Kontrolle ist eine Lebenslüge – ein Interview mit Sabrina von Nessen

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Sabrina von Nessen ist ein leidenschaftlicher Leader mit 20 Jahren Erfahrung in der Finanz- und IT-Branche. Ihre Begeisterung für Technologie hat sie in 15 Jahren als Führungskraft in gleicher Weise entdeckt und kultiviert wie die tiefgründige Leidenschaft für Emotional Leadership. Denn High Performance und damit Erfolg beginnen im Kopf des Einzelnen, dessen Emotionen und Glaubenssätzen. Ihr größtes Learning als Head of Product Management, IT oder Marketing bis zum C-Level: It all starts with „why“. Wenn Menschen erlernte Grenzen sprengen, entsteht Großartiges. Diese Überzeugung und eine große Neugier verhelfen ihr zum Erfolg beim Aufbau von Unternehmen, Teams, Strukturen und Prozessen.


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Transkript dieser Podcastfolge

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für ein besseres Selbstmanagement. Das Ziel: Mehr Zeit für dich und für die wirklich wichtigen Dinge in deinem Leben. Weil deine Zeit wertvoll ist!   #00:00:25-5#

Bevor wir mit der heutigen Folge loslegen, gibt es einen kurzen Hinweis. Ich erhalte regelmäßig E-Mails von Menschen, die selbst gerne einen Podcast starten würden und mich nach Tipps fragen. Aber es gibt jemanden, der sich sehr viel besser auskennt als ich, und zwar ist das Gordon Schönwälder. Auch ich selbst frage ihn immer wieder um Rat, wenn ich etwas nicht weiß oder wenn es in der Welt des Podcastings etwas Neues gibt. Außerdem bin ein treuer Hörer seines Podcasts „Podcasthelden“.  #00:01:14-0#

Deshalb mein Tipp an euch: Gordon sendet demnächst ein Webinar speziell für Podcast-Starter. Der Titel lautet „Podcasts und Kundengewinnung – So machst du die richtigen Menschen auf dich aufmerksam und gewinnst die passenden Kunden“. Das Ganze findet am Mittwoch, den 02. Juni 2021 um 19:00 Uhr statt und ist kostenlos. Für alle unter euch, die demnächst neu starten wollen, ist Gordon mit hundertprozentiger Sicherheit der richtige Ansprechpartner.  #00:01:40-7#

Falls du Lust darauf hast, das Webinar zu besuchen und einen Podcast zu starten, dann wechsle jetzt auf selbst-management.biz/gordon. Dort findest du alle weiteren Informationen. Den Link findest du natürlich auch in den Show Notes.  #00:01:58-6#

Hallo und herzlich willkommen in dieser Podcastfolge. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich sehr, dass du wieder mit dabei bist. „Kontrolle ist eine Lebenslüge“, über diese Aussage spreche ich heute mit Sabrina von Nessen. Sabrina ist eine leidenschaftliche Leaderin, die auf 20 Jahre Erfahrung in der Finanz- und IT-Branche zurückblicken kann. Ihr Motto lautet „wenn Menschen erlernte Grenzen sprengen, entsteht Großartiges“. Diese Überzeugung, gepaart mit großer Neugier, verhelfen ihr zum Erfolg beim Aufbau von Unternehmen, Teams, Strukturen und Prozessen. Ob Kontrolle eine Lebenslüge ist oder nicht und wie man damit umgeht, dieser Frage werden wir gleich nachgehen. Außerdem plaudern wir über Selbstmanagement und Zeitmanagement und hinterfragen, wie man es kontrollieren kann.  #00:02:58-6#

Sabrina erzählt uns Interessantes darüber, wie man beim Kontrollieren eine gute Balance findet. Des Weiteren geht es um das Thema Fehleranalyse. Das ist ein extrem spannender Teil, denn mich interessiert immer wieder, wie andere Menschen mit Fehlern umgehen. Es warten spannende Minuten auf dich, also Vorhang auf für das Interview mit Sabrina von Nessen.  #00:03:21-7#

