Ich bekomme immer wieder Fragen zum Thema Selbstmanagement für Mütter und Väter gemailt. Nun bin ich aber der denkbar schlechteste Ansprechpartner für diese Art von Fragen. Mit Prof. Dr. Lydia Bals habe ich meine Mama gefunden, die eine 7 Monate alte Tochter hat und daher aus erster Hand über ihre Erfahrungen berichten kann. Lydia ist nicht nur Mama, sondern auch Professorin an der Hochschule in Mainz und auch beratend und moderierend in den Themen Einkauf und Supply Chain Management tätig. Sie gibt im Interview eine Unmenge an tollen Tipps mit auf dem Weg. Daher ist dieses Interview eine absolute Hör-Empfehlung!


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Transkript dieser Podcast-Folge:

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast.  #00:00:17-6#

Hallo und herzlich willkommen zur 282. Podcastfolge. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich sehr, dass du mir heute wieder dein Ohr leihst. Beziehungsweise ist „mir“ heute falsch, denn du leihst uns dein Ohr, weil es heute wieder ein spannendes Interview gibt. Zugegebenermaßen wird die Zielgruppe eine recht eingeschränkte sein. Ich bekomme immer wieder Anfragen wie, „Thomas, kannst du uns Tipps für das Selbstmanagement von Müttern und Vätern geben?“ Ich kann das, ehrlich gesagt, nicht wirklich, weil ich weder Mutter noch Vater bin, aber ich habe jemanden an meine Seite geholt, die das auf alle Fälle kann, nämlich Prof. Dr. Lydia Bals. Sie ist vor einigen Monaten Mama geworden und erzählt im Interview, wie es ihr gegangen ist, was sie vor der Schwangerschaft gemacht hat, was sich durch die Schwangerschaft verändert und was man selbst- und zeitmanagementtechnisch bei der Geburt beachten sollte. Sie hat das super untergliedert in die Schwangerschaft, die ersten vier Wochen nach der Geburt bis hin zu fünf Monaten nach der Geburt. Lydia gibt jede Menge Tipps, Links und tolle Informationen.  #00:01:34-2#

Wenn du Mama bist, wenn du Papa bist, dann höre in diesen Podcast hinein, ganz egal, wie alt dein Kind schon sein mag. Hier gibt es jede Menge spannende Tipps für das Selbst- und Zeitmanagement mit Kind und Familie. Und jetzt wird sich Prof. Dr. Lydia Bals gleich selbst vorstellen. Ich wünsche dir sehr viel Spaß mit diesem Interview und natürlich viel Erfolg bei der Umsetzung. Hören wir hinein in dieses spannende Interview mit Prof. Dr. Lydia Bals! #00:02:10-7#

Thomas: Hallo Lydia, herzlich willkommen im Podcast. Ich freue mich sehr, dass du dir Zeit genommen hast, hier mitzumachen und mir einige Fragen zu beantworten, auf die ich selbst nicht so wirklich zu antworten weiß. Aber bevor wir ins Thema einsteigen, erzähl doch mal, was du machst und warum das Zeit- und Selbstmanagement so wichtig für dich ist. #00:02:30-8#

Lydia: Hallo Thomas, vielen Dank für die Einladung in deinen Podcast. Ich höre bereits seit fünf Jahren immer sehr gerne zu und freue mich, heute etwas zum Thema „Familie“ erzählen zu können. Zu meinem Hintergrund, ich habe BWL mit zwei Auslandssemestern in Mexiko und Finnland studiert. Im Anschluss habe ich ebenfalls in BWL dem Schwerpunkt „Einkauf“ promoviert. Danach bin ich bei Bayer eingestiegen und war dort erst im Inhouse Consulting tätig und dann als Abteilungsleiterin im Einkauf. Dann habe ich mich drastisch verändert und bin Professorin an der Hochschule Mainz geworden. Auch während meiner Zeit bei Bayer habe ich immer einen Fuß in der Tür der akademischen Welt behalten, weil ich seit 2008 mit der Copenhagen Business School affiliiert bin.  #00:03:37-4#

Ich glaube, man hört bereits heraus, dass ich immer sehr viele verschiedene Sachen parallel gemacht habe. Zum Beispiel habe ich während des Inhouse Consultings an zwölf Projekten in drei Jahren gearbeitet und war gleichzeitig in der akademischen Welt aktiv. Die Möglichkeit, das zu tun, konnte ich mir nur mithilfe eines sehr durchdachten Zeit- und Selbstmanagements schaffen. Ich bin also primär eine Anwenderin der Prinzipien und Tools des Selbst- und Zeitmanagements. Das ist beruflich sehr wichtig für mich gewesen, und jetzt mit einem kleinen Baby ist das Thema wichtiger denn je, um den Überblick zu behalten. #00:04:17-1#

Thomas: Das glaube ich sofort. Es hört sich so an, als hättest du nicht allzu viel Freizeit gehabt. Kann man das so sagen? #00:04:27-5#

Lydia: Ja, das kann man sagen. #00:04:29-8#

Thomas: An wen richten sich die Tipps, die du in diesem Interview geben wirst? #00:04:34-0#

Lydia: Die richten sich ganz besonders an junge Eltern beziehungsweise solche in spe, bei denen das Thema bald vor der Tür steht. Mütter und Väter können gleichermaßen profitieren, entweder, weil sie selbst etwas davon anwenden oder weil sie ihrem Partner etwas davon zukommen lassen. Das geht in beide Richtungen. Ein kleiner Punkt nur an der Stelle, weil das Thema „Eltern sein“ doch ein sehr persönliches ist. Ich gebe heute wieder, was ich in den letzten Monaten für mich herausgefunden habe, auch in dem Kontext, dass ich mich bereits seit Jahren mit Zeitmanagement beschäftigt habe. Aber jeder muss für sich selbst herausfinden, womit er oder sie sich wohlfühlt. Meine Erfahrungen sind keine Rezepte, die man befolgen soll, sondern manche passen, und andere nicht. Jeder sollte schauen, was für ihn zutrifft. #00:05:30-9#

Thomas: So sehe ich das auch. Es ist wie ein Selbstbedienungsladen, herausnehmen, ausprobieren, zurücklegen und etwas Neues nehmen. Lass uns einsteigen in die Zeit, bevor du das Baby bekommen hast. Wie sah dein Zeit- und Selbstmanagement aus? Für uns ist es interessant, zu erfahren, wie sich dein Leben verändert hat. #00:05:49-9#

