Wie du als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meisterst – ein Interview mit Gerald Moser

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Gerade für Unternehmer, Selbstständige und Freelancer kann das Leben oftmals sehr ungemütlich werden, vor allem in der volatilen und unberechenbaren Welt in der wir gerade leben. Viele werden in Krisen an den Rand der Existenz gedrückt und müssen um den Fortbestand ihres Unternehmens fürchten. Gerald erzählt im Interview über die Hauptgründe, warum ein Unternehmen heutzutage ins Wanken kommt, wie man es schafft sich weiterzuentwickeln und wie man diesen Krisen robust gegenüberstehen kann. Pflichtprogramm für Unternehmer und Selbstständige, aber auch als Privatperson wirst du von den Antworten Geralds profitieren.


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Vortrag quer: FotoCrafie | Christine Rechberger

Transkript des Interviews

Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für ein besseres Selbstmanagement. Das Ziel: Mehr Zeit für dich und für die wirklich wichtigen Dinge in deinem Leben. Weil deine Zeit wertvoll ist!   #00:00:25-7#

Hallo und herzlich willkommen in dieser Podcastfolge. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich sehr, dass du wieder mit dabei bist. Mein heutiger Interviewpartner ist Unternehmer-Entwickler Gerald Moser. Wir sprechen nicht nur über viele spannende Themen, sondern auch über sein Buch „Robust! Wie Sie als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meistern“. Gerald erklärt in seinem Buch, wie Unternehmerinnen und Unternehmer Werte, Stärken und Ziele finden und wie sie sich weiterentwickeln können. Wir unterhalten uns über fokussiertes Arbeiten und zeigen euch, wie man als Unternehmerin oder Unternehmer Entscheidungen schnell, einfach und effizient treffen kann.  #00:01:22-2#

Dieser Podcast ist sehr umfassend und bietet besonders Selbständigen und Personenunternehmen wertvollen Inhalt, den man auch im Alltagsleben gut gebrauchen kann. Jetzt kommt zunächst der Werbepartner dieser Podcastfolge, und dann legen wir gleich los mit dem Interview mit Gerald Moser.  #00:01:55-5#

Letztes Jahr war der coole Adventkalender von Braineffect super schnell ausverkauft. Damit das dieses Jahr nicht wieder passiert, hat Braineffect die Auflage verdoppelt und beginnt bereits im September mit dem Verkauf. Damit ist sichergestellt, dass sich im Dezember jeder, der möchte, täglich auf eine attraktive Überraschung aus einer Auswahl von Braineffect Bestseller-Produkten freuen kann. Das super Coole ist, dass der Kalender nicht nur bereits bestehende Produkte aus dem Shop enthält, sondern auch exklusive Neuheiten, die es nur im Adventkalender geben wird.  #00:02:36-5#

Der Kalender von Braineffect wird dich mit einem guten Gefühl und einem glücklichen Mind durch den Winter bringen und dir den bestmöglichen Start ins Jahr 2022 bescheren. Wir alle wissen, wie der letzte Winter an unseren Nerven gezehrt hat, und ich glaube, ich brauche das Schlagwort „Corona“ nicht zu erwähnen. Dieses Jahr muss und wird es besser werden, so viel ist klar. Ganz nebenbei bemerkt: Der Adventkalender sieht auch super aus. Er ist in Schwarz-Weiß oder in weihnachtlichem Grün erhältlich und erhält 25 Produkte, darunter 7 Neuheiten, 2 Bio-zertifizierte Snacks, ein Gewinnspiel sowie mehrere Gutscheine. Mit diesem schönen Kalender kannst du dir Produkte im Wert von über 150,- Euro sichern.  #00:03:19-9#

Ich habe mir bereits mehrere Exemplare gesichert, die ich auch an Familie und Freunde verschenken werde. Der diesjährige Kauf der Adventkalender ist demnach für mich erledigt und bereits von der To-do-Liste gestrichen. Ich warte nur noch auf die Lieferung und freue mich schon darauf, die Adventkalender zu verteilen.  #00:03:37-2#