Thomas: Hallo Sabrina, es freut mich, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich habe im Intro schon etwas über dich erzählt, aber sei doch so lieb und stell dich kurz selbst noch einmal vor. Wer bist du, und was genau machst du?  #00:03:32-2#

Sabrina: Vielen herzlichen Dank für die Einladung, und schön, dass ich dabei sein kann. Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Das wäre die richtige Frage! (Lacht) Hauptberuflich bin ich Vorstand in einem mittelständischem IT-Unternehmen. Wir entwickeln Software, vor allem für die Finanzbranche. Nebenberuflich bin ich Autorin, Speaker und Business-Mentor. Und privat habe ich eine Patchwork-Familie plus ein krankes Pferd, die mich alle sehr fordern. Da weiß man manchmal gar nicht, welchen Hut man im Leben aufhat. Der Tag ist sehr vollgepackt, aber ich liebe es.  #00:04:02-7#

Thomas: Das ist das Wichtigste. Du hast wirklich viel zu tun. Warum ist es so wichtig, die Kontrolle zu behalten und keine Fehler zu machen? Das ist nicht leicht, wenn man einen so vollgepackten Tag hat wie du.  #00:04:18-4#

Sabrina: Ich verliere sehr oft die Kontrolle, eigentlich täglich. Das Thema ist uns so wichtig, weil es ein Merkmal unserer Sozialisation ist. Von Kindheit an sind wir darauf trainiert, keine Fehler zu machen. Das Schulsystem vergibt Noten dafür, dass wir Schwächen ausmerzen und Fehler vermeiden. So wird reported, das heißt, so funktioniert das System der Zeugnisse. Und was passiert dadurch? Wir entwickeln Angst und Unsicherheit. Wir wollen uns nicht blamieren oder bloßstellen lassen. Wir entwickeln Angst vor Menschen, vor Noten und vor unsicheren Situationen.  #00:05:05-4#

Das ist definitiv ein Teil unserer Sozialisierung, so dass wir schon früh lernen, dass das Leben lebensgefährlich ist. Draußen gibt es vieles, was Unsicherheit, Panik und Angst hervorruft, und deshalb ist es wichtig, die Kontrolle zu behalten. Möglichst wenig Fehler machen und nicht scheitern, denn dem könnte Schlimmes folgen. Hört sich das nach einer typisch deutschen Eigenschaft an? Wir glauben, wir könnten die Macht über unser Leben behalten, indem wir besonders starre Regeln aufstellen und genau zu wissen glauben, wie das Leben zu laufen hat. Wir vermeiden es, die Dinge auf uns zukommen zu lassen. Daher kommt es, dass wir die Kontrolle behalten wollen im Leben.  #00:05:42-0#

Thomas: Diese Einstellung lernen wir leider Gottes bereits in unserer frühen Kindheit. Gab es Situationen, in denen du selbst schon einmal die Kontrolle verloren hast? Du hast erzählt, dass es dir im Alltag immer wieder passiert, aber klar, das geht uns allen so. Was hast du aus diesen Situationen gelernt?  #00:06:06-5#

Sabrina: Es passiert mir auch heute noch quasi jeden Tag. Tatsächlich gibt es prägnante Erlebnisse. Ein Erlebnis ereignete sich, als ich Mitte 20 war. Ich hatte meine erste Führungsrolle inne und war voll auf dem Ego-Trip. Die ganze Welt lag mir zu Füßen, und ich fühlte mich groß und stark. In bin davon überzeugt, dass uns das Universum die richtigen Herausforderungen schickt, denn es kam der Moment, an dem ich erkannt habe, dass es so nicht weitergehen kann. Das Schicksal hat mich zurückgeschickt ins Haus meiner Eltern. Was war passiert? Zusammen mit meinem damaligen Lebensgefährten hatte ich nebenberuflich ein Unternehmen gegründet, das in Rumänien und in Deutschland tätig war. Dem ging es zwar blendend, aber der Beziehung leider nicht mehr. Mein gesamtes Leben war auf einmal in den Sand gesetzt. Ich hatte einen Berg Schulden und jede Menge Zweifel an mir selbst. Ich bin in einem Sumpf des Mitleids versunken, und es hat Monate gedauert, bis ich mich wieder herausgezogen hatte. Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht, alle Regeln befolgt, nur um zu zusehen zu müssen, wie alles zusammenbrach. Warum ist das Leben so unfair zu mir, fragte ich mich, und wie soll es jetzt weitergehen?  #00:07:23-5#