Lydia: Wenn ich an die Zeit zurückdenke, dann war ich sehr strukturiert. Ich habe im Dezember eine Meilenstein-Planung auf das Jahr gemacht, um zu schauen, welche Deadlines es im kommenden Jahr gibt. Ich muss verschiedenen Forschungsthemen im Blick behalten, welche Einreichungen gibt es bei Konferenzen, und welche Meilensteine haben die dortigen Projekte? Das gilt auch für meine Vorlesungen. Das habe ich alles mit großem Vorlauf geplant, und zwar auch auf der Basis meiner Werte. Das ist etwas, was ich aus deinem Podcast mitgenommen habe. Das Blatt mit meinen Werten habe ich immer an meinem Kalender. Dann habe ich samstags auch immer eine wöchentliche Planung gemacht, was immer sehr gut für mich funktioniert hat. Zusätzlich habe ich eine Übersicht in der App „Todoist“ erstellt, die in deinen Podcasts auch schon oft zur Sprache kam. Trotzdem habe ich immer noch ein A5-Blöckchen auf meinem Schreibtisch liegen, das schaue ich auch gerade an. Dort schreibe ich meine Top-Prioritäten nochmal händisch auf. Und wenn ich die schaffe, dann weiß ich, dass die Woche eine gute Woche war.  #00:07:14-1#

Seit drei Jahren habe ich die Pomodoro-Technik angewandt. Ich habe sowohl 25er- als auch 50-er-Einheiten gemacht, entweder mit fünf oder mit zehn Minuten Pause dazwischen. Das hatte ich mit „Fokus@will“ kombiniert, einem Dienstleister, der es ermöglicht, die Konzentration mit Musikkanälen fördern. Dort kann ich mir einen Timer mit 25 oder 50 Minuten einstellen. Er klingelt am Anfang und am Schluss, und dann weiß man, wann die Pausen anstehen. Als Ideensammlung nutze ich Evernote sowie einen wöchentlichen und monatlichen Review meiner Ziele. Dazu gehört auch ein Erfolgsjournal. Die Reviews mache ich in Excel, und da habe ich mir einen eigenen Reiter „Erfolgsjournal“ angelegt.  #00:08:22-6#

Das vielleicht zu der Zeit vor dem Baby. Vorbereitend zum Thema „Baby“ vielleicht noch einen Hinweis, mein Mann und ich hatten geschaut, dass wir uns beruflich so aufstellen, dass wir beide ein bisschen flexibler sind. Das war etwas, was wir schon vor Ankunft der kleinen Dame geregelt hatten. #00:08:44-5#

Thomas: Wunderbar. Was hat dich besonders überrascht? Was ist jetzt mit Baby vollkommen anders als vorher? Gibt es etwas, was jetzt absolut nicht mehr funktioniert oder Dinge, die einfach weiterlaufen? Was hat sich geändert? #00:08:58-7#

Lydia: Die größte Veränderung ist das Thema „Fremdbestimmung“. Ich hatte eine Kollegin, die mir das dankenswerterweise sehr nett, aber unverblümt beigebracht hat. Sie ist ein sehr strukturierter, planerischer Mensch, und sie hat diese Fremdbestimmung sehr gestört. Ich dachte, na ja, dann wird das eben so ähnlich wie in meinem Manager Job bei Bayer sein, dann habe ich eben von 07:00 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends Programm. Aber man ist eben noch viel, viel fremdbestimmter als das, und das hätte ich vorher nicht gedacht. Das hat mich wirklich umgehauen, dass man für das kleine Bündel, das man natürlich sehr liebt, vierundzwanzig Stunden pflegend tätig ist.  #00:09:51-1#

Thomas: Das glaube ich sehr gerne, und das ist sicherlich sehr mühsam. Gibt es irgendetwas, was du gerne vorher gewusst hättest in Bezug auf das Zeit- und Selbstmanagement? Wenn jemand gerade Mutter wird oder es noch nicht so weit ist, dass sie sich ein bisschen anders vorbereiten kann, als es dir möglich war? #00:10:04-8#

Lydia: Gerade, wenn man gewohnt ist, sich auf sich selbst zu verlassen, dann wird das Baby zu einer großen Umstellung, denn man ist sehr stark auf andere angewiesen. Das hatte ich vorher nicht im Blick. Klar, der Partner ist natürlich die erste Adresse, aber den hat man in der Regel nicht immer um sich herum. Man muss aktiv nach anderer Unterstützung suchen, und es wäre gut, wenn man diese Suche nach Hilfe rechtzeitig beginnt. Das hängt natürlich auch von der eigenen Situation ab. Bei uns sind die Großeltern weit weg und auch nicht mehr so jung. Das heißt, sie können uns nicht so gut unterstützen. Aber wenn man rüstige Eltern hat, dann sind die sicherlich eine sehr gute Adresse, und man sollte sich nicht zu sehr zurücknehmen, dass man sagt, „das schaffen wir schon alles alleine in den ersten drei Wochen“. Man sollte dankbar sein, wenn man jemanden hat, der einem zur Hand geht und der, ich sage das mal so ganz unverblümt, kocht und einkaufen geht. Das ist alles eine unschätzbare Unterstützung. Das sind Sachen, die einem vorher ganz alltäglich vorkommen, und plötzlich stellt sich die Frage, wer diese Aufgaben übernimmt. In den ersten Wochen sind Eltern so in Beschlag genommen, dass diese Aufgaben zusätzlicher Stress sind, den man durch die Hilfe von anderen vermeiden kann. #00:11:43-8#

Es gibt außerdem eine Organisation, die heißt „Welcome“. Das ist ein evangelisch geförderter Dienst, der gerne kommt und in solchen Situationen hilft. An solche Möglichkeiten denkt man eher selten. Vielleicht kann man sich auch bereits vor der Ankunft des Kindes Gedanken über eine potenzielle Unterstützung in Form einer Kinderfrau machen. Das muss man natürlich auch wollen, und das ist für viele ein schwieriges Thema. Wenn man jemand ist, der super im Berufsleben steht, dann ist die Idee gar nicht schlecht. Nicht, um das Kind abzugeben, das will ich nicht damit sagen, sondern um jemanden zu haben, der einem parallel zur Hand geht, damit man etwas besser planen kann. #00:12:37-2#

