Leicht erlernt, extrem hilfreich und obendrauf beeindruckend – Eine der besten Mnemotechniken

Mit Mnemotechniken habe ich mich früher schon mal beschäftig, es aber als zu kompliziert abgetan. Daher freue ich mich dir heute Philipp Kroiss vorstellen zu dürfen. Philipp hat mit diesem spannenden Gastartikel meine erste Vermutung widerlegt und daher werde ich mich mit dieser spannenden Lerntechnik nun wieder näher befassen.

Das selbe kann ich dir ans Herz legen. Daher nun viel Spaß mit dem Gastartikel von Philipp.

In meinem Blog geht es unter anderem um Philosophen und Literaten der letzten 2500 Jahre. Da alle diese genialen Denker und Dichter auch Kinder ihrer Zeit waren, ist es von Vorteil zu wissen, wann genau sie ihr Unwesen trieben.

Ich persönlich brauchte immer ewig, um mir Jahreszahlen einzuprägen. Und weiter als ins Kurzzeitgedächtnis schafften sie es sowieso nie. Dann fand ich jedoch eine Mnemotechnik (Mnemotechniken sind Methoden, um Informationen besser im Gedächtnis zu behalten), die mir zur Lösung meines Problems verhalf.

In diesem Blog von Thomas geht es aber um Selbstmanagement (weniger um Jahreszahlen) und mitunter um Wege, mehr aus jedem Tag herauszuholen, indem man durch kleine Tricks Zeit spart und seine Effektivität steigert.

Und genau hierfür fällt mir eine zweite Mnemotechnik ein, die ich gerne verwende.

Sie ist leicht zu erlernen, extrem hilfreich, macht Spaß und gibt dir außerdem – etwas abgewandelt – die Möglichkeit Freunde und Bekannte zu verblüffen.

Einkaufen ohne Spickzettel …

Der klassische Anwendungsbereich für diese Technik ist der Einkauf im Supermarkt. Und zwar ohne Einkaufsliste.

Wenn du gerne deine starren Gehirnzellen entstauben und zusätzlich ein wenig Zeit sparen willst, dann spitze nun gut die Ohren.

Du sitzt im Bus nachhause und planst, am Fußmarsch von der Haltestelle zu deiner Wohnung noch schnell beim Supermarkt ein paar Einkäufe zu tätigen. Dein Handy-Akku ist leer (zu viel „Tinder“ und „Candy-Crush“), Block und Bleistift hast du heute leider auch nicht dabei. Dir schießen die Produkte durch den Kopf, die du brauchst, und später im Supermarkt kaufen willst. Es sind:

Bananen, Karotten, Eier, Käse, Salat, Reis, Bier, Schokolade, eine Zahnbürste und feuchtes Klopapier.

Nur zehn verschiedene Artikel. Kannst du sie im Kopf behalten und am Ende keinen vergessen? – In neun aus zehn Fällen nicht, behaupte ich.

Ich will dir im Folgenden verraten, wie du es in zehn von zehn Anläufen schaffst.

Schritt 1: Der Gang durch deine Wohnung …

Das Um und Auf jeder Mnemotechnik ist die bildliche Verarbeitung der Informationen, die gespeichert werden sollen.

Es reicht aber nicht, sich die oben genannten Dinge einfach nur bildlich nacheinander vorzustellen, etwa so: „Eine Banane“ – „eine Karotte“ – „Eier“, …

Man muss sie mit anderen Bildern verknüpfen, damit sie im Gedächtnis bleiben.

Dafür legen wir uns zuerst einen Weg voller Knotenpunkte zurecht. Dieser ist die Basis und wird in Zukunft immer gleich bleiben. Hervorragend eignet sich hierfür der Gang durch deine Wohnung oder dein Haus.

Dieser könnte zum Beispiel so aussehen:

Du stehst vor deiner Eingangstüre (= Knotenpunkt 1). Du öffnest sie und trittst ein. Das erste was du tust, du betätigst den Lichtschalter (= KP 2) gleich rechts von dir. Dann ziehst du die Schuhe aus und stellst sie auf dein Schuhregal (= KP 3). Du streifst die Jacke ab und hängst sie auf den Kleiderhaken in der Garderobe (= KP 4). Danach kramst du Handy, Geldtasche und Autoschlüssel aus deinen Hosentaschen hervor und schmeißt sie in die Schüssel (= KP 5) auf dem Kästchen im Flur. Du stehst nun vor ein paar Treppen (= KP 6), die in deinen Wohnbereich führen. Du steigst sie hinauf und betätigst dort oben – wieder zu deiner Rechten – den nächsten Lichtschalter (= KP 7). Du steuerst auf dein geliebtes Sofa (= KP 8) zu und lässt dich zufrieden in dieses hineinsinken. Du schnappst die Fernbedienung (= KP 9) neben dir und schaltest damit die Glotze (= KP 10) ein.

Schritt 2: Die Wohnung „anfüllen“ …

An diese Knotenpunkte setzt du nun nach der Reihe die einzukaufenden Artikel. Wichtig ist hier, sich die verknüpften Bilder besonders bunt, intensiv und ausgefallen vorzustellen. Zusätzlich hilft es, die weiteren vier Sinne zu aktivieren. Was riechst, schmeckst, fühlst oder hörst du dabei?

Die Banane verknüpfst du mit Knotenpunkt 1, der Eingangstüre. Doch sie hängt nicht nur an der Türklinke, nein, sie klebt zermatscht mitten an der Türe und rutscht langsam nach unten. Es können auch mehrere Bananen sein. Oder eine ganz große, größer als du selbst. Hauptsache das Bild prägt sich tief in dein Gedächtnis ein.

Die Karotten verknüpfst du mit Knotenpunkt 2, dem Lichtschalter. Beim Eintreten greifst du nach rechts und spürst etwas Längliches am Lichtschalter. Du erschrickst, ziehst die Hand zurück und siehst eine fette Karotte im Schalter stecken.

Eier und Knotenpunkt 3 (Schuhregal): Dein Schuhregal ist von oben bis unten zugekleistert mit kaputten rohen Eiern. Du stellst deine Schuhe trotzdem mitten in dieses matschige Desaster.

Käse und Knotenpunkt 4 (Kleiderhaken): Du ziehst die Jacke aus und vernimmst einen penetrant-käsigen Geruch dabei. Du willst sie aufhängen und merkst, dass der Kleiderhaken, an dem sie stets hängt, gelb geworden ist, Löcher bekommen hat und schimmelt. Du hängst die Jacke dennoch darauf, doch der Käse-Kleiderhaken zerbricht und sie fällt zu Boden. Du gehst unbeeindruckt weiter …

Salat und Knotenpunkt 5 (Schüssel): Wie immer nach dem Aufhängen der Jacke, kramst du nun Handy, Schlüssel und Geldtasche aus deinen Hosentaschen hervor und willst sie in der Schüssel am Kästchen im Flur versorgen. Doch siehe da – sie ist voller Salat. Man hat deine Schlüssel-Schüssel als Salat-Schüssel missbraucht! Ein perfekt abgemachter, saftiger, grüner Salat lacht dich aus deiner Schüssel an. Ein paar Blätter liegen auch daneben und am Boden. Du kostest ein wenig davon (mit den Händen natürlich) und gehst weiter.

Reis und Knotenpunkt 6 (Treppen): Als du die erste Stufe der Treppe betrittst, knirscht es unter deinem Fuß. Du blickst hinab und bemerkst, dass eine zentimeterdicke Schicht Reis auf ihr liegt. Nicht nur auf der ersten, auch die restlichen Stufen sind voll mit weißem, rohem Reis.

Bier und Knotenpunkt 7 (Lichtschalter 2): Die Reis-Stiege hinter dir gelassen, betätigst du den nächsten Lichtschalter. Es geht nicht nur das Licht an, sondern gleichzeitig erscheint rechts von dir eine lebensgroße Bierflasche mit Armen aus dem Nichts. Sie trägt zwei kleinere Version ihrer selbst in beiden Händen und bietet dir eine davon an. Ihr prostet euch zu, du nimmst einen Schluck und steuerst dem Sofa zu.

Schokolade und Knotenpunkt 8 (Sofa): Du lässt dich ins Sofa fallen. Doch anstatt von den weichen Polstern aufgefangen zu werden, kracht es und du stößt dir dein Steißbein. Verwundert und mit Schmerzen bemerkst du, dass dein Sofa aus purer Schokolade ist. Schon sind die Schmerzen vergessen und du beginnst, dein geliebtes Sofa zu verzehren.

Zahnbürste und Knotenpunkt 9 (Fernbedienung): Dein Bauch ist nun voller Schokolade. Mehr kannst du nicht mehr essen. Next step: fernsehen. Du greifst nach der Fernbedienung neben dir. Doch es ist keine gewöhnliche Fernbedienung sondern eine in Zahnbürsten-Form. „Praktisch!“, denkst du dir, schaltest damit den Fernseher ein und befreist mit ihrer Hilfe deine Zähne von den Schokolade-Resten.

Feuchtes Klopapier und Knotenpunkt 10 (Fernseher): Du sitzt auf deinem angefressenen Schokolade-Sofa, putzt dir mit der Zahnbürsten-Fernbedienung die Zähne und möchtest nun eigentlich deine Lieblingsserie schauen. Doch leider kommt es nicht dazu. Der Fernseher ist dick eingewickelt in feuchtes Klopapier. Es wird dir nichts anderes übrig bleiben als deinen faulen Hintern noch einmal zu erheben und deinen Freund von den vielen Schichten matschigen Klopapiers zu befreien.

Schritt 3: Abrufen …

Du stehst jetzt im Supermarkt, bereit zum Einkauf.

Alles, was du nun zu tun hast, ist, dir den Gang durch deine Wohnung vorzustellen.

Du stehst vor deiner Haustüre und siehst die „zermatschten“ Bananen. Das heißt  – Bananen kaufen.

Die Bananen sind im Einkaufswagen. Nächster Schritt im Gang durch die Wohnung – der Lichtschalter. Du willst das Licht einschalten und spürst dabei die Karotte im Schalter stecken. Daher – Karotten kaufen.

Auch Artikel zwei ist im Einkaufswagen. Weiter geht’s zum nächsten Knotenpunkt. Das Schuhregal. Was siehst du? Es ist voller zerschlagener, roher Eier. Daraus folgt – Eier kaufen.

Und so weiter und so fort …

Bis du schließlich beim Fernseher und dem feuchten Klopapier ankommst.

Dann hast du alle zehn Produkte zusammen und kannst dich getrost zur Kassa begeben, ohne zuhause draufzukommen, dass du etwas vergessen hast.

Das ist doch viel zu kompliziert!!!

Habe ich mir anfangs auch gedacht.

Bis ich es probiert habe, es mir Spaß machte und ich diese Technik heute für verschiedene Dinge anwende.

Natürlich brauchst du beim ersten Mal ein wenig Zeit, um dir den ganz persönlichen Weg durch deine Wohnung mental anzulegen. Dieser kann natürlich auch viel länger sein. Als Selbsttest hatte ich bereits einmal ganze 52 Knotenpunkte angehäuft. Und auch das funktionierte.

Du musst die Verknüpfungen nicht so ausschmücken, wie ich das in Schritt 2 gezeigt habe. Anfängern kann dies helfen, später jedoch verknüpft man einfach ohne viel Schnickschnack die einzelnen Artikel mit den Knotenpunkten. Auch hier macht Übung den Meister.

Hast du diese Technik erst einmal schätzen gelernt, wirst du sie immer wieder anwenden. Einerseits dann, wenn du nichts zum Notieren bei dir hast, andererseits aber auch, um ganz einfach dein Gedächtnis und deine Kreativität zu schulen.

Wie du diese Technik noch anwenden kannst …

In einem Kurs musste ich einst mit dieser Mnemotechnik die Kartenreihenfolge eines ganzen Kartendecks auswendig lernen. Dazu ist ein weiterer Zwischenschritt nötig, dessen Erklärung hier zu weit führen würde.

Prinzipiell ist es aber möglich, sich mit Hilfe dessen, was ich oben schon ausgeführt habe, beliebige Reihenfolgen zu merken. Denn man prägt sich die einzelnen Infos (in unserem Fall waren es Produkte eines Supermarktes) ja nacheinander ein und ruft sie auch nacheinander wieder ab. Bei der Einkaufsliste ist dies gar nicht so wichtig. Es ist egal, ob ich zuerst die Eier kaufe und dann die Schokolade oder umgekehrt. Am Ende zählt nur, dass ich nichts vergesse.

In anderen Konstellationen kann diese Reihenfolge aber von Bedeutung sein.

Wenn man sich zum Beispiel darauf vorbereitet, vor einem Publikum frei und ohne Spickzettel zu sprechen. Eine Möglichkeit wäre nun, die Rede in zehn Teile zu teilen, jeden Teil zu benennen und sie sodann den Knotenpunkten zuzuordnen.

Bei der Rede selbst stellt man sich dann wieder den Gang durch die Wohnung vor und erzählt den Zuhörern Teil für Teil das, was man ihnen sagen will, ohne die Reihenfolge der einzelnen Teile durcheinander zu bringen.

Die Technik eignet sich aber auch prima um Freunde oder Bekannte zu verblüffen;

„Schreib 30 Dinge auf, lies sie mir dann einmal vor und ich gebe sie dir in einem Stück in genau derselben Reihenfolge wieder!“. – Eine ziemlich beeindruckende Behauptung.

Und dennoch ist da gar nicht so viel dabei. Erweitere einfach deinen Gang durch die Wohnung auf 30 Knotenpunkte und platziere danach die Gegenstände, die dir dein Freund oder wer auch immer nacheinander vorliest. Bei 30 angekommen startest du wieder von vorne vor deiner Eingangstür und genießt es, wie die Augen deiner Zuhörer Gegenstand für Gegenstand, den du richtig wiedergibst, immer größer werden.

Dies sind nur zwei Beispiele, wie du die Einkauflisten-Technik auch in anderen Bereichen anwenden kannst. Mit etwas Phantasie, kleinen Abänderungen oder zusätzlichen Schritten, stehen dir verschiedenste weitere Möglichkeiten offen um von ihr zu profitieren.

Noch einmal kurz und knackig, um sofort zu beginnen:

Schritt 1: Lege dir deinen ganz persönlichen Gang durch deine Wohnung oder dein Haus an und setze Knotenpunkte.

Schritt 2: Überlege, was du heute im Supermarkt kaufen willst und verknüpfe die Produkte gleich im Kopf mit den Knotenpunkten.

Schritt 3: Probiere die Technik beim nächsten Einkauf aus. Sie funktioniert garantiert.

Ich hoffe dich angespornt zu haben, diesen kleinen Life-Hack in deinen Alltag einzubauen

Über den Autor:

Philipp Kroiss ist Volleyball-Profi, Philosophie-Student, Autor und Blogger. Sein Ziel ist es, sich nicht nur am Volleyballfeld täglich weiterzuentwickeln, sondern auch keinen Tag vergehen zu lassen, ohne intellektuell und als Persönlichkeit voranzuschreiten oder neue Erfahrungen zu machen. Auf seinem Blog www.gedankennomade.net beschäftigt er sich mit dem Lesen, dem Denken und dem Schreiben sowie mit Philosophie, Literatur, Autodidaktik und persönlicher Entwicklung. Er will sowohl Neulinge für diese Themen begeistern als auch Fortgeschrittenen wertvolle Inhalte zu den erwähnten Bereichen bieten.

2017-09-29T11:05:39+00:004 Comments

4 Comments

  1. Merlin 19. Januar 2017 at 10:43 - Reply

    Die Technik sich einen Gedankenpalast zu erstellen hast du wirklich klasse erklärt. Ich habe auch schon viel darüber gelesen und gelernt.

    Die Art und Weise wie du uns das im Artikel näher bringst ist aber wirklich sehr toll gemacht.

    Vielen Dank dafür Philipp.

    Grüße Merlin

  2. Philipp 19. Januar 2017 at 18:45 - Reply

    Lieber Merlin,

    Danke für das Lob.
    Mir gefällt wiederum deine Formulierung „Gedankenpalast“ sehr gut! Das trifft es gut 🙂

  3. Kroiss johanna 20. Januar 2017 at 20:17 - Reply

    Lieber philipp ja super amüsant erklärt!! Und ich hab einen Vorteil beim üben, denn ich kenne diese wohnung

  4. Philipp 20. Januar 2017 at 23:43 - Reply

    Hi Philipp,

    danke für den spannenden Tipp!

    MFG Philipp

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