Die besten Präventionsmaßnahmen gegen Belastungen am Arbeitsplatz – ein Interview mit Veronika Jakl

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Die Belastung am Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren mehr und mehr gestiegen. Das führt zu vielen Problemen für MitarbeiterInnen aber natürlich auch für Unternehmen und Teams. Höchste Zeit also, etwas dagegen zu unternehmen. Arbeitspsychologin Mag. Veronika Jakl ist Expertin für Präventionsmaßnahmen und gibt uns im Podcast-Interview spannende Tipps und Infos, wie die Belastung wieder zurückgeschraubt werden kann.


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Effizienter arbeiten, lernen und leben – der Podcast für ein besseres Selbstmanagement. Das Ziel: Mehr Zeit für dich und für die wirklich wichtigen Dinge in deinem Leben. Weil deine Zeit wertvoll ist!  #00:00:26-5#

Herzlich willkommen zu dieser Podcastfolge. Mein Name ist Thomas Mangold, und ich freue mich sehr, dass du wieder mit dabei bist. Heute geht es um das sehr spannende Thema „weniger psychische Belastung am Arbeitsplatz“, und dazu habe ich die Präventionsexpertin Mag. Veronika Jakl eingeladen. Wir haben uns bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Sportbereich kennengelernt. Veronika beschäftigt sich mit Arbeitspsychologie und Prävention am Arbeitsplatz.  #00:01:10-0#

Wir alle wissen, dass es äußerst wichtig ist, psychische Belastungen am Arbeitsplatz so gering wie möglich zu halten. Das gelingt zum Beispiel mit einem guten Zeit- und Selbstmanagement. Veronika wird uns erzählen, wie man Überforderung von Mitarbeitern in Unternehmen entgegenwirken kann und wie du präventiv Maßnahmen ergreifst, die sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern helfen. Außerdem sprechen wir darüber, wie sich die Arbeitspsychologie in den nächsten Jahren entwickeln wird und welche Tools, Apps und Programme uns helfen, mit Belastungen gelassener umzugehen.  #00:01:52-7#

Bevor wir mit dem Interview starten, möchte ich euch von Blackroll erzählen, dem Partner meines heutigen Podcasts. Das Unternehmen hat sich ebenfalls der Entspannung verschrieben, und ihr kennt es bestimmt. Ich selbst nutze die Produkte von Blackroll schon seit langer Zeit. Sie unterstützen mich dabei, den Bewegungsmangel auszugleichen, der durch das viele Sitzen am Arbeitsplatz hervorgerufen wird. Die Folgen sind Rücken- und Nackenschmerzen sowie Konzentrationsschwäche. Die Produkte von Blackroll beugen Schmerzen vor und fördern die Regeneration sowohl im regulären Office als auch im Home Office. Dazu gehört natürlich die bekannte Roll, aber auch das Smoove Board, das Posture 2.0, die Office Box und die Trainingsbänder.  #00:02:59-0#

Das Smoove Board ist eine Stehmatte für den höhenverstellbaren Schreibtisch. Posture 2.0 ist der Name des Haltungstrainers, der dich daran erinnert, aufrecht zu stehen und zu sitzen, und in der Office Box findest du ein effektives Faszientraining. Sieh dich einfach auf der Webseite von Blackroll um. Als Hörerin oder Hörer dieses Podcasts erhältst du exklusiv 15 Prozent Rabatt auf alle Produkte der Office Collection. Gehe einfach auf blackroll.com/elal und löse dort den Gutscheincode EFFIZIENT15 ein. „Everything is a Circle“, das ist der Claim von Blackroll. Er bedeutet, dass auf jede Anstrengung eine Regeneration erfolgen sollte. Das ist Prävention, und die ist unheimlich wertvoll. Den Link findest du natürlich auch in den Show Notes.  #00:04:12-0#

Thomas: Hallo Veronika, ich freue mich sehr, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Ich habe im Intro schon etwas über dich erzählt, aber sei doch so lieb und stell dich selbst kurz vor. Wer bist du, und was machst du?  #00:04:43-1#