Thomas: Genau, das kann auf alle Fälle nicht schaden. Lydia, gibt es etwas, was bezüglich Zeit- und Selbstmanagement besser geworden ist, jetzt, wo das Baby auf der Welt ist? #00:12:45-3#

Lydia: Ich würde sagen, dass zwei Dinge besser geworden sind. Das erste ist die Priorisierung. Ich habe vorher gedacht, dass ich ganz gut im Priorisieren wäre, aber gerade, wenn man nur wenig Zeit zur Verfügung hat, betrachtet man seine To-do’s in einem ganz neuen Licht. Dann springen einem die A- und die B-Aufgaben gemäß Eisenhower-Matrix direkt ins Auge. Das ist dann auch der zweite Vorteil, diese Aufgaben bearbeitet man mit einer Art Laserfokus. Vielleicht hat man nur eine halbe Stunde zur Verfügung, weil das Baby gerade friedlich schläft, dann zack, zack, zack, werden die Sachen abgearbeitet. #00:13:33-1#

Thomas: Das Parkinson’sche Gesetz, dass sich Arbeit in dem Maße ausdehnt, wie Zeit für die Erledigung zur Verfügung steht. In die Gefahr kommt man dann nicht. #00:13:43-8#

Lydia: Absolut. Noch eine Erkenntnis dazu, was besser geworden ist: Man lebt mehr in der Gegenwart. Ich habe mich in den letzten anderthalb Jahren sehr damit beschäftigt. Es gibt ein gutes Buch, dass ich gerne empfehle, es heißt „The Time Paradox“ und ist von Philip Zimbardo und John Boyd. Philip Zimbardo, den kennt man vom Stanford-Prison-Experiment von 1971 in einem Gefängnis, wo es zwischen Wärtern und Gefangenen eskalierte. Wenn man ein Mensch ist, der sehr auf Zeit- und Selbstmanagement fokussiert ist, dann hat man oft die Tendenz, in der Zukunft zu leben. Man verzichtet oft auf etwas in der Gegenwart zugunsten der Zukunft. Und Kinder zwingen einen, auf positive Weise wieder in der Gegenwart zu leben und mit ihnen gemeinsam zu erleben, was gerade im Moment passiert. Das nur so als Nebenkommentar. Auf der Webseite gibt es auch einen kleinen 5-Minuten-Selbsttest, das kann ich dir alles für die Show Notes geben. Das Leben in der Gegenwart ist also auch etwas, was mit Baby besser geworden ist.  #00:14:47-3#

Thomas: Sehr spannend. Das werden wir natürlich alles verlinken, vielen Dank. Dann lass uns in die Zeit mit dem Baby springen, aber auch die Schwangerschaft mit betrachten. Wie hat sich das entwickelt, vom Start der Schwangerschaft bis jetzt, wo das Baby auf der Welt ist? #00:15:08-7#

Lydia: Ich hatte mir überlegt, welche Phasen man unterscheiden kann, die einen echten Einfluss haben. Zumindest bei uns, denn klar, ich spreche nur aus meiner eigenen Erfahrung. Das waren ungefähr fünf verschiedene Phasen. Die erste ist die Schwangerschaft. Ich möchte kurz darauf eingehen, welche Tipps es für die eigene Gesundheit gibt, das heißt die Gesundheit von Mutter, dem Baby und auch dem Vater. Den darf man nicht vergessen, das ist sehr wichtig. Es gibt auch Konstellationen, wo er vielleicht sogar die Primärperson ist. Diese drei sollten also grundsätzlich immer angesprochen werden. Dann geht es um Organisatorisches und Besorgungen. Was gab es dahingehend Sinnvolles bei uns? Und das Dritte sind immer die To-do’s und die Planung, also unser Kernthema. #00:16:01-5#

Kommen wir zur Schwangerschaft. Ich empfehle, gute Kurse zu buchen, denn das ist die richtige Zeit dafür. Auch wenn man denkt, man sei sehr beschäftigt und beruflich eingespannt. Es ist zwar keine Krankheit, schwanger zu sein, aber es ist eine große Belastung für den Körper. Das ist die physische Komponente. Und die psychische Komponente ist, dass die Schwangerschaft eine schöne Zeit ist. Man weiß nie, ob man sie noch einmal erleben wird, und deswegen ist es eine Zeit, die man genießen sollte. Mir hat Schwangeren-Yoga geholfen und auch die Wassergymnastik. Das sind Zeiten, die man sich einfach nimmt, und ich kann sagen, das war gut so. Man kann sich die Zeit, wenn das Kind da ist, im Voraus nicht gut vorstellen, und in dieser Zeit kann man seine eigenen Batterien noch einmal aufladen. Das ist sehr wichtig. #00:16:53-2#

Was Organisatorisches und Besorgungen angeht, gibt es im Internet sehr gute Checklisten. Das betrifft, was man in puncto Arbeitgeber beachten sollte, wenn man bekanntgibt, dass man ein Kind erwartet. Oder sogar mehrere Kinder, je nachdem, wie die Situation ist. Dann gibt es auch Checklisten für die spätere Phase, zum Beispiel, was alles in die Kliniktasche gehört. Wenn man das erste Mal Eltern wird, dann sind das alles sehr sinnvolle Tipps. Auch für die Erstausstattung gibt es gute Checklisten. Und natürlich kann man auch im Freundes- und Bekanntenkreis fragen. Das hat den Charme, dass man vielleicht noch das eine oder andere Second Hand abkaufen kann, weil die Sachen oft nicht abgenutzt sind. Mein Tipp, diese Sachen unbedingt vor der Geburt kaufen (lacht), das haben wir auch gemacht. Es ist gut, vier Wochen vor der Geburt alles parat zu haben. Sollte das Kind früher kommen, hat man dann alles fertig. Die Kliniktasche steht im Flur oder liegt im Kofferraum, und das Kinderzimmer oder die Schlafstätte ist so weit, dass es jederzeit losgehen könnte. Manche haben bereits ein komplettes Kinderzimmer hergerichtet, ein Nest, in dem zum Beispiel alles neu gestrichen ist. Da ist alles perfekt vorbereitet. Wir haben das Kinderzimmer jedoch erst später fertiggestellt.  #00:18:33-4#

Es gibt gute Bücher, die ich empfehlen kann, zum Beispiel „Babyjahre“ des Kinderarztes Remo Largo, ein Klassiker. Das Buch ist wissenschaftlich fundiert. Dann gibt es für das große Thema „Schlafen“, das alle Eltern sehr bewegt, das Buch „Schlaf gut, Baby!“ von Renz-Polster und Imlau. Dann habe ich noch zwei weitere Empfehlungen, nämlich „Oh je, ich wachse“. Der Name ist übrigens Programm! Das ist unter Eltern ein etwas kontroverses Buch, weil es bestimmte Vorgaben macht, wann was passieren sollte. Die Autoren sind Van de Rijt und Plooij. Ich finde dieses Buch nicht schlecht. Für uns passt es ganz gut, und es hilft, sich mental auf besonders schwierige Phasen vorzubereiten. (Lacht) Dann weiß man, wann es besonders heftig wird. Dazu gibt es auch eine App, in der die Phasen sehr schön mit Gewitterwolken und Sonnenschein dargestellt sind. Für uns hat es gut funktioniert, aber es gibt andere Mütter, die das nicht so toll finden. Aber man kann es sich ja mal anschauen. #00:19:53-7#

Ich empfehle, die Bücher während der Schwangerschaft zu lesen, weil man da einfach noch mehr Zeit hat. Eine weitere Empfehlung ist das Buch „Baby-led weaning“, das Grundlagenbuch von Rapley und Murkett. Da geht es um das Thema „Beikost“, und zwar mit einem etwas modernerem Ansatz als nur mit Brei. Ich sage nichts gegen Brei, aber hier geht die Theorie davon aus, dass das Kind selbst lernt, zu essen.  #00:20:24-7#

Soweit man kann, sollte man also alles vorher organisieren, alle Hilfe, die man kriegen kann. Schwiegermutter, Mutter, Schwester, Freundin, Tante und auch der nette Onkel oder der Bruder. Wenn der Mann am Anfang Elternzeit nehmen kann, dann ist das super und in den ersten Wochen sehr sinnvoll. Wir haben schon seit einigen Jahren eine Haushaltshilfe. Das ist ein Bereich, den wir outgesourced haben. Die ersten zwei, drei Wochen igelt man sich ziemlich ein, aber danach ist es sinnvoll, dass die Haushaltshilfe wiederkommt, um zu unterstützen.  #00:21:15-1#

Bezüglich Kinderfrau oder Babysitter, es schadet nicht, bereits im Vorfeld zu suchen. Wir haben nach drei Monaten mit Babysittern gestartet, die parallel zu mir einige Stunden in der Woche hier sind. Da gibt es auch eine gute Webseite, die mich positiv überrascht hat. Die heißt hallobabysitter.de, und dort kann man nach der Postleitzahl suchen. Man natürlich auch ein Gesuch eintragen, und das hat für uns sehr gut funktioniert.  #00:21:58-6#

Jetzt noch ein paar digitale Tipps für die Schwangerschaft, und dann sind wir durch diesen Bereich auch schon durch. Auf YouTube gibt es einige sehr gute Kanäle, zum Beispiel den Mami-Block. Die Autorin hat ganz großartige Ideen für Baby- und Kleinkinderspielzeug und wie man mit den Kindern umgeht. Dieser Kanal hat eine hohe Informationsdichte. Auch sehr nett für die verschiedenen Phasen der Schwangerschaft ist „Die kranke Schwester“ (lacht). Die Betreiberin war Krankenschwester, und deshalb hat sie ihren Kanal so genannt. Das ist auch sehr nett, denn sie von Woche zu Woche berichtet. Mir hat das gut gefallen, ihr regelmäßig zu folgen. Sie hat recherchiert und auch viele Tipps zusammengetragen. Das war auch ein sehr schöner Kanal.  #00:23:04-2#

Bei To-do’s und Planungen, das schwankt schon ein bisschen mit, Outsourcing und Arbeitsteilung möglichst frühzeitig zu organisieren. Es ist viel leichter, Dinge am Laufen zu halten, zum Beispiel, eine Haushaltshilfe vorher zu finden als mit der Suche erst loszulegen, wenn das Baby bereits da ist. Deswegen unbedingt solche Sachen während der Schwangerschaft aufsetzen und alles vorarbeiten, was möglich ist. Am besten auch den Antrag auf Elterngeld bereits ausfüllen und den Umschlag vorbereiten.  #00:23:34-5#

In der Schwangerschaft war es mir noch möglich, in der Wochenplanung zu arbeiten. Als das Baby da war, habe ich von Wochen- auf Monatsplanung umgeschaltet. Die Woche ist einfach zu kurz. Das ist ganz interessant. Das waren meine Tipps für die Schwangerschaft, wenn man dem großen Tag noch voller Erwartung entgegenblickt.  #00:24:08-6#

Thomas: Unheimlich, was dabei alles zu beachten ist. Man muss schon sehr gut vorbereitet sein.  #00:24:15-6#

Lydia: Dann kommt der große Tag. Das Neugeborene beschäftigt uns dann von der ersten bis zur vierten Woche, und das ist in der Tat eine sehr, sehr intensive Phase. Man denkt, dass ein Baby, das auf die Welt kommt, noch relativ unreif ist. Das menschliche Kind kommt eigentlich zu früh. Und diese ganzen drei Monate nach der Geburt sollte man als viertes Trimester sehen. Das Baby „reift noch nach“, und die ersten vier Wochen ist das noch ganz besonders ausgeprägt. Es gibt einiges zu beachten, wenn es darum geht, wie man sich fit hält. Wenn man als Mutter plant, das Kind zu stillen, dann muss man unbedingt alle zwei Stunden stillen, wenn das Kind da ist und sich nicht irritieren lassen, wenn im Krankenhaus gesagt wird, dass es reicht, alle drei bis vier Stunden zu stillen. Man kann das Kind nicht verwöhnen. Das ist auch ein ganz interessantes Thema. Ich habe dann auch viele Sachen darüber gelesen, weil man als Mutter oft gesagt bekommt, dass man das Kind nicht verwöhnen soll. #00:25:25-5#

„Verwöhnen ist, jemandem etwas abzunehmen, was er oder sie selbst könnte.“ Und bei so einem kleinen Leben ist das nicht der Fall. Es könnte sich selbst nicht ernähren. Es kann sich auch nicht bewegen. Da kann man eigentlich nicht „zu viel“ machen. Das ist jetzt meine Meinung, die ich mir gebildet habe, aber es funktioniert eben. #00:25:59-7#

Wenn man kann, sollte man gesunde Sachen auf Vorrat einkochen. Das haben wir vor der Geburt gemacht, allerdings nicht genug. Das heißt, wir haben erst einmal alle möglichen Lieferdienste in Anspruch genommen. Wenn das Kind alle ein, zwei Stunden trinkt, dann kommt man nicht mehr weg. Mein Mann hat sich um den Haushalt gekümmert und hat dann auch Besorgungen gemacht. Aber wenn man kann, dann sollte man vorher versuchen, sich Vorräte anzulegen. Es ist wichtig, eine gute erste Arbeitsteilung zu etablieren. Wer macht was wann? Damit meine ich die Arbeitsteilung zwischen den Partnern. Ich habe immer die Nachtschicht, das liegt daran, dass die Kleine gestillt wird. Wenn bei anderen Müttern, die ich kenne, das Kind aus irgendwelchen Gründen die Flasche bekommt, dann ist es natürlich leichter, den Partner mit einzubeziehen, insbesondere bei der Nachtschicht. Dann kann man die Arbeiten aufteilen und entscheiden, wer einkauft und wer die Wäsche macht. #00:27:15-4#

Im Leben vor dem Baby hat man die Dinge sehr stark unter Kontrolle, und auf einmal muss man sich viel mehr abstimmen, als das vorher der Fall war. Nicht nur, was das Baby und seine Bedürfnisse betrifft, sondern auch in Bezug auf den Partner und auf andere involvierte Personen. Das muss man alles viel mehr koordinieren, als es vorher der Fall war. #00:27:36-4#

Noch ein Tipp zum Thema „Schlaf“. Die Basis ist, dass man selbst in einer relativ guten körperlichen Verfassung ist. Und das ist ein großes Thema, denn die Neugeborenen haben keinen Tag-/Nacht-Rhythmus. Uns half es, ein- bis zweimal am Tag spazieren zu gehen, damit unsere Tochter den Lichteinfall hat. Dadurch begann sie langsam, sich zu orientieren. Das ist auch eine Maßnahme gegen den Jetlag, wenn man im Ausland ist, dass man an die Sonne soll. Und das hilft wohl auch den Kleinen. Das andere ist, dass man schaut, welche Lösung beim Schlafen zu einem passt. Ich habe das Buch „Schlaf gut, Baby!“ genannt. Früher dachte man, das Kind muss lernen, um 19:00 Uhr im Bett zu sein. Das ist der 50-er-Jahre Approach. Von der wissenschaftlichen Seite sagt man, alle Babys sind Steinzeitbabys, die wollen eigentlich in der Nähe von Mutter und Vater sein, und dann sind sie auch ruhig. Und das stimmt. Wenn sich das Baby mit Körpernähe am wohlsten fühlt, und das wird bei den meisten Kindern der Fall sein, dann kann man auch überlegen, ob man das Kind im Familienbett schlafen lässt. Das darf man aber nur machen, wenn die Mutter stillt und keiner mit irgendetwas benebelt ist. Man darf auch nicht zu schwer sein.  #00:29:14-6#

Der Schlaf ist ein essenzielles Thema, mit dem man gerne ein bisschen ausführlicher beschäftigen darf. Man sollte versuchen, sich von pauschalen Schlaftipps zu emanzipieren und schauen, was für einen selbst am besten passt. Es gibt ganz viele verschiedene Schulen, und ich mache zum Beispiel das „Attachment Parenting“. Das empfiehlt auch der Kinderarzt Remo Largo, nämlich dass man eine Bindung aufbaut und darüber später mit dem Kind anders umgehen kann. Ich sage mal ganz kurz, was das krasse Extrem ist. Wenn man das nicht kennt, ist es vielleicht ein bisschen komisch. Das Gegenüber ist das sogenannte „Ferbern“, nach seinem Erfinder benannt, dass man die Kinder einfach schreien lässt und sie so angeblich lernen, sich selbst zu beruhigen. Der neueste wissenschaftliche Ansatz dazu ist, dass sie nicht lernen, sich zu beruhigen, sondern sie lernen, dass sie still sein sollen. Das hat den evolutionären Hintergrund, dass sie keine Feinde auf sich aufmerksam gemacht haben, als sie im Busch lagen. Sie halten dann still. Aber eigentlich sind sie wach und gestresst. Das wäre für uns zum Beispiel keine Option. #00:30:34-9#

Ein wichtiges Thema in dieser Phase 1 bis 4 ist das Thema „Bauchweh“. Dazu gibt es auch viele gute Tipps, zum Beispiel die Bigaia Tropfen aus der Apotheke. Das sind probiotische Kulturen, die dem Kind helfen, auf einen guten Stand zu kommen. Ich bin keine Ärztin, also immer vorher mit dem Arzt oder der Hebamme konsultieren, aber für uns hat das super gut funktioniert. #00:31:11-2#

Für die Mama und den Papa unbedingt noch den Punkt, Rückbildungsgymnastik beziehungsweise Rückengymnastik zu machen, auch wenn es nur ein paar Minuten täglich sind. Die ersten sechs Wochen nach der Geburt sind für die Mutter ein ganz wichtiges Zeitfenster. Der Körper will sich regenerieren, und diese wenigen Minuten bringen mehr, als wenn man zwei Monate wartet und erst dann etwas Längeres angeht.  #00:31:45-4#

Man sollte unbedingt versuchen, ein Tragetuch oder ein anderes Tragesystem zu nutzen. Wir hatten ein Manduca Tragetuch und auch ein zwei Tragen, eine für meinen Mann und eine für mich. Manche Kinder scheinen das nicht zu mögen, aber viele tun es. Und das erleichtert einem, die Hände frei zu haben. Dieses System hat mir geholfen, mal wieder an den Computer zu kommen und an meinen Artikeln zu arbeiten, wenn das Kind schläft. Man muss dann ausprobieren, ob man einen normalen Stuhl oder den berühmten Pezzi Ball zum Sitzen nutzt. Das war bei uns oft der Fall. Ich empfinde das ganz beruhigend, weil ich weiß, das Kind schläft friedlich und sieht glücklich aus. Man selbst hat die Hände frei und kann in Ruhe arbeiten. Für uns war das eine sehr gute Lösung. Spätestens jetzt, wenn das Baby da ist, sollte man die Babyapotheke besorgen. Aber auch das könnte man theoretisch vorher machen.  #00:32:50-3#

To-do’s und Planung. Ein solch kleines Kind trinkt wirklich sehr lange, weil es noch keinen Zug hat. Ich habe das mit einer App getrackt, die ich später noch einmal erwähnen werde. Der längste Tag war, als ich neun Stunden gestillt habe. Da hat man so gesehen Zeit, das heißt, man könnte Podcasts hören und Videos auf YouTube schauen. Den Mami-Block zum Beispiel, den habe ich oft während der Stillzeit angeschaut. iPad auf den Tisch, und ich mit dem Kind gemütlich auf der Couch. In den ersten vier Wochen ist das Kind sehr viel mit Trinken beschäftigt, und da kann man viele Inhalte anhören und anschauen. #00:33:50-3#

Dann ein weiterer wichtiger Tipp. Man würde es vielleicht nicht glauben, aber ich muss es einfach mal so sagen, maximal sollte man einen Termin pro Tag ausmachen. Wenn es geht, am besten nur ein bis zwei Termine pro Woche in dieser Phase. Man hat keine Möglichkeit zu kontrollieren, wann was passiert. Und das stresst. Wenn ich zwei Termine an einem Tag hatte, dann war ich sofort gestresst, weil ich nicht wusste, wie es zwischen diesen beiden Terminen aussieht. Wird sich der erste verzögern, wird die Kleine zwischen den Terminen weiter trinken wollen? Man kann das unheimlich schwer einschätzen. Und man kann sich selbst sehr viel Druck aus dem Kalender nehmen, indem man die Zeit des Wochenbetts, also die ersten sechs Wochen, nur für das Baby reserviert. Und wenn man dann noch nebenbei etwas schafft, dann ist das großartig. Das ist das Mindset, das mir geholfen hat. #00:34:48-0#

Bei den Arbeitsthemen habe ich nur Prio 1, nämlich dringend und wichtig, also nur A-Aufgaben, und wenn davon etwas klappt, dann ist das super. Das muss man wirklich so sehen. Ganz wichtig ist auch der letzte Punkt, die Monatsplanung zu machen. Ich habe nur noch meine Top-Prios für den Monat stehen, und wenn dort am Ende des Monats 70 bis 80 Prozent grün sind, dann bin ich froh. Ich bin in Elternzeit, und ich mache die anderen Sachen nur, weil sie mich interessieren und weil mir die Arbeit Spaß macht. Aber das Kind hat natürlich Vorrang, und es hat viele Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. #00:35:32-0#

Noch zwei kleine Punkte aus dem Bereich To-do’s und Planung. Mir hat es geholfen, Baby-To-do’s in den Todoist einzupflegen. Das mag auch ein psychisches Thema sein. Das man zum Beispiel das Spazierengehen als Sport deklariert. Gerade, wenn man daran gewöhnt ist, mit dem Todoisten zu arbeiten, dann ist das praktisch. Ich hatte kurz überlegt, ob ich dieses Tool für die Elternzeit stilllegen soll, aber das habe ich dann doch nicht getan. Das hat sich als sehr gut erwiesen auch für Dinge, die man neu ausprobieren möchte. Zum Beispiel, wenn man mit dem Tragetuch noch nicht so sicher ist, dann kann man die Übung mit dem Tuch als To-do eintragen. Und dann hat man so etwas wie einen anderen Beruf, den man organisiert. (Lacht) Das klingt komisch, aber man erweitert seinen To-do-Horizont. #00:36:34-5#

Das Dritte ist die minimaleffektive Dosis, das ist der Schlüssel. Das gilt sowohl für die Baby-To-do’s als auch für die beruflichen Sachen. Es hat sich gelohnt, dass es mir trotz Baby möglich war, einige Artikel zu bearbeiten oder zumindest den Kuratoren eine Rückmeldung zu geben, um Dinge nicht aufzuhalten. Das ist auch etwas für deine Hörerinnen und Hörer, die motiviert sind und die sehr viele Sachen am Laufen haben. Ich bin zwar primär mit dem Baby beschäftigt, aber ich screene ein bisschen, was sonst noch passiert. Natürlich lasse ich mich davon nicht unter Druck setzen, aber ich sorge ping-pong-mäßig dafür, dass ich wenigstens meine Kommentare schnell zurückgebe, so dass die anderen weitermachen können. Das war für mich sehr wertvoll, und tatsächlich ist in dieser Zeit relativ viel passiert.  #00:37:41-5#

Thomas: Das hört sich auf alle Fälle so an.  #00:37:45-6#

Lydia: Das wars zum Thema „Neugeborenes“, und wir haben die ersten vier Wochen hinter uns gebracht. Damit hat man schon sehr viel geschafft. Das Kind wird stabiler, und man kann schon ein bisschen mehr mit ihm machen. Gesundheitstechnisch möchte ich gerne noch einmal betonen, dass man die gute Arbeitsteilung, die man in den ersten vier Wochen etabliert hat, weiter verfeinern sollte. Jetzt hat man Erfahrung gesammelt und weiß, wer was besonders effizient macht und was gut klappt zwischen den Partnern. Man sollte auch darüber reden, wie lange das jetzt noch so geht. Gerade, wenn Männer nach vier Wochen Elternzeit in den Beruf zurückgehen, dann sollte man klären, wie es abends oder am Wochenende ablaufen soll.  #00:38:47-7#

Beim Thema „Stillen“ als Tipp, sich zu überlegen, ob man Milch abpumpt, weil es die Flexibilität und die Mobilität der Mutter stark erhöht. Ich hatte gerade erwähnt, dass ich bis zu neun Stunden pro Tag mit Stillen zugebracht habe, und ich hatte teilweise das Gefühl, die Couch und ich, wir sind eins. (Lacht) Man ist sehr immobilisiert. Natürlich ist das mit dem Baby alles sehr schön, ich möchte mich nicht beschweren. Aber wenn man einen Termin hat, weil man vielleicht zur Physiotherapie möchte, weil man Rückenschmerzen hat, dann ist das Kind ausgeliefert, wenn es beim Vater bleibt. Wenn es Hunger hat, dann ist zu Hause Halligalli. Deswegen ist es ein großes Freiheitsgefühl, wenn man mal weg kann, und das wird möglich, wenn man Milch abpumpt und hinterlässt, so dass der Vater mit der Flasche füttern kann. Andere, die von Anfang an mit Flaschennahrung füttern, haben es dahingehend leichter. Diese Nahrung ist heutzutage auch sehr hochwertig. Die Mütter sind dann deutlich flexibler. #00:40:10-9#

Beim Organisatorischen kann ich nur noch einmal das Buch „Oh je, ich wachse!“ und auch die dazugehörige App empfehlen. Einer der ersten Wachstumsschübe kommt in dieser Zeit, und mit diesem Buch ist man ein bisschen darauf vorbereitet, dass es jetzt nochmal richtig schwierig wird. Nach vier Wochen hat man das Gefühl, es sei alles mehr oder weniger eingespielt, aber der Wachstumsschub reißt einen aus diesem eingespielten Rhythmus komplett wieder heraus. Ich fand es sehr gut zu wissen, wann ungefähr mich so etwas erwartete, weil ich dadurch besser planen konnte.  #00:40:51-5#

Das klingt jetzt alles so schlimm, aber es ist natürlich so, dass man nach dem Ende einer solchen Phase dadurch entschädigt wird, dass das Kind viel Neues kann. Das ist schwer für jemanden, der vorher keine Kinder hatte. Ich habe mir das auch nicht vorstellen können, aber wenn das Kind plötzlich greifen oder sich drehen kann, dann sind das echte Erfolgserlebnisse, als hätte man gerade selbst das Drehen noch einmal gelernt. (Lacht) #00:41:33-4#

Jetzt sind wir zwischen dem ersten und dem dritten Monat, und in dieser Phase fallen auch die Spaziergänge leichter. Beim Spazierengehen höre ich zum Beispiel sehr gerne deine Podcasts. Weiterhin gilt, maximal einen Termin pro Tag auszumachen, drei bis vier pro Woche. A-Aufgaben hatten weiterhin Prio 1, aber wenn Zeit geblieben ist, habe ich auch wieder damit angefangen, an B-Aufgaben zu arbeiten, also „wichtig, aber nicht dringend“. Wichtig ist, dass man sich nicht grämt, wenn irgendetwas noch nicht so in dem Zeitrahmen klappt, wie man es gerne hätte, zum Beispiel in der Monatsplanung. Man sollte sich hingegen freuen, wenn etwas grün wird. #00:42:26-7#

Thomas: Das Positive sehen.  #00:42:28-0#

Lydia: Das Positive sehen. Ganz genau. Das sind die ersten drei Monate. Ich hatte vorhin erwähnt, dass diese Phase als das so genannte „vierte Trimester“ bezeichnet wird. Man sagt, danach ist das Baby eigentlich „ein fertiges Baby“. Das klingt komisch, aber ist so gemeint. Ich persönlich kann bestätigen, dass wir ab vier Monaten ein anderes Baby hatten. Das Bauchweh wurde viel weniger, der Schlafrhythmus wurde besser. Sie trank immer noch alle zwei Stunden, aber sie schlief besser ein. Plötzlich konnte man auch immer mehr mit ihr machen. Ab dieser Phase finden es auch Väter schön, dass man jetzt immer mehr mit dem Kind spielen kann. Man merkt, dass die Reaktionen immer differenzierter werden. Deswegen ein Tipp, was man für das Wohlergehen der ganzen Familie machen kann: Unbedingt rausgehen und mit anderen Müttern treffen. #00:43:46-6#

Das erwähne ich erst jetzt, weil das bei uns problematisch war mit den Bauchschmerzen. Das war einfach sehr belastend für alle. Andere Mütter sind auch mit einem drei Wochen alten Baby zu anderen Müttern gegangen. Das geht auch. Es ist sowohl für einen selbst angenehm, sich auszutauschen, aber auch für die Kinder ist es sehr gut. Die sind ab drei Monaten sehr daran interessiert, was um sie herum passiert. Wenn man ins Café geht, dann schaut das Kind gerne, welche Leute um es herum sind und was da so alles an den Wänden hängt. Das ist eine ganz andere Basis als in den ersten Wochen. Dann kann man auch Babykurse in Erwägung ziehen. Ich persönlich mache mit meiner Kleinen einen PEKip-Kurs, das ist das Prager-Eltern-Kind-Programm mit vielen Anregungen. Das ist sicher nicht schlecht für das Baby. Für mich ist das vor allem nett wegen des Kreises an Müttern, die man dort kennenlernt. Und auch die Kinder lernen sich kennen. Ich finde das unter dem Aspekt besonders nett. #00:44:47-8#

Ein Tipp noch in dem Kontext: Achtung, Flaschengewöhnung! Ich hatte vorher betont, wie schön es ist, wenn man als Mutter mal zwei, drei Stunden aus dem Haus gehen kann. Bei uns hatte sich das Kind plötzlich überlegt, „Flasche? Nein, nein, nein, die möchte ich nicht!“ Wir führen es darauf zurück, dass wir das sehr selten gemacht haben. Für diejenigen, die sich gerne eine kleine Freiheit etablieren möchten mein Tipp, ab und zu mal die Flasche zu benutzen, damit das Kind es nicht verlernt.  #00:45:24-2#

Drei Monate plus war für uns eine super Zeit, um mit dem Babysitten anzufangen. Wir haben mit einmal pro Woche drei Stunden begonnen, später sind wir dann auf zweimal pro Woche hochgegangen. Jetzt ist unsere Tochter schon sieben Monate alt, und da sind wir bei viermal in der Woche. Das ist für mich ein sehr gutes Arbeitsfenster. Es ist auch sehr einfach, Leute per Minijob anzumelden, das hätte ich gar nicht gedacht. Darüber kann ich nur Positives berichten.  #00:46:03-5#

To-do’s und Planung, jetzt wird die Liste immer kürzer, weil wir schon das meiste besprochen haben. Inzwischen sind wir schon bei fünf Terminen pro Woche. Das Wochenende halten wir uns weiterhin frei. Das ist unsere Maxime und funktioniert für uns sehr gut. Meine Arbeitsthemen sind inzwischen eine gute Mischung aus Prio 1 und Prio 2. Man sollte auch immer mal wieder überprüfen, was man outsourcen kann. Man wird auch kreativer, wenn man so in der Not ist. (Lacht) #00:46:37-1#

Thomas: Das glaube ich gerne. #00:46:37-1#

Lydia: Später hatte ich auch mal wieder Termine an der Hochschule, um mich mit Kollegen zu bestimmten Projekten zu unterhalten. Auch das Führen von Telefonaten wurde dann deutlich leichter. Das hat natürlich auch etwas mit den Babysittern zu tun, dass man Fenster hat, in denen man besser planen kann.  #00:47:06-8#

Dann sind wir schon bei der letzten Stufe, nämlich fünf Monate plus. Kurz vor unserem Podcast habe ich überlegt, ob es noch etwas ganz Neues gibt. Aber ich finde, auch mit sieben Monaten passt das immer noch sehr gut. Zum Thema „Familie“ gilt das bisher Gesagte, sich mit Müttern treffen, spazieren gehen und dergleichen. Bei To-do’s und Planung sieht es natürlich immer besser aus, je älter das Kind wird. Man kann auch das Reisen sehr realistisch in Erwägung ziehen. Es ist auch möglich, mit ganz kleinen Kindern zu reisen, das hängt wieder vom Baby selbst ab. Wenn man voll stillt, ist es sogar sinnvoll, während dieser Zeit Urlaub zu machen, weil man dann alles dabeihat. Man muss keine Fläschchen und kein Equipment einpacken. Ich erwähne das jetzt erst beim Alter von fünf Monaten plus, weil das Baby dann einfach viel neugieriger ist. Wenn es im Zug oder im Auto ist, dann guckt es sich um und findet es auch sehr spannend, wenn etwas Neues passiert. Das erleichtert das Reisen deutlich. #00:48:12-8#

Jetzt noch ein weiteres „aber Achtung!“ Je nachdem, wann das Kind seine Zähnchen bekommt, kommt wieder eine unruhigere Zeit auf die Eltern zu. Dafür gibt es auch viele tolle homöopathische Mittel, die erstaunlicherweise bei Babys sehr gut funktionieren. Das kann kein Placebo sein, und es hat mich umgehauen, dass das so gut hilft. Obwohl unser Baby Zähne bekommt und die „Oh je, ich wachse“-App zur Weihnachtszeit eine „Donnerwetter-Phase“ anzeigte, hat das super funktioniert. (Lacht) Und unbedingt mit anderen treffen! Gerade, wenn man ein sehr unruhiges Baby hat und dazu neigt, sich einzuigeln, sollte man Kontakte suchen. Das Baby wird selbst immer sozialer und findet das ganz toll, wenn es andere Babys, andere Mütter und andere Umgebungen kennenlernt. Davon haben alle Parteien etwas. #00:49:08-6#

Das war ein kleiner Abriss bis Stand heute, Januar 2019. #00:49:16-8#

Thomas: Die Reise durch die ersten Monate, sozusagen. Vielen Dank für den ausführlichen Plan, von dem sich jeder sehr viel mitnehmen kann. Du hast die Apps und Tools angesprochen, die du nutzt, zum Beispiel Evernote und den Todoist. Du hast uns auch schon einige Link-Tipps gegeben. Gibt es noch irgendwas, was du verwendest? #00:49:39-2#

Lydia: Da gibt es noch „Rescue Time“, das mir zeigt, wofür ich meine Zeit verwende. Das habe ich genutzt, bevor die Kleine da war. Für die Schwangerschaft gibt es eine sehr gute App, die „Schwangerschaft Plus“ heißt. Aus dem gleichen Hause gibt es eine App für die Babyzeit, die „Baby Plus“ heißt. Die sind beide aus dem gleichen Hause. Je nachdem, wie alt das Kind gerade ist, bekommt man sehr schöne Artikel und kann den eigenen Fortschritt während der Schwangerschaft verfolgen und erfährt, wie weit das Kind bereits entwickelt ist. „Oh je, ich wachse!“ heißt in den USA übrigens „Wonder Weeks“. (Lacht) #00:50:44-6#

Thomas: Kreatives Marketing à la USA! Lydia, wenn sich jemand mit dir vernetzen möchte, wo im Netz kann er oder sie mehr über dich erfahren beziehungsweise vielleicht sogar mit dir in Kontakt treten? #00:51:04-4#

Lydia: Man findet mich und meine E-Mail-Adresse auf der Webseite der Webseite der Hochschule Mainz. Für berufliche Themen bin ich auch auf XING und LinkedIn zu erreichen. #00:51:18-5#

Thomas: Das werden wir natürlich auch alles in den Show Notes verlinken. Lydia, vielen lieben Dank, das war wirklich sensationell. Vielleicht schaffen wir es in einem halben Jahr oder Jahr, die restlichen Schritte durchzugehen. Mal schauen, was noch auf dich zukommt. Das wäre für meine Hörerinnen und Hörer sehr spannend, denn in deinen Erzählungen war sehr viel Wertvolles drin. Ich denke, das könnten wir durchaus fortsetzen, wenn du magst.  #00:51:40-3#

Lydia: Sehr gerne. Wenn ich nur einer Mutter oder einem Vater ein bisschen helfen konnte, dann freut es mich sehr. Ich wünsche allen jungen Eltern beziehungsweise Eltern in spe da draußen alles Gute auf der spannenden Reise, denn die Kinder sind nur ein einziges Mal so klein. Die Effizienz mit Kindern ist bei mir jetzt nicht mehr Prio 1, und ich finde es gut, mich immer wieder daran zu erinnern, dass mein Alltag die Kindheit meiner Tochter ist. Macht gemeinsam etwas Schönes daraus. #00:52:12-4#

Thomas: Das ist ein super Schlusswort. Vielen Dank für das tolle Gespräch, Lydia.  #00:52:15-9#

Lydia: Sehr gerne. #00:52:16-5#

Ich denke, ich habe im Intro nicht zu viel versprochen. Da war wirklich geballtes Wissen drin. Wenn du dir die ganzen Buchtipps, Links und was Lydia noch so alles erzählt hat, holen willst, dann wechsle jetzt einfach auf selbst-management.biz/282.  #00:52:44-3#

Das solls auch schon wieder gewesen sein für heute. Vielen Dank fürs Zuhören, machs gut und genieße deinen Tag. #00:52:51-5#

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für dein Selbstmanagement. Damit du endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast. #00:53:10-5#

 

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Viele Menschen, vielleicht ja auch du, empfinden die Weihnachtszeit als besonders stressig und mühsam. Ich finde das gar nicht, denn ich habe einen klaren Plan, wann ich was erledige.

Diesen Plan habe ich nun ein wenig ergänzt und in eine Checkliste gegossen. Eine Checkliste mit der du sicherstellst, dass die Weihnachtszeit für dich diesmal weder stressig noch mühsam wird und dass du sie in vollen Zügen genießen kannst. Und als kleinen Bonus findest du noch ein paar coole Ideen für Weihnachtsdekos auf der Liste.

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