Ich hatte das Gefühl, dass ich niemals meine Ziele erreichen würde und dass ich nicht gut genug sei. Ich stellte mir die Frage, ob ich überhaupt glücklich sein dürfte.  #00:07:30-6#

Schließlich begann ich, die ganzen Regeln, die wir mir auferlegt waren, zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie ich mich aus dieser Situation befreien könnte. Dabei gewann ich die wichtige Erkenntnis: Gib die Kontrolle auf, dann gewinnst du sie zurück. Es gibt in jedem Leben immer wieder Momente des Scheiterns. Und das trifft alle Bereiche, sei es die Gesundheit, die Familie oder der Beruf. Du kannst nicht planen, wie es wird, wenn ein geliebter Mensch stirbt, sondern du musst dich dann auf die neue Situation einlassen. Es wird dir nichts anderes übrigbleiben, als das Beste daraus zu machen. In dem Moment, wo wir nicht mehr versuchen, zu kontrollieren, werden wir glücklich. Diese Erfahrung habe ich gemacht.  #00:08:06-9#

Erst wenn man aus diesem Sumpf herauskommt und alles hinter sich lässt, dann kann man damit beginnen, nach vorne zu schauen. Was hat die Zukunft zu bieten? Wo sind die Vorbilder? Was könnte noch Schönes in meinem Leben passieren? Durch diese Gedanken entsteht eine große innere Ruhe.  #00:08:23-3#

Thomas: Es gibt das schöne Sprichwort, „wenn du loslässt, hast du beide Hände frei“. Kontrolle abgeben, um sie anschließend wieder zu erlangen, das ist eigentlich ein Paradoxon, aber es ist ein sehr spannender Gedanke. Ich denke, dass jeder in seinem Leben schon einmal solche Beispiele erfahren hat. Auch ich könnte einiges erzählen.  #00:08:50-3#

Machen wir einen Schwenk zu meinem Thema Zeit- und Selbstmanagement. Wenn Kontrolle eine Lebenslüge ist, welchen Nutzen haben dann Zeit- und Selbstmanagement-Tools?  #00:09:00-8#

Sabrina: Sie haben natürlich einen Nutzen (lacht).  #00:09:06-6#

Thomas: Dankeschön! (Lacht)  #00:09:06-9#

Sabrina: Wir haben definitiv einen gemeinsamen Nenner. Unser Leben ist zu kurz, um es an uns vorbeiziehen zu lassen. Das sehe ich gerade an meinen Eltern. Sie haben 45 Jahre lang hart gearbeitet. Heute als Rentner fragen sie sich, was sie erlebt haben und welchen Sinn ihr Leben gehabt hat. Im Laufe von 45 Arbeitsjahren sind sie täglich aufgestanden, um ihrem Trott nachzugehen, und sie haben nicht daran gezweifelt oder gar nach dem Sinn dahinter gesucht. Das kommt leider meist erst dann, wenn es zu spät ist.  #00:09:36-4#

Unser Leben ist zu kurz, um ihm keinen Sinn zu geben. Diese Erkenntnis ist nicht von mir, ich glaube, das hat bereits der Philosoph Seneca gesagt. Deshalb liegt es an uns, zu fragen, wie wir diese Zeit weise nutzen. Ich habe erzählt, wie viele Rollen ich in meinem Leben einnehme, aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden. Mehr Aufgaben passen in den Tag nicht hinein. Das heißt, die Frage muss sein, wie ich schlauer und effizienter arbeiten kann. Meine Grundhaltung ist, danach zu fragen, wo ich Nutzen generieren und Lösungen finden kann. Es gibt eine Regel, die ich versuche, einzuhalten. Es ist die Frage danach, was mir Struktur gibt. Ich schaffe Rahmenbedingungen, die ich immer wieder abrufen kann, und die mir helfen, Aufgaben zu automatisieren. Am liebsten ist mir dabei das Delegieren und das Outsourcen. Wenn es nicht möglich ist, Arbeiten abzugeben, dann versuche ich zumindest, die Säge zu schärfen, damit die Arbeit effizienter ablaufen kann.  #00:10:46-1#

Deshalb bin ich ein großer Freund von Prozessen und von einer soliden Planung. Ich liebe Tools wie die Pomodoro-Technik, Pareto und das Eisenhower-Prinzip. Ich stelle fest, dass die meisten Menschen diese Werkzeuge zwar kennen, sie aber nicht einsetzen. Deshalb finde ich es sehr wichtig zu definieren, welche drei Dinge ich heute erledigen möchte. Was muss unbedingt fertig werden? Alles andere kann ich laufen lassen. Da kann ich die Kontrolle abgeben. Das Leben kommt dazwischen, das Kind bricht sich das Bein oder was weiß ich was alles passieren kann. Aber diese drei von mir definierten Dinge werde ich auf jeden Fall heute umsetzen, komme was wolle. Deshalb bin ich natürlich ein großer Fan von Tools und Techniken, wenngleich ich dazu tendiere, meine eigenen Regeln auch mal zu brechen. Das war auch eine wichtige Erkenntnis für mich.  #00:11:42-3#

Kennst du Gretchen Rubin? Sie sagt, es gibt Menschen, die ihren eigenen Regeln folgen, und es gibt Menschen, die fremden Regeln folgen. Dann gibt es andere, die folgen beidem oder keinem von beiden. Ich bin der Typ, der keinem von beiden folgt. Ich kann sehr gut und ausgefeilt planen, nur, um dann zu entscheiden, dass ich darauf keine Lust mehr habe (lacht). Deswegen muss ich mich selbst ein bisschen austricksen. Für mich funktioniert die Drei-Punkte-Regel sehr gut. Morgens lege ich fest, welche drei Dinge ich an diesem Tag unbedingt erledigen muss, ob ich will oder nicht. Dann gehe ich den ersten Schritt und packe die Dinge an.  #00:12:18-9#

Thomas: Ich bin der Typ „eigene Regeln“ und finde, dass man einige von ihnen brechen darf und andere nicht. Man darf kein Geisterfahrer auf der Autobahn sein, aber man darf vielleicht mal bei Rot über die Straße gehen, wenn kein Auto kommt. Gretchen Rubin kenne ich nicht, aber danke für den Tipp. Ich werde auf jeden Fall nach ihr googeln.  #00:12:45-7#

Gut, dass du das Delegieren erwähnst. Meiner Meinung nach tun sich die Leute schwer damit, weil viele Glaubenssätze dahinterstecken, wie etwa „niemand macht das so gut wie ich“. Ich denke, dass wir beide behaupten können, dass das komplett falsch ist, wenn man die richtige Person für die jeweilige Aufgabe findet. Vielen Dank für die coolen Tipps, liebe Sabrina. Gibt es weitere Tools, die du einsetzt, um dich zu organisieren? #00:13:04-4#

Sabrina: Ich nutze sehr viele Tools, vom Mindmapping bis hin zu To-do-Listen. Ich habe vieles ausprobiert, aber tatsächlich bin ich noch der Typ „Papier“, auch wenn das sehr Old School ist. Ich bin ein visueller Mensch. Ich muss die Aufgabe mit der Hand geschrieben und mit dem Auge erfasst haben, dann bleibt sie am besten in meinem Kopf hängen. Daneben nutze ich alles, was Outlook bietet. Todoist habe ich ausprobiert, Wunderlist, Trello und wie sie alle heißen. Für mich gibt es nicht nur ein einziges Tool. Ich brauche einen übersichtlichen Kalender, sowohl online als auch offline, und ich benötige ein Werkzeug, um meine Notizen und die Screenshots zu organisieren. In meinem Kopf ist jede Menge los, und ich habe mehr Ideen, als ich zu Papier bringen kann.  #00:13:58-2#

Ich habe keinen neuen Tipp, den ihr noch nicht selbst gefunden habt. Für mich ist eine gute Mischung aus online und offline hilfreich. Wichtig ist, dass en effizienter Workflow dahintersteckt. Weiß ich, welches Tool welchen Zweck erfüllt? Viele nutzen ihre Werkzeuge eher wahllos, und das führt zu einem Kauderwelsch. Ich weiß dann nicht mehr, wo ich welche Information abgelegt habe. Man findet die Dinge nicht mehr, und das ist natürlich kontraproduktiv. Gut verschlagworten, das ist wichtig, gut organisieren, im Workflow bleiben und wissen, was von wo nach wo geht. Das wäre mein bester Tipp.  #00:14:26-3#

Thomas: „A fool with a tool is still a fool“.  #00:14:33-4#

Sabrina: (Lacht)  #00:14:33-6#

Thomas: Wie können unsere Zuhörinnen und Zuhörer eine gute Balance finden und dann loslassen, um anschließend die Kontrolle wieder zu erlangen? Was sind deine Tipps dazu?  #00:14:47-2#

Sabrina: Zuerst muss man sich selbst kennenlernen. Was sind deine Motivatoren, deine Trigger und deine Persönlichkeitsstrukturen? Glaubst du deinen eigenen Regeln oder eher den fremden? Oder bist du wie ich und hast gar keine Regeln? Was langweilt dich, und was motiviert dich aus dem Stand weg? Was empfindest du als sehr kurzweilig, und wo musst du dich selbst austricksen, weil es zäh ist? Zum Beispiel beim Sport? Der fällt mir persönlich immer wieder schwer. Ich weiß, wie wichtig es ist, ins Fitnessstudio zu gehen, aber es ist nicht einfach, in die Puschen zu kommen.  #00:15:23-7#

Man muss sich selbst auch zugestehen, dass die Ressourcen beschränkt sind, Punkt, aus, Ende! Als Folge gilt es, zu priorisieren. Ein schönes Beispiel ist die Jahresplanung. Ich plane immer als Erstes die Urlaube, dann die Geburtstage und sonstige Familienfeierlichkeiten. Danach kann alles andere in der Welt passieren. Auch beruflich gibt es natürlich unumstößliche Meilensteine. Bei anderen Terminen denke ich, ich kann sie einfach laufen lassen. Manchmal muss man auch „nein“ sagen. Gerade Frauen denken, sie müssten perfekt in allen Rollen sein, und für sie ist es hilfreich, vom Perfektionismus abzulassen.  #00:16:01-2#

Ich möchte auch dazu ermuntern, dem Scheitern und den Fehlern einen größeren Platz im Leben einzuräumen. Angenommen, du hast jeden Monat 10 Prozent mehr Geld auf dem Konto, dann gewöhnt sich unser Gehirn daran und will immer mehr. Das Bisherige ist dann nicht mehr gut genug. Wenn du jedoch plötzlich minus 100 Prozent hast, so wie ich damals, dann bist du auf einmal sehr dankbar, wenn sich die Einnahmen um 10 Prozent erhöhen. Das löst eine innere Zufriedenheit aus.  #00:16:42-8#

Am besten ist eine Mischung aus Mindset und guten Tools, genutzt im richtigen Workflow. Und wenn dann mal etwas schiefgeht, so what? In fünf Jahren kräht kein Hahn mehr danach. Meine Oma hat immer gesagt, „morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, und sie hat recht gehabt. Man denkt, die Welt geht unter, wenn wir etwas nicht schaffen, aber in der Regel ist das natürlich nicht der Fall. Eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen, das hilft ungemein.  #00:17:08-0#

Thomas: Das unterstreiche ich voll und ganz. Ich kenne viele Menschen, die ihre Fehler unter den Teppich kehren, um sich nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen. Das ist meiner Meinung nach ein falsches Vorgehen, denn man entwickelt sich nur weiter, wenn man nach dem Hinfallen wieder aufsteht.  #00:17:26-5#

Die Fehleranalyse ist immer wieder eine spannende Angelegenheit. Wie gehst du vor, beziehungsweise, nutzt du irgendwelche Tools oder Programme? Ich selbst nutze dafür meine Wochen- und Monatsreflexionen. Wie ist deine Vorgehensweise?  #00:17:41-0#

Sabrina: Meine ist sehr ähnlich. Ich denke zunächst an mein berufliches Umfeld, die IT. Da gibt es sehr viele gute Tools, und es ist unglaublich, was die Technik heute alles leisten kann. Bei unserer persönlichen Arbeit ist es tatsächlich auch die Reflexion und das Feedback, und zwar auf eine sehr gesunde Art. In der IT arbeiten wir sehr stark mit Lessons Learned, „Retrospektiven“ nennt sich das in der agilen Softwareentwicklung. Wir kommen im Team zusammen und beschreiben, wie unser Empfinden in einer bestimmten Situation war. Was hat mir geholfen, und was hat mich behindert? Was habe ich daraus gelernt, und wie können wir besser werden? Das mache ich zunächst mit mir selbst aus, und zwar jeden Tag und ganz kurz.  #00:18:24-0#

Ich frage mich jeden Abend, was ich am Tag erreichen wollte, was ich tatsächlich erreicht habe und was die Gründe dafür waren. Was hat sich gut angefühlt, und was nicht? Die Jahresplanung ist für mich kein wichtiges Werkzeug, weil ich der Überzeugung bin, dass es nicht möglich ist, ein ganzes Jahr im Voraus zu erfassen. Wir planen, was uns emotional einnimmt, und alles andere blenden wir aus. Wir müssen versuchen, unser Schiff in diesen Ozean zu steuern, und das funktioniert selten, indem wir eine gerade Linie verfolgen. Täglich und wöchentlich zu planen, das halte ich jedoch für sehr wichtig. In die Reflexion zu gehen und den Plan der Realität gegenüberzustellen, das machen die meisten von uns nicht sehr gerne.  #00:19:03-1#

Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann tun wir so, als ob es Zufall gewesen wäre und planen das nächste Mal genauso. Dann wird wieder der gleiche Fitnesstermin eingetragen, obwohl wir ihn schon mehrere Male nicht wahrgenommen haben. Interessant, wie unser Gehirn am Schmerz festhalten will. Lieber die gleiche schmerzvolle Routine, die nicht funktioniert, als einmal etwas zu ändern. An diesem Punkt sollten wir in die Tiefe gehen und die eigenen Gedanken reflektieren. Das bringt uns zu einer optimistischen Grundhaltung. Ich weiß, dass ich meine Schwächen ausblende, weil unser System zu sehr auf ihnen herumreitet, aber ja, ich habe auch Stärken, und die nutze ich, um meine Ziele zu erreichen.  #00:19:44-3#

Ich bin sicher, dass ich es schaffen werde, obwohl tausend Dinge dazwischenkommen. Das heißt, es ist hilfreich, die Gedanken zu kontrollieren, das passende Mindset einzunehmen und in kleinen Schritten voranzugehen. Ich habe bereits die Pomodoro-Technik angesprochen. Gerade, wenn uns etwas schwerfällt, können wir uns mit dieser Methode überlisten, denn es sind doch nur zwanzig Minuten! Schwuppdiwupp, sind sechzig Minuten daraus geworden, und die Aufgabe fühlt sich plötzlich ganz leicht an.  #00:20:19-2#

Fehleranalyse erfolgt bei mir über Rückblick und Reflexion in der Tiefe, mit mir selbst und auch im Team, wenn andere Menschen beteiligt waren. Eine gute Grundhaltung ist wichtig, um in die Zukunft zu schauen. Und last but not least ist es sinnvoll, in kleinen Schritten zu planen.  #00:20:32-3#

Thomas: Es war Albert Einstein, der gesagt hat, „die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Das kann nicht funktionieren. Für mich selbst ist die Pomodoro-Technik ungeeignet, ich wende lieber den 5-Minuten-Trick an. Ich zwinge mich, eine ungeliebte Aufgabe fünf Minuten lang zu machen, und dann geht es wie von ganz alleine weiter. Das hilft mir besonders beim Sport.  #00:21:04-0#

Auch dein Rat, das Geplante mit der Realität übereinander zu legen, gefällt mir sehr gut. Ich empfehle jedem, die ideale Woche zu skizzieren und zu überprüfen, was man geschafft hat. Das sind spannende Ansätze. Danke für deinen Input, liebe Sabrina. Die ganzen Ideen hast du in unserem heutigen Podcast lediglich anteasern können. Wenn jemand mehr über dich erfahren möchte, wo im Netz kann er dich finden?  #00:21:28-7#

Sabrina: Da es meinen Namen nur ein einziges Mal im gesamten Universum gibt, findet man mich auf fast jeder Social Media Plattform. Dort sind auch die unterschiedlichen Links hinterlegt. Ich freue mich über jeden Kontakt. Was die Reflexion betrifft, ist das einer der ultimativen Hacks, nämlich das Netzwerk mit Menschen zu erweitern, die einen anderen Blick auf die Dinge haben und die auch konträr diskutieren können, ohne gleich in einen Streit zu verfallen. Das haben wir völlig verlernt. Wer Interesse an einem konstruktiven, nach vorne gerichteten Austausch hat, kann mich gerne kontaktieren. Ich freue mich darauf.  #00:22:07-0#

Thomas: Das alles werden wir natürlich in den Show Notes verlinken. In meinem Podcast gehört das letzte Wort immer dem Gast. Wenn du noch ein letztes Shout Out oder einen Tipp für uns hast, dann hau ihn gerne raus. Ich bedanke mich für das Gespräch. Es hat sehr viel Spaß gemacht, und ich habe wieder einiges dazugelernt.  #00:22:29-2#

Sabrina: Ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung, lieber Thomas. Es war eine große Freude, hier zu sein. Mein letzter Tipp: Motiviere dich selbst, sonst macht es keiner. Wir warten viel zu oft darauf, dass der Chef, der Mann, der Kollege oder wer auch immer kommt und die Welt für uns rettet. Das wird nicht passieren. Finde deine eigenen Motivatoren, dann wirst du automatisch zu mehr Kontrolle im Leben und zu mehr Zufriedenheit und Glück gelangen. Ich wünsche dir viel Erfolg und ein glückliches Händchen dabei.  #00:23:01-7#

Thomas: Vielen lieben Dank, Sabrina. Da war wieder extrem viel Spannendes mit dabei. Deswegen freut es mich immer, diese Interviews zu führen. Wenn du mehr über Sabrina erfahren möchtest, dann findest du alle Links in den Show Notes. Ich bedanke mich bei dir fürs Zuhören, machs gut und genieße deinen Tag.  #00:23:36-2#

Hallo & herzlich willkommen

Thomas Mangold, Autor, Podcaster, Keynote-Speaker

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