Veronika: Dankeschön für die Einladung, lieber Thomas. Ich bin selbstständige Arbeitspsychologin und Unternehmerin. Ich lebe und arbeite in Wien und leite die Akademie „Pioniere der Prävention“ für alle Menschen, die etwas bewegen wollen bei der Arbeitssicherheit und beim Gesundheitsmanagement.  #00:05:00-1#

Thomas: In dieses Thema werden wir gleich tiefer einsteigen. Sprechen wir zunächst über Überforderung der Mitarbeiter in Unternehmen, denn die steigt gefühlt mehr und mehr an. Zumindest nehme ich das in meinem privaten und beruflichen Umfeld wahr. Siehst du das auch so? Und welche Gründe könnten dafür ausschlaggebend sein?  #00:05:22-1#

Veronika: Es gibt unterschiedliche Quellen, die Gründe dafür nennen. Einerseits nehmen die Menschen immer sensibler wahr, wenn sie überfordert sind. Man traut sich heute, darüber zu sprechen, und man erkennt es auch bei sich selbst. Die Sensibilität für psychische Prozesse steigt zum Glück an. Es ist nicht mehr wie beispielsweise in den Achtzigerjahren, wo jeder meinte, knallhart sein zu müssen. Das ist auch ein Grund, warum die Burnout-Raten steigen. Es ist nicht so, dass die Fälle von Burnout zunehmen, sondern die Leute erkennen eine Überforderung schneller. Sie merken die Verspannungen im Nacken und nehmen wahr, dass ihre Bauchschmerzen immer dann auftreten, wenn sie an die Arbeit denken. Die Menschen haben erkannt, dass dies mit ihrer Psyche zusammenhängt.  #00:06:15-9#

Der zweite Aspekt ist die Digitalisierung. Auch da sehen wir aufgrund von arbeitspsychologischen Forschungen, dass sie uns das Gefühl geben, dass der Arbeitsanfall stetig steigt. Das liegt daran, weil fast alles nur noch über ein und denselben Kanal hereinkommt, nämlich über die Mailbox beziehungsweise über den Laptop. Das war früher anders. Die Eingänge waren viel diverser. Man hatte Briefe, Telefonate und Faxe. Heute kommt es uns vor, als würde die E-Mailbox ständig an ihr Limit kommen. Die Digitalisierung steigert außerdem das Gefühl der Beschleunigung. Alles in der Arbeitswelt muss extrem schnell gehen, viel schneller als früher. Das beschreiben mir sehr viele Menschen.  #00:07:13-2#

Thomas: Ja, das Gefühl habe ich auch. Darüber hinaus muss man gefühlt immer abrufbar sein. Dem muss man sich entziehen, was aber oft nicht einfach ist.  #00:07:26-2#

Veronika: Die Digitalisierung führt dazu, dass wir ständig erreichbar sind. Bei der Generation unserer Eltern war es so, dass sie abschalten konnten, sobald sie das Büro verlassen hatten. Es gab keine Möglichkeit mehr, sie schnell noch etwas zu fragen oder zu einem Call einzuladen. Zu Hause gab es einen Telefonapparat, den sich alle Familienmitglieder teilen mussten. Da war man womöglich nicht erreichbar. Ende Gelände! Man hatte Freizeit. Das ist heute nicht mehr der Fall.  #00:07:55-2#

Ich habe den Eindruck, dass der Umgang mit der Digitalisierung Schritt für Schritt besser wird und dass der Anspruch an gute Arbeitsbedingungen steigt, auch aufgrund der Pandemie. Die Leute spüren, dass es für sie wichtig ist, psychisch gesund zu bleiben, im Rhythmus zu sein und nach der Arbeit abschalten zu können. Immer mehr Leute wollen die Gefahr eines Burnouts vermeiden, und sie wollen auch die anderen Bereiche ihres Lebens genießen.  #00:08:29-6#

Thomas: Das ist der große Vorteil der Krise, denn sonst hätte dieser Prozess viel länger gedauert. Worin siehst du die größten psychischen Belastungen am Arbeitsplatz?  #00:08:49-9#