Mit dem Code THOMAS15 erhältst du einen Rabatt von 15 Prozent auf alle Produkte von Braineffect, sowohl auf Einzelprodukte als auch auf die Bundles. Natürlich gilt dieser Code auch für den Adventkalender. Alle Links findest du in den Show Notes dieser Podcastfolge.  #00:03:57-2#

Thomas: Hallo Gerald, es freut mich sehr, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich habe im Intro schon erzählt, worum es heute geht. Bevor wir durchstarten, sei doch so lieb und stell dich unseren Hörerinnen und Hörern vor. Wer bist du, und was genau machst du?  #00:04:14-7#

Gerald: Herzlichen Dank für die Einladung, lieber Thomas. Es freut mich sehr, dass wir heute zusammen plaudern können. Ich bin in einem gutbürgerlichen Haushalt aufgewachsen. Obwohl mein Vater die Position des Geschäftsführers eines Unternehmens inne hatte, war Unternehmertum bei uns kein Thema, ganz im Gegenteil. Meine Eltern setzten immer auf Sicherheit. Ich habe studiert und bin danach, wie es von mir erwartet wurde, in einem großen Konzern eingestiegen. Dort habe ich eine klassische Karriere begonnen. Ziemlich schnell habe ich jedoch gemerkt, dass diese Art des Arbeitslebens nicht das Richtige für mich ist.   #00:04:59-6#

Nach dreieinhalb Jahren bin ich in ein mittelständisches Unternehmen gewechselt. Das hat super funktioniert, aber einige Zeit später wurde diese Firma von einem großen internationalen Konzern übernommen, so dass ich wieder dort war, wo ich nicht hin wollte. Schließlich hat sich die Gelegenheit ergeben, einen Geschäftsbereich des Unternehmens zu kaufen, und ich habe zugeschlagen und einen Management-Buy-Out gemacht. Dieser Geschäftsbereich hatte damals 50 Mitarbeiter. Für diesen Deal hat es zwei Unterschriften gebraucht, eine unter dem Kaufvertrag und die andere auf der Überweisung. Plötzlich war ich Unternehmer, und zwar ohne Vorbildung und genetischer Prädisposition! #00:05:42-8#

Das war im Jahr 2002, und das Unternehmen hat sich sehr gut entwickelt. Wir waren die Lieblinge der Banken und Investoren. Die Projekte sind immer größer geworden, und irgendwann haben wir uns in eine Aufgabe hineingewagt, die sich als zu groß herausgestellt hat. Daran haben wir uns verschluckt, und 2014 habe ich die Firma in Konkurs schicken müssen. In Österreich ist ein Konkurs nicht gerade förderlich für die Karriere. Obwohl mich niemand anstellen wollte, gab es doch Menschen in meinem Umfeld, die meine Hilfe gut in ihren Unternehmen gebrauchen konnten. So bin ich ins Beratungsgeschäft hineingerutscht.  #00:06:52-6#

Ich kokettiere immer damit, dass ich das, was ich jetzt mache, nicht freiwillig tue. Aber das stimmt natürlich nicht. Heute begleite ich Eigentümer von kleinen und mittleren Unternehmen, und zwar als Berater, als Coach, Trainer, Sparringspartner und Mentor.  #00:07:17-3#

Thomas: Das ist eine spannende Vita. Im Gegensatz zu Österreich bist du in Amerika ein Niemand, wenn du nicht mindestens zweimal in Konkurs gegangen bist.   #00:07:25-2#

Gerald: Genau so ist es. Die halbe Voraussetzung könnte ich in Amerika bereits vorweisen.  #00:07:28-5#

Thomas: (Lacht) Diese Einstellung ist spannend, und sie wird sich sicher auch bei uns noch ändern. Was sind die Gründe, warum Unternehmen ins Wanken kommen? Kann man das zusammenfassen, oder sind die Ursachen zu vielschichtig?  #00:07:51-5#

Gerald: Die Gründe sind sehr vielschichtig. Wir sprechen hier über Unternehmen, die zwischen einem und 50 Mitarbeitern beschäftigen sowie über Solopreneure, die unternehmerisch tätig sein wollen. Ich habe diese Gründe in drei Themencluster zusammengefasst. Das erste Cluster ist das Umfeld, in dem wir leben. Die Welt ist unberechenbarer geworden, und es gibt keine Branche mehr, die einen selbst laufenden Erfolg garantiert. Zwar gibt es Bereiche, in denen ich mich ziemlich dumm anstellen muss, um sie in den Sand zu setzen, aber wenn ich nicht Fußpfleger, Masseur oder Installateur bin, dann muss ich mich schon anstrengen.  #00:08:52-8#

Egal, ob man mit überzeugten Kapitalisten spricht oder mit Menschen, die auf der systemischen Schiene unterwegs sind, jeder hält es für wichtig, dass es Firmen gibt, die aus dem System verschwinden. Dem kann ich durchaus etwas abgewinnen. Die Frage ist nur, wie das geschehen soll und ob es ausgerechnet dein Unternehmen sein muss oder lieber das eines Anderen.  #00:09:38-9#

Die zweite Herausforderung ist die Komplexität der Aufgabe eines Unternehmers oder eines EPUs, also eines Ein-Personen-Unternehmens. Wir dürfen nicht vergessen, dass Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern in aller Regel in einer Struktur arbeiten, in der Aufgaben und Verantwortungen aufgeteilt werden können. Dort sitzen Spezialisten in den einzelnen Bereichen, die sich gut auskennen. In einem kleinen Unternehmen bist du für alles selbst verantwortlich und musst alle Themen abdecken können. Das ist eine Komplexität, die oft unterschätzt wird, vor allem von Außenstehenden.  #00:10:41-4#

Auch für mich war es eine große Umstellung, als technische Probleme auftauchten und ich keine interne IT-Abteilung mehr zur Verfügung hatte, die ich um Hilfe bitten konnte. Da habe ich mich ganz schön umgeschaut! Das gleiche galt für die fehlende Rechtsabteilung. Mit diesen Themen bist du sicher auch konfrontiert, Thomas.  #00:11:05-5#

Thomas: Ja, das ist richtig.  #00:11:05-3#

Gerald: Der dritte Bereich ist die Unternehmerin oder der Unternehmer selbst. Manchmal steht man sich selbst im Weg, denn das Gehirn spielt uns immer wieder gerne gemeine Streiche. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass jeder von uns in einer Blase lebt. Wir nehmen oft nur Dinge wahr, die wir bereits kennen und übersehen das Neue. Wenn wir diese Tatsache erkennen, dann können wir gezielt gegensteuern.   #00:12:03-8#

Thomas: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin froh, dass ich mir mit Hilfe von Freelancern ein breites Umfeld schaffen konnte.  #00:12:12-5#

Gerald: Ich kann mich noch daran erinnern, als du deinen ersten Assistenten angestellt hast.  #00:12:20-1#

Thomas: Das war ein Prozess, den ich durchwandern musste und der nicht immer einfach war. Wir beide kennen uns aus einer Meet-up Gruppe und begeistern uns beide für Fortbildung und Weiterentwicklung. Aus meinen eigenen Seminaren weiß ich, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer das Thema Weiterentwicklung nicht sehr präsent haben, weil es viel Arbeit macht. Wie schafft man es, das eigene Unternehmen weiterzuentwickeln, und was muss man dabei beachten?  #00:13:02-3#

Gerald: Ich kann alles unterschreiben, was du gerade erwähnt hast, mit dicken Unterstrichen und vier Wurfzeichen hintendran. In meinem Buch schreibe ich, dass die dauerhaft erfolgreichen Unternehmen nicht die mit der dicksten Geldbörse sind, denn die kann sehr schnell sehr dünn werden, sondern dass die langfristig Erfolgreichen diejenigen sind, die am schnellsten lernen und mitbekommen, was sich in ihrem Umfeld ändert und wo sich Entwicklungsbedarf ergibt. Es gibt eine neue Studie des Wirtschaftsministeriums, die untersucht hat, wer gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Eines der Ergebnisse war, dass es diejenigen leichter hatten, die sich auf die eigene Weiterbildung konzentriert haben. Es ist spannend, dies auch von offizieller Seite zu hören.  #00:14:21-7#

Es geht um das Lernen. So einfach ist es. Der erste Schritt, um ins Lernen zu kommen, ist das Verändern der eigenen Wahrnehmung. Stell dir vor, du sitzt zur Rush Hour in deinem Auto. Du bist eingekeilt zwischen anderen Autos, vor dir, hinter dir und neben dir nichts als Autos. Du nimmst die vielen Fahrzeuge wahr, aber du hängst gedanklich noch in der letzten Besprechung oder überlegst, wie du den Abend mit der Familie verbringen wirst und was du noch einkaufen musst.  #00:15:16-8#

Irgendwann beschließt du, dass du ein neues Auto kaufen wirst und fängst an, zu recherchieren. Du fokussierst dich auf zwei Modelle, mit denen du dich näher beschäftigst, und siehe da, im nächsten Stau sieht du plötzlich vor dir, hinter dir und neben dir genau diese beiden Modelle. Die Autos waren schon immer da, du hast sie lediglich nicht bemerkt, weil du dich nicht mit ihnen beschäftigt hast, bevor du über den Kauf eines neuen Autos nachgedacht hast. Das ist der erste Schritt: Das Lernen beginnt damit, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen. Und dazu brauchst du einen gewissen Freiraum.  #00:16:15-6#

Wenn man im Alltag ein Getriebener ist, dann muss man sich diesen Freiraum schaffen. Und das ist die große Herausforderung. Hier kommst du, Thomas, mit deinen Ansätzen ins Spiel und mit den Methoden, die Menschen helfen, sich Freiräume zu schaffen.  #00:16:31-3#

Thomas: Mir ging es ähnlich. Bevor ich den Einberufungsbescheid ins österreichische Bundesheer erhielt, sind mir die Bundesheerfahrzeuge auf den Straßen nicht aufgefallen, und plötzlich sah ich sie an jeder Ecke. Es waren plötzlich so viele, dass ich dachte, wir seien im Krieg!  #00:16:48-9#

Gerald: (Lacht)  #00:16:54-5#

Thomas: Zu diesem spannenden Thema habe ich eine Podcastfolge aufgenommen. Du findest sie unter der Nummer 393. Dabei geht es um das retikuläre Aktivierungssystem. Auch Stärke, Werte und Ziele sind in diesem Bereich wichtig. Welche Rolle spielen diese Eigenschaften bei Unternehmerinnen und Unternehmern?  #00:17:19-3#

Gerald: Sie spielen natürlich eine zentrale Rolle. Gerade, wenn es darum geht, sich Freiräume zu schaffen, sind diese Eigenschaften sehr wichtig. Schauen wir uns die Stärken an. Natürlich können wir alles lernen, und wir sollen und müssen viel lernen. Fakt ist, dass uns aufgrund unserer Tätigkeiten nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung steht. Es ergibt deshalb Sinn, mit den eigenen Stärken zu beginnen. Jeder wird dir sagen, dass es wichtig ist, Stärken auszubauen, aber niemand macht es. Es beginnt damit, dass viele ihre Stärken nicht kennen.  #00:18:36-2#

Stell dir vor, zwanzig Leute sitzen in einem Seminar, und du fragst, wer sich traut, aufzustehen und in drei zusammenhängenden Sätzen die eigenen drei Stärken zu benennen, gefolgt von einer Erklärung, wie sie diese Stärken erfolgreich im eigenen Unternehmen umsetzen. Meistens vernimmt man dann ein ausgedehntes Schweigen. Das hat nichts mit Unfähigkeit zu tun, sondern damit, dass wir in einer defizitär orientierten Welt aufgewachsen sind. Wir haben eine boomende Nachhilfeindustrie für unsere Schüler, aber es gibt niemanden, der den Kindern hilft, ihre Stärken zu entdecken und zu entwickeln. Es sei denn, sie haben zufällig einen engagierten Lehrer, besonders aufmerksame Eltern oder Trainer im Sportverein. Die Beschäftigung mit den eigenen Stärken ist ein zentrales Thema. #00:19:42-8#

Das Nächste sind die Ziele. „Ich weiß zwar nicht, wohin, aber dafür bin ich schneller dort.“ Es ist nicht so, dass wir als Unternehmer keine Ziele hätten, aber wenn wir im Alltag gefangen sind, dann gehen unsere Ziele im Laufe der Zeit verloren. Herauszufinden, welche Ziele tatsächlich zu mir und zu meinem Geschäft passen, das ist eine hoch komplexe Aufgabe. Oft übernehmen wir etwas, was dem Zeitgeist entspricht anstatt bewusst unsere Wünsche und Ziele wahrzunehmen. Erst in einer Krise stoßen wir darauf.  #00:20:57-7#

Dasselbe gilt für unsere Werte. Wenn unsere Pläne und Vorhaben nicht zu unseren innersten Einstellungen passen, dann können wir nicht dauerhaft glücklich werden. Insofern ist es ein zentrales Thema, dass ich mich mit diesen drei Bereichen beschäftige, weil ich sonst keine Orientierungspunkte habe.  #00:21:31-9#

Thomas: Das kann ich bestätigen. Angestellte agieren oft fokussierter als Unternehmern, weil sie klare Vorgaben und Aufgaben umsetzen. Wie schafft man es, sich auf das wirklich Wichtige zu fokussieren und die Nebenschauplätze zu eliminieren oder zumindest zu delegieren?  #00:22:12-2#

Gerald: Dass die Aufgabenlast enorm ist, haben wir bereits festgestellt. Wir neigen dazu, uns auf die Nebenfronten zu begeben, weil das oft viel einfacher ist. Irgendwann kommen wir an den Punkt, wo wir eine Entscheidung darüber treffen müssen, was wir weglassen können. Wenn ich mir nicht im Klaren über meine Stärken, Ziele und Werte bin, dann fehlen mir wichtige Entscheidungskriterien. Ein großes Thema sind die unterschiedlichen Rollen, die wir als Unternehmer einnehmen müssen. Zum einen gibt es die Rolle des Sachbearbeiters. Dazu gehören alle Aufgaben, die zu erledigen sind, damit das Geschäft am Laufen bleibt. Dazu gehören zum Beispiel die Verkaufsgespräche, Angebotserstellung und die Verwaltung.  #00:23:22-9#

Dann gibt es die zweite wichtige Rolle des Managers. Ich beginne, meine Abläufe derart zu organisieren, dass sie wiederholbar sind und ich nicht jedes Mal wieder von vorne anfangen muss. Ich beauftrage Dienstleister und delegiere Aufgaben, die ich selbst nicht gut kann oder für die ich keine Zeit habe. Das sind typische Management-Aufgaben.  #00:23:51-8#

Die dritte Rolle ist die Funktion des Unternehmers. Du beginnst dich zu fragen, wer deine Kunden sein sollen und was du machen musst, um sie zu erreichen. Welche Kostenstrukturen benötigst du, und welche Dienstleister und Mitarbeiter musst du engagieren? In welche Richtung geht das Geschäftsmodell? Das sind die Fragen, die sich der Unternehmer stellt. Die Verzettelung, über die wir reden, resultiert oft daraus, dass wir zwischen diesen drei Rollen nicht unterscheiden können. Wir sehen einen großen Brei an Aufgaben. Der erste Schritt kann sein, Aufgaben loszuwerden. Dazu muss ich mir zunächst darüber klar werden, aus welcher Rolle heraus ich agiere.  #00:24:49-7#

Wenn ich ein kleines Unternehmen habe oder Solopreneur bin, dann muss ich immer wieder meinen Hut wechseln. Und je mehr Mitarbeiter ich habe, umso mehr kann ich diese Rollen aufteilen. Aber selbst, wenn ich zwischen diesen Aufgaben hin- und herspringe, sollte mir bewusst sein, aus welcher Rolle heraus ich agiere. Die meisten Kleinunternehmer haben das Problem, dass sie zu tief in die Rolle des Sachbearbeiters schlüpfen. Sie sind ihr bester Sachbearbeiter und in dieser Rolle gefangen. Ihre unternehmerische Tätigkeit führt nicht zu einer zufriedenstellenden Lebensqualität, weil sie nicht in Bewegung kommen.  #00:25:34-1#

Thomas: Auf diese Herausforderung stoße ich auch in meinen Coachings immer wieder. Für die Unternehmerrolle reicht dann meist nur noch die Zeit am Abend zwischen 20:00 und 20:15 Uhr.  #00:25:50-9#

Gerald: Genau, und diese wenigen Minuten reichen nicht aus. Die unternehmerischen Aufgaben sind die wichtigsten, und für sie benötigt man ausreichend Zeit. Sie müssen in unserem Kopf reifen und sich langsam entwickeln. Dazu ist es nötig, mit möglichst vielen verschiedenen Leuten zu sprechen und ein paar Nächte über neue Ideen zu schlafen. Nur so wird uns klar, in welche Richtung sich die Fragestellungen entwickeln. Wenn wir uns diesen Freiraum nicht schaffen, dann kommen wir nicht heraus aus der Rolle des Sachbearbeiters.   #00:26:24-3#

Thomas: Das nächste große Thema ist die Entscheidungsfindung. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen ständig Entscheidungen treffen. Das überfordert viele von uns. Hast du einen Tipp, wie man vom zögerlichen zum schnellen und sicheren Entscheider werden kann?  #00:26:56-9#

Gerald: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die Entscheidungen ständig vor sich herschieben und es nicht schaffen, in die Gänge kommen. Auf der anderen Seite gib es diejenigen, die sofort loslegen und erst nachher prüfen, ob die getroffene Entscheidung richtig oder falsch war. Beides ist wenig hilfreich. Gerade diejenigen, die sich mit Entscheidungen schwer tun, kommen in eine Zwickmühle. Sie wissen, dass sie funktionieren müssen, aber sie haben keine Ahnung, was in der jeweiligen Situation wirklich wichtig ist.  #00:27:56-9#

Wir treffen jeden Tag auf unterschiedliche Baustellen, die uns Entscheidungen abverlangen, aber unsere Energie und unsere mentale Kapazität reicht nicht für alle Herausforderungen aus. Mein erster Rat lautet deshalb: Wir sollten weniger machen. Das mag sich zunächst kontraproduktiv anhören. Meist ist das Gegenteil der Fall. Wir wollen immer mehr in unseren Tag hineinpacken, damit wir das Gefühl haben, produktiv zu sein. Tatsächlich ist es produktiver, wenige Dinge ordentlicher zu erledigen.  #00:28:50-9#

Es gibt unterschiedliche Ansätze, dieses Thema anzugehen, aber im Kern geht es immer um das Gleiche. Hier ist zum Beispiel die engpasskonzentrierte Vorgehensweise zu nennen, die sich darauf bezieht, die größte Schwachstelle zu identifizieren sowie die Lösung, um diese Schwachstelle zu beseitigen. Alle Systeme sind auf Wachstum ausgelegt, aber jede einzelne Methode stößt irgendwann auf einen Engpass, über den man hinwegkommen muss. Nehmen wir das Beispiel einer Pflanze. Sie benötigt Wasser, Stickstoff und Phosphor. Wenn der Phosphor nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden ist, dann nutzt es nichts, mehr Wasser zuzuführen. Alle benötigten Elemente müssen immer ausreichend vorhanden sein, damit der Gesamtkreislauf funktioniert. Wir Unternehmer haben die Aufgabe, den momentanen Engpass zu identifizieren.  #00:30:02-5#

Der zweite Ansatz stützt sich auf das radikale Pareto-Prinzip, das besagt, dass ich mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent meines Outputs erreiche. Ich kann mir eine Liste der Aufgaben machen, die ich zu erfüllen habe und mir genau anschauen, mit welchen dieser Aufgaben ich den Großteil meiner Ergebnisse erziele. Die verbleibenden 80 Prozent streiche ich von meiner Liste und widme mich lediglich den produktiven 20 Prozent. Dazu ist eine genaue Analyse dessen wichtig, was diese 20 Prozent ausmacht, die 80 Prozent meiner Ergebnisse erzielen. Wenn ich diesen Prozess ständig wiederhole, dann bleibt am Ende eine Aufgabe übrig, die am dringendsten zu erledigen ist. Bevor diese Aufgabe nicht abgearbeitet ist, darf ich mich keiner anderen Arbeit widmen. Es geht darum, den einen Dominostein zu finden, der eine Kettenreaktion auslöst.  #00:31:08-9#

Die schlechte Nachricht ist, dass es uns oft nicht gelingt, den Engpass ausfindig zu machen. Wir stecken in unserer Blase fest, und deswegen ist es so wichtig, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Ich brauche andere Menschen, mit denen ich mich auseinandersetzen muss, und ich muss mich mit Themen beschäftigen, die außerhalb meiner Blase liegen. Damit erhöhe ich die Chance, die eine wichtige Aufgabe zu identifizieren, die mein Unternehmen weiterbringt.  #00:31:55-2#

Dabei ist das wichtigste Prinzip, das Risiko zu minimieren. Gerade diejenigen, die sich nicht entscheiden können, haben Angst vor falschen Entscheidungen. Darum ist es notwendig, eine Fragestellung in möglichst viele kleine Einzelschritte zu zerlegen und sich von einem Schritt zum nächsten zu hangeln. Ich hole Feedback ein und reflektiere. Daraus lerne ich, was funktioniert und was nicht und erkenne, ob ein gutes Ergebnis Zufall war oder ob ein System dahintersteckt. So kann man sich selbst die Angst vor falschen Entscheidungen nehmen und kommt schnell voran.  #00:32:57-5#

Thomas: Wir könnten uns noch eine ganze Weile weiter über dieses spannende Thema unterhalten, aber leider geht unsere Zeit zu Ende. Vielen Dank für die Inputs, die du uns gegeben hast. Alle genannten Informationen findet ihr in den Show Notes. Dort werden wir auch das Buch „Robust!: Wie Sie als Unternehmer unberechenbare Zeiten erfolgreich meistern“ verlinken, das ich sehr empfehlen kann. Wo können unsere Zuhörerinnen und Zuhörer mehr über dich erfahren, lieber Gerald?  #00:33:33-1#

Gerald: Am besten auf meiner Webseite www.gerald-moser.at.  #00:33:41-8#

Thomas: In meinem Podcast gehört das letzte Wort immer dem Gast. Wenn du noch ein kurzes Shout-Out für meine Hörerinnen und Hörer hast, dann freue ich mich darüber. Ich bedanke mich bei dir und würde mich freuen, dich wieder einmal bei mir zu Gast zu haben.  #00:34:00-1#

Gerald: Lerne, schnell zu lernen, denn die Sieger sind diejenigen, die schnell lernen.  #00:34:13-9#

Thomas: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank für diese letzten Worte und für das ganze Interview, lieber Gerald. Die ganzen Links zu Gerald und zu seinem Buch findest du in den Show Notes. In diesem Sinne bedanke ich mich bei dir fürs Zuhören. Machs gut und genieße deinen Tag.   #00:34:53-9#

 

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Thomas Mangold, Autor, Podcaster, Keynote-Speaker

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