf der anderen Seite gibt es eine entspannende Komponente des Flows. Dein Stresspegel ist erhöht, aber gleichzeitig bist du entspannt. Es entsteht eine perfekte Balance zwischen Aktivierung und Entspannung.  #00:17:31-7#

Partner dieser Podcastfolge ist wieder Blinkist. Wenn dich das Thema Flow interessiert und du ein Buch darüber lesen möchtest, dann schau dir die verschiedenen Buchzusammenfassungen von Blinkist dazu an. Der bekannteste Titel ist „Flow – Das Geheimnis des Glücks“ von Mihaly Csikszentmihalyi. Mit Blinkist kannst du zusätzliche Informationen finden und entscheiden, welches Buch das beste für dich ist. Hier findest du mehr als 3.000 Sachbücher, die du in nur fünfzehn Minuten lesen oder anhören kannst. Wähle aus über fünfundzwanzig Kategorien und finde Titel auf Deutsch und Englisch. Hört sich das interessant an? Dann wechsle jetzt auf blinkist.de/effizient und erhalte 25 Prozent Rabatt auf das Jahresabo von Blinkist. Den Link findest du natürlich auch in den Show Notes.  #00:18:45-8#

Thomas: Bei der Arbeit gibt es viele Ablenkungen. Nicht nur Kunden, technische Geräte oder Vorgesetzte stören uns, sondern auch Gedanken an unerledigte Aufgaben. Das hindert uns daran, in den Flow zu kommen. Wie gehst du mit Ablenkungen um?  #00:19:26-7#

Jonas: Ich finde es gut, dass du beides erwähnst, sowohl die externe als auch die emotionale Perspektive. Das eine ist die Frage der Organisation. Es gibt das Zeitmanagement und viele andere Produktivitätstechniken, mit denen man die Prinzipien von Games umsetzen kann. Wie kann ich mir klare Ziele und Pausenzeiten setzen? Wie kann ich Aufgaben in Teilschritte aufteilen, so dass ich kleine Erfolgserlebnisse erziele? Wir beschäftigen uns eher mit den Gedanken und Emotionen, die uns von einer Aufgabe ablenken oder die unsere Motivation stören. Es gibt verschiedene Herangehensweisen. Die bekannteste ist die Achtsamkeitsmeditation.  #00:20:35-6#

Die Lösung ist, die Kontrolle zu gewinnen, um mit Gedanken und Gefühlen produktiv umgehen zu können. Dabei ist die Millisekunde der Awareness ausschlaggebend beziehungsweise die Aufmerksamkeit, die nötig ist, um eigene Emotionen zu erkennen. Das kann man durch Achtsamkeit trainieren. In dem Moment, wo ich meine Gedanken neutral beobachte, kann ich entscheiden, ob ich ihnen folge oder nicht. Das klingt abstrakt, ist aber ein Mechanismus, der sowohl mit Aufmerksamkeit als auch mit Achtsamkeit zu tun hat. Wenn es uns gelingt, diesen Mechanismus zu automatisieren, dann hilft er uns, nicht jedem willkürlichen Gedanken zu folgen.  #00:21:20-6#

Das zweite Thema ist die Prokrastination, und da geht es im Kern um Emotionen. Es gibt viele Tools, die gegen Aufschieberitis helfen. Man kann sich alles zurechtlegen. Man kann sich seine Aufgaben und Ziele klar setzen. Wenn du dann an dem Punkt bist, wo du loslegen könntest, ist dein emotionaler Zustand die letzte große Hürde. Oft möchte man sich vor seinen Ängsten verstecken, und plötzlich muss man unbedingt etwas auf YouTube nachschauen oder dringend etwas putzen. Man möchte sich von der Aufgabe ablenken, mit der man gerade negative Gefühle verknüpft.  #00:22:35-0#

Es braucht etwas Übung, um zu erkennen, welche Emotion hinter der Prokrastination steckt. Hat man diese erkannt, muss man sich ihr stellen. Man muss es sich zur Gewohnheit machen, die Emotion zu erkennen, um dann diese Hürde zu überspringen und produktiv weiterzuarbeiten. Das ist eine große Herausforderung, mit der ich täglich arbeite. Bei uns Selbständigen ist die Versagungsangst ein großer Faktor, weil wir viele Dinge machen, von denen wir nicht wissen, ob wir sie können. Es gehört viel Anstrengung dazu, diese Aufgaben trotzdem anzupacken, wenn man erkannt hat, dass es die Versagensangst ist, die dahintersteckt. Akzeptiere sie und stell dich trotzdem der Herausforderung. Dann wird diese Methode zur Gewohnheit.  #00:23:21-5#

Thomas: Ich habe gerade versucht, mich in diese Lage zu versetzen, denn auch ich schiebe manchmal Dinge vor mir her. Deinen Tipp mit dem Emotionsmanagement kann man sehr gut anwenden. Du hast außerdem die Themen Mindset und Zielerreichung erwähnt. Was ist dein Mindset für Zielerreichung und Höchstleistung? #00:23:51-4#

Jonas: Das ist eine super spannende Frage. Mit unserer App bieten wir die Herangehensweise der Visualisierung. Stell dir vor, du hättest dein Ziel bereits erreicht. Setze dir möglichst hohe Ziele und visualisiere sie. Wie fühlt sich das an? Daraus leitet sich auch das Mindset her. Die Wissenschaft zeigt, dass es tatsächlich einen Effekt hat, Dinge vorwegzunehmen. Die Kraft des Geistes hat körperliche und emotionale Effekte. In dem Moment, wo ich mir das Szenario vorstelle, ein erfolgreicher und zufriedener Unternehmer zu sein, wird meine neurochemische Ebene befriedigt.  #00:25:09-1#

Ich denke, dass man sich auf jeden Fall ambitionierte Ziele setzen soll, aber ich empfehle auch, ein so genanntes mentales Contrasting zu machen. Du fragst dich nicht nur, was nötig ist, um dein Ziel zu erreichen, sondern du visualisierst auch die möglichen Hindernisse, die auf dem Weg zum Ziel auf dich warten können. Das kann zum Beispiel die Prokrastination sein. Ich kenne das vom Sport. Nach einigen Tagen lässt der Drive nach, an meinem Ziel zu arbeiten. Dann ist es wichtig, eine Strategie zu haben, am besten mithilfe einer Visualisierung oder eines Zielplans, um diesen Hindernissen zu begegnen, bevor sie auftauchen.  #00:26:22-9#

So sehe ich auch die Zielsetzung. Es gibt die SMART-Goal-Methode aus dem Projektmanagement. Die ist sehr hilfreich, um ein Ziel festzusetzen, aber viel entscheidender ist die Perspektive, das Ziel loslassen zu können. Dann kann man beide Augen auf die kleinen Schritte richten, die man tun muss, ohne sich ablenken zu lassen.  #00:26:49-4#

Thomas: Du hast angesprochen, dass du ambitionierter Basketballer warst. Gibt es Dinge aus dem Leistungssport, die man auf unseren Alltag übertragen kann?  #00:27:08-5#

Jonas: Ich war ambitionierter Hobby-Basketballer! #00:27:11-9#

Thomas: (Lacht)  #00:27:13-2#

Jonas: Es gibt einige Dinge, die man vom Leistungssport lernen kann. Heutzutage geht die mentale Performance des Leistungssports Stück für Stück in den Arbeitsalltag über. Zum Beispiel gibt es das Resilienz-Konzept, das im Englischen mit „Hardiness“ beschrieben wird. Es geht darum, wie motiviert und durchhaltefähig ich herausfordernde Zeiten meistere. Leistungssportler, warum sie etwas tun. Sie kennen ihren „Purpose“, den Sinn, der hinter dem steckt, was sie tun, und sie gehen mit Commitment an ihre Aufgabe, also mit einer Verpflichtung sich selbst gegenüber. Das Zweite ist ein Mindset, das immer wieder hinterfragt, ob ich die Dinge beeinflussen und kontrollieren kann. Ein entscheidender Punkt ist auch, dass man weiß, was man nicht beeinflussen kann. Es ist eine große Leistung, das Ziel loszulassen, um alle Ressourcen auf das zu legen, was man kontrollieren kann. #00:29:13-4#

Auch Leistungssportlern wird beigebracht, sich Routinen zurechtzulegen. Dabei geht es auch um mentale Gewohnheiten wie Visualisierungen und Affirmationen. Wird man abgelenkt, erinnert man sich an bestimmte Bewegungsabläufe, die man trainiert hat. Wichtig sind auch die Pausen nach der Routine. Diese Methoden lassen sich im Arbeitsalltag anwenden, wo wir versuchen, aus der gegebenen Zeit möglichst alles herauszuholen, um uns sowohl produktiv als auch zufrieden zu fühlen. Dort müssen wir unsere Routinen überprüfen, denn wir möchten ebenso wie beim Leistungssport eine Performancesituation erreichen.  #00:30:16-1#

Thomas: Das waren sehr viele interessante Informationen. Selten habe ich bei einem Podcast Interview so viel mitgeschrieben wie heute. Aber jetzt musst du uns noch etwas Spannendes über das FlowLab erzählen, Jonas. Das ist dein Produkt, deine App. Was ist das Ziel dieser App, und wobei kann sie uns helfen? #00:30:41-9#

Jonas: In die Entwicklung der App sind die Ambitionen hineingeflossen, über die wir gerade gesprochen haben. Sie ist für Menschen konzipiert, die mit Überforderung zu kämpfen haben und die es sich zum Ziel gesetzt haben, aus ihrer Zeit das Beste herauszuholen und möglichst produktiv zu sein. Für diese Menschen haben wir ein Mentaltrainingsprogramm erstellt, einen digitalen Mental-Coach in Form einer App. In geführten Audio-Sessions lernt der Anwender all die Mindsets kennen, die wir heute kennengelernt haben. Am Anfang machen wir einen Persönlichkeitstest und fragen bestimmte Herausforderungen ab, um dann die Mentaltrainingsprogramme auf die individuellen Anforderungen zuzuschneiden. Die Anwender lernen, sich besser zu fokussieren, sich emotional auszugleichen und sich im Leichtigkeitsbereich besser zu entspannen. Sie erfahren, wie man ein optimistisches Mindset bekommt und wie man die Kontroll- und Selbstwirksamkeitsthemen am besten in den Griff bekommt, so dass sie langfristig motiviert werden.  #00:31:56-5#

Diese mentalen Skills kann man genauso trainieren wie körperliche Fitness. Mit FlowLab haben wir eine App entwickelt, die unsere Nutzer, die sich in einem High Pressure Environment befinden, auf dem Weg zu ihrem Ziel begleitet.  #00:32:16-7#

Thomas: Die App ist sehr empfehlenswert, und wir werden alle Infos dazu natürlich verlinken. Sie ist eine coole Sache für alle, die viel erreichen wollen. Herzliche Gratulation zu deiner App! Du hast in den wenigen Minuten unseres Interviews sehr viele interessante Dinge erzählt. Wo im Netz kann man mehr über dich erfahren beziehungsweise, wo kann man sich FlowLab holen?  #00:32:51-9#

Jonas: Wenn es um einen professionellen oder geschäftlichen Austausch geht, bin ich auf LinkedIn als Jonas Vossler zu finden. Mit FlowLab sind wir auf allen Social Media Kanälen aktiv. Unser aktivster Kanal ist Instagram unter @flowlab_app. Unsere Webseite heißt theflowlab.de, und sehr gerne könnt ihr auch in den App Store gehen und Flow Lab eingeben. Probiert die App gerne aus. Wir freuen uns auf euer Feedback.  #00:33:52-7#

Thomas: Super Sache! Jonas, ich bedanke mich recht herzlich für das Interview. Die letzten Worte in diesem Podcast gehören immer dem Gast. Wenn du noch eine Message für meine Hörerinnen und Hörer hast, dann hau sie jetzt raus. Ich freue mich schon auf das Feedback zu dieser Sendung. Vielleicht schaffen wir es in einigen Monaten nochmal, zusammen zu sprechen und in den einen oder anderen Punkt etwas tiefer einzusteigen. Ich würde mich sehr darüber freuen.  #00:34:28-1#

Jonas: Danke, dass ich da sein durfte, lieber Thomas. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Gerne wiederhole ich die Leitlinie, die mir immer wieder sehr im Alltag hilft: Finde heraus, welche Dinge du kontrollieren kannst und welche nicht. Konzentriere dich auf die Dinge, die du in der Hand hast, und lass die anderen los. Das bringt dir die Freiheit, auf deine Ziele hinarbeiten zu können. Es gibt noch ein weiteres Thema, das ich noch nicht angesprochen habe. Im Flow vergisst man sich selbst. Man nimmt sich selbst nicht mehr so ernst, und das ist gut für die Produktivität. Ein bisschen Humor und etwas weniger Ernst im Alltag, das ist ein weiterer Ratschlag an alle Zuhörerinnen und Zuhörer.  #00:35:19-6#

Thomas: Vielen lieben Dank nochmals an dieser Stelle. Du findest alle Informationen zu den Inhalten plus das transkribierte Interview in den Show Notes. Ich habe heute wieder viel gelernt. Es macht einen Riesenspaß, diese Interviews zu führen, und ich hoffe, es macht auch dir viel Spaß, den Gesprächen zuzuhören. Und wenn dir dieser Podcast gefällt, dann freue ich mich, wenn du auf iTunes oder im Podcast Player deiner Wahl eine Bewertung hinterlässt. Und wenn dir irgendetwas nicht gefällt, dann schreibe mir eine E-Mail an office@thomas.mangold.com. Ich bin immer für konstruktive Kritik offen. Zu iTunes gelangst du ganz schnell über selbst-management.biz/itunes.  #00:36:43-1#

Ich sage vielen lieben Dank und freue mich, wenn wir uns in der kommenden Podcastfolge wiederhören. In diesem Sinne: Genieße deinen Tag! #00:36:51-1#

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast.  #00:37:10-6#

Hallo & herzlich willkommen

Thomas Mangold, Autor, Podcaster, Keynote-Speaker

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