Veronika: Das ist eine spannende Frage, die mir regelmäßig gestellt wird. Die Antwort ist abhängig von den Jobs und von den Branchen, in denen wir arbeiten. Ich selbst habe sicherlich andere psychische Belastungen als du. Die EU führt regelmäßige Umfragen durch, die repräsentativ für ihre Mitgliedstaaten sind. Dabei zeichnen sich drei große Themen ab. Der erste Brocken ist der Umgang mit schwierigen Kunden oder anderen externen Partnern. Bei Beratungsdienstleistungen sind es die Kunden, bei Krankenhäuser Patienten und bei Lehrern Schülerinnen und Schüler. Die Leute kommen mit Wünschen und Bedürfnissen und regen sich auf, wenn irgendetwas nicht gut funktioniert. Dieser Umgang mit mühsamen Externen ist eines der größten Themen der Organisationen.  #00:10:05-7#

Der zweite große Block ist der Zeit- und Termindruck. Wie du bereits erwähnt hast, steigt er besonders durch die Digitalisierung an. Dieses Problem kennen viele Leute von ihrer eigenen Arbeit. Ich nehme an, dass auch unsere Hörerinnen und Hörer das gut nachvollziehen können.  #00:10:30-5#

Das dritte Thema, das repräsentativ für Unternehmen in Europa steht, ist die schlechte interne Kommunikation. Informationen werden nicht effizient weitergegeben, und es wird nicht miteinander geredet. Ähnlich wie beim Zeitdruck steigt diese Schwierigkeit mit der Größe der Organisation. Kleine Firmen mit wenigen Mitarbeitern klappt die Kommunikation besser als bei Unternehmen mit mehr als 200 Personen. Dieser Unterschied ist signifikant.  #00:11:14-8#

Thomas: Das sind drei wichtige Punkte. Besonders der Zeitdruck lässt sich meist nicht vermeiden, vor allem, wenn man fremdgesteuert arbeitet. Zur Verbesserung der internen Kommunikation gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, aber die sind meiner Meinung nach noch zu wenig bekannt bei den verantwortlichen Führungskräften. Kommen wir zu deinem Spezialgebiet, der Prävention. Unternehmer und Führungskräfte kennen die Belastungen am Arbeitsplatz, aber sie wissen womöglich nicht, wie man sie ändern kann. Was können sie tun, um das Arbeitsklima zu verbessern?  #00:12:14-3#

Veronika: Ich empfehle die Durchführung von so genannten Gefährdungsbeurteilungen beziehungsweise Evaluierungen psychischer Belastungen. Die sind in der EU und damit in Deutschland und Österreich sogar gesetzlich vorgeschrieben. Alle Organisationen müssen ermitteln, welchen Stressfaktoren ihre Mitarbeiter ausgesetzt sind. Im Anschluss an diese Analyse werden entsprechende Maßnahmen entwickelt. Das ist eine großartige Geschichte, wie ich finde, denn sie zwingt uns dazu, das Thema aufzugreifen und präventiv wirksame Maßnahmen zu entwickeln.  #00:13:02-1#

Im Internet finden wir viele Tipps zum Umgang mit psychischen Belastungen und Gefährdungen. Es gibt standardisierte Vorgehensweisen wie Checklisten und Fragebögen für die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten, die helfen, die große Bandbreite an psychischen Arbeitsbedingungen abzudecken und sich ein Bild darüber zu machen. Ich selbst bin auch Unternehmerin und habe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und deswegen verstehe ich diese Situation sehr gut. Man vermutet, wo die Gefahren im Arbeitsalltag lauern, aber man weiß es erst dann genau, wenn man die Beschäftigten selbst fragt. Und wenn sie anhand von strukturierten Fragebögen eine Einschätzung geben können, dann werden die tatsächlichen Stressfaktoren sichtbar. Und damit legen wir eine gute Grundlage, um Verbesserungen zu erarbeiten. Noch schneller geht es natürlich, wenn man sich einen Profi zu Hilfe nimmt.  #00:14:03-0#

