In Zeiten der Digitalisierung und des Fachkräftemangels ist es wichtig, auch nach der beruflichen Erstausbildung durch Lernen und Weiterbildung persönlich und beruflich zu wachsen. Der Großteil der deutschen Unternehmen stellt seinen Mitarbeitern Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung und Umfragen zufolge nehmen über die Hälfte der in Deutschland Beschäftigten jedes Jahr an einer Weiterbildung teil. Oft ist aber auch Eigeninitiative gefragt, um auf der Karriereleiter weiter voranzukommen, sich gegenüber Konkurrenten zu behaupten und sich persönlich weiterzuentwickeln. Dieser Artikel erklärt, warum lebenslanges Lernen immer wichtiger wird und zeigt, wie Sie die passende Weiterbildung finden.

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ (Chinesisches Sprichwort)

Der Großteil der deutschen Unternehmen hat in Zeiten der Digitalisierung und des rasanten technischen Fortschritts erkannt, wie bedeutsam es ist, dass die Beschäftigten ihre Fähigkeiten und ihr Wissen auch nach der Ausbildung erhalten, anpassen und erweitern. Langfristig ist Weiterbildung eine elementare Voraussetzung, damit die deutsche Wirtschaft gesund und konkurrenzfähig bleibt. Laut einer repräsentativen Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Bitkom Research wollen über 50 % der deutschen Firmen dieses Jahr ihre Ausgaben für die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten erhöhen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Weiterbildung dient der Fachkräftesicherung, was gerade bei dem in vielen Branchen steigenden Fachkräftemangel von Bedeutung ist, und sorgt für die Aufrechterhaltung der Produktivität. Zudem ist es vielen Unternehmen wichtig, die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Angestellten zu erhöhen und die eigene Attraktivität zu steigern. Gerade die jüngere Generationen erwartet vom Arbeitgeber heutzutage nämlich betriebliche Weiterbildungsangebote.

Die beliebtesten betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen

Die meisten betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen haben zum Ziel, die fachlichen oder sozialen Kompetenzen zu steigern. Immer mehr Unternehmen legen zudem Wert darauf, die Digitalkompetenzen ihrer Angestellten zu verbessern, sie also fit im Umgang mit digitalen Geräten wie Computern und Anwendungen zu machen. Ein konkretes Beispiel sind Schulungen zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, bei denen die Angestellten den sicheren Umgang mit Software lernen, welche der elektronischen Abwicklung von Geschäftsprozessen dient.

Ganz vorne bei den eingesetzten Weiterbildungsmaßnahmen liegen klassische Seminare, die entweder in der Firma unter der Leitung externer Referenten oder außerhalb stattfinden, zum Beispiel in einem Tagungshotel. Die beliebtesten digitalen Weiterbildungsmaßnahmen sind Lernprogramme auf dem PC, aber auch das sogenannte Blended Learning, also die Verbindung von Präsenzveranstaltungen mit digitalen Lernformen, wird von vielen Unternehmen angeboten. Kostenlose Online-Kurse oder Lernprogramme über Apps sind ebenfalls Weiterbildungsformen, die manche Firmen ihren Angestellten anbieten.

Qualifizierung selbst in die Hand nehmen: Private Weiterbildung

Oft ist aber auch Eigeninitiative erforderlich, um die Chancen zu erhöhen, auf der Karriereleiter weiter hochzuklettern und sich gegenüber Konkurrenten zu behaupten. Immerhin bieten nicht alle Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen an und oftmals sind die angebotenen nicht die richtigen für einen selbst. Arbeitslosen, Eltern nach der Elternzeitphase und Angestellten, die momentan nicht ihrem Traumjob nachgehen, empfiehlt es sich ebenfalls, durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen bei einer Weiterbildung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Beschleunigte Innovationszyklen, der technische Fortschritt und die steigende Anzahl an Berufen, in denen das erforderliche Wissen stetig zunimmt, machen lebenslanges Lernen immer wichtiger. Der Staat unterstützt Lernwillige mit vielen Weiterbildungsförderungen wie etwa dem Bildungsgutschein für Jobsuchende oder der Bildungsprämie für Selbstständige.

Wann sollte ich mich weiterbilden?

Zeiten von Arbeitslosigkeit lassen sich durch eine Weiterbildung sinnvoll überbrücken. Dadurch gewinnen Sie zusätzliche Qualifikationen bzw. Kenntnisse, die Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Besprechen Sie mit Ihrem zuständigen Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit mögliche Weiterbildungsmaßnahmen und fragen Sie, welche finanziellen Förderungen Sie in Anspruch nehmen können.

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Nach der Schule gönnen sich viele junge Leute eine Auszeit, bevor der Start ins Berufsleben losgeht. Viele von ihnen wissen auch noch gar nicht, wohin ihr Weg führt und sie benötigen eine Zeit der persönlichen Selbstfindung. Das ist völlig okay und nachvollziehbar. Statt jedoch einen ganzjährigen Urlaub daraus zu machen, sollten Sie über eine sinnvolle Weiterbildung nebenbei nachdenken, die ein Plus im Lebenslauf darstellt und Ihnen beim Bewerbungsverfahren einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft.

Für Studenten ist es nach Beendigung des Erststudiums oft sinnvoll, gleich hinterher ihren Bachelor oder Master zu machen.

Liebäugeln Sie schon länger mit einem Berufswechsel? Dann werden Sie aktiv und unternehmen Sie die notwendigen Schritte. Dasselbe gilt für alle, die unzufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation sind. Wer sich zum Beispiel eine Gehaltserhöhung wünscht, hat nach einer absolvierten Weiterbildungsmaßnahme bessere Chancen darauf. Wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre Weiterbildungspläne. Er kann sagen, welche Maßnahme gut für Sie und die Firma ist. Eventuell finanziert er die Weiterbildung auch ganz oder teilweise. Fragen kostet nichts.

Sogenannte Soft Skills und Business Skills zu verbessern ist immer eine gute Idee, auch um persönlich zu wachsen. Unter Soft Skills versteht man persönliche Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Kreativität, Empathie, Motivation, Umgangsstil, Zeitmanagement und strukturierte Arbeitsweise, die neben den messbaren Fähigkeiten und Kenntnissen (Hard Skills) für jedes Unternehmen wertvoll sind. Soft Skills, die in besonderem Maße für Beruf und Karriere wichtig sind, werden Business Skills genannt. Dazu gehören unter anderem Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität und Präsentationsstärke. Nehmen Sie beispielsweise an einem Rhetorik-Kurs teil, um Ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken und beruflich sowie privat stets sicher aufzutreten. „Zusammenarbeit im Team“, „Konfliktbewältigung in Gruppen“ oder „Lampenfieber überwinden“ sind nur einige von vielen weiteren Seminaren, von denen viele Menschen sowohl beruflich als auch privat profitieren.

Wie finde ich die passende Weiterbildung?

Im Dschungel der Weiterbildungsangebote ist es oft schwierig, die passende Maßnahme zu finden. Indem Sie die folgenden Fragen beantworten, kommen Sie einer gut zu Ihrer aktuellen Situation passenden Weiterbildungsmaßnahme näher.

Was sind Ihre beruflichen Ziele und welche Qualifikationen fehlen Ihnen noch, um diese zu erreichen?

Werden Sie sich zunächst darüber klar, was eigentlich Ihr grundsätzliches Ziel ist. Vergegenwärtigen Sie sich dann, was Ihnen noch fehlt, um dieses Ziel zu erreichen. Planen Sie zum Beispiel den nächsten Schritt auf der Karriereleiter, sollten Sie überlegen, ob Sie dafür noch bestimmtes Fachwissen benötigen oder Ihre Business-Skills verbessern müssen. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie ihren Chef. Ehrlichkeit und Direktheit sind Trumpf und jeder Chef mag ehrgeizige Mitarbeiter, die sich verbessern wollen.

Wie möchten Sie sich weiterbilden?

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Wie wollen Sie lernen? In Seminaren oder per Fernstudium? Fernunterricht bietet den Vorteil, dass Sie zeitlich ungebunden und flexibel sind. Manche Menschen tun sich allerdings schwer damit, sich selbst regelmäßig zum Lernen zu motivieren – für sie ist das strukturierte Lernen mit festem Stundenplan in einem Seminar oder Volkshochschulkurs vielleicht die bessere Wahl. Überlegen Sie in dem Zusammenhang auch genau, wie viel Zeit Ihnen für die Weiterbildung zur Verfügung steht. Ein echtes Fernstudium dauert oft Jahre und schränkt Ihr Privatleben stark ein.

Klären Sie die Kostenfrage

Ein eingeschränktes Budget lässt so manche Weiterbildungsmöglichkeit direkt wegfallen. Überlegen Sie, wie viel Geld Ihnen für die Weiterbildung zur Verfügung steht und informieren Sie sich über die Preise der in Frage kommenden Weiterbildungen. Klären Sie, ob Sie die Förderprogramme vom Bund und der EU in Anspruch nehmen können und fragen Sie Ihren Chef, ob das Unternehmen die Kosten komplett oder anteilig übernimmt.

Tipp: Sozialversicherungspflichtige Angestellte, die seit mindestens sechs Monaten in einem Unternehmen tätig sind, haben Anrecht auf bis zu fünf Tage Bildungsurlaub jährlich. Diese Zeit, während der das reguläre Gehalt weitergezahlt wird, kann für Seminare, Sprachreisen o.ä. genutzt werden.

Aktuelle Kursangebote checken

Haben Sie eine konkrete Vorstellung von einer sinnvollen Weiterbildung, dann suchen Sie in einer Weiterbildungsdatenbank das passende Kursangebot. Lassen Sie sich vom Anbieter Informationsmaterial zukommen und schauen Sie sich auf seiner Webseite um. Überprüfen Sie den Anbieter auch hinsichtlich seiner Seriosität, zum Beispiel, indem Sie im Internet nach Erfahrungsberichten suchen. Gute Weiterbildungsanbieter sind staatlich anerkannt und listen in ihren Angeboten detailliert alle relevanten Angaben wie benötigte Vorkenntnisse, Inhalt, Zielgruppe, Lernmethoden und Kosten auf.

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Konstantes Lernen und Wachsen sind Grundvoraussetzungen für beruflichen und privaten Erfolg. Wer bereit ist sich stets zu verbessern, wird früher oder später die Früchte für seine Bemühungen ernten.