Der nächste Schritt ist die Umsetzung, und damit tun sich die meisten Unternehmen schwer. Sie setzen auf Entspannungs- oder Yoga-Kurse. Als Arbeitspsychologin weißt ich, dass diese Maßnahmen nicht dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verändern. Ich bin ein großer Fan von Prävention. Die Arbeitsverhältnisse müssen grundlegend verändert werden, um Wirkung zu zeigen. Es bringt nichts, die Verantwortung auf die betroffene Person abzuschieben, indem man ihr sagt, sie müsse sich einfach nur entspannen. Das hilft nicht.  #00:15:00-5#

Ein Beispiel. Versetzen wir uns in die Lage eines Mitarbeiters, der täglich mit schlecht gelaunten oder gar aggressiven Kunden umgehen muss. Was könnte diesem Mitarbeiter helfen? Ich könnte ihm sagen, er solle sich die Äußerungen der Kunden nicht zu Herzen nehmen, und ich könnte ihm vorschlagen, ein Seminar zur Verbesserung der Kommunikation zu besuchen. Damit verlagere ich das Problem jedoch wieder auf den Mitarbeiter. Es ist fraglich, ob ihnen meine Ratschläge helfen werden.  #00:15:50-9#

Eine andere Lösung wäre, die Problematik verhältnispräventiv anzugehen, indem ich mich zunächst frage, worüber sich die Kunden beschweren. Sind es bestimmte Formulare, die nicht benutzerfreundlich sind? Sind es fehlende Informationen? Diese Prozesse kann ich verändern und verbessern. Ich kann außerdem nach direkten Verbesserungen vor Ort suchen. Wie kann ich erreichen, dass die Kunden direkt dorthin kommen, wo ihre Probleme gelöst werden? Ich kann außerdem die Beschäftigten schützen, indem ich Einzelbüros vermeide, in denen sie mit  aggressiven Kunden allein gelassen werden. Menschen verhalten sich höflicher, wenn sie wissen, dass andere Leute ihnen zuschauen.  #00:16:47-3#

Klare Abläufe und Routinen sind ebenfalls sehr hilfreich. Wie gehe ich damit um, wenn mich jemand beschimpft? Was muss ich mir als Finanzbeamtin, als Finanzbeamter gefallen lassen, und ab wann kann ich Hilfe anfordern? Kann ich selbst entscheiden, wann ich die Polizei rufe? Das sind arbeitsorganisatorische Maßnahmen, die präventiv allen Mitarbeitenden helfen und nicht nur denjenigen, die ein starkes Selbstbewusstsein haben und 1,80 Meter groß sind.  #00:17:18-6#

Thomas: Das war ein sehr gutes Beispiel. Es ist sehr wichtig, mögliche Gefahren bereits im Vorfeld abzufedern. Manche Führungskräfte sind empathischer als andere. Nichtsdestotrotz sollte ich regelmäßig danach schauen, wie es meinen Kolleginnen und Kollegen geht und ob sie möglicherweise in einer Überlastungsklemme stecken. Welche Vorgehensweisen gibt es, die eine Führungskraft präventiv durchführen kann? Gerade in großen Betrieben ist es nicht immer einfach, organisatorische Abläufe kurzfristig zu ändern und Formulare umzustellen. Welche kleineren Strukturen innerhalb großer Organisationen gibt es, die man aktiv verbessern könnte, um Überlastungen zu minimieren?  #00:18:24-7#

Veronika: Führungskräfte sind der Schlüsselfaktor, wenn es darum geht, psychischen Belastungen entgegenzuwirken. Als Erstes ist es wichtig, dass die Führungskräfte lernen, in sich selbst hineinzuhören. Sie sollten sensibel genug sein, um wahrzunehmen, welche Arbeitsbedingungen Belastungen auslösen. Welche Rahmenbedingungen sind stressig, welche tun ihnen gut?  #00:19:06-5#

Wichtig ist außerdem, ein Klima der Offenheit im Team zu schaffen. Auch eine Führungskraft muss in der Lage sein, über die eigene Überlastung zu sprechen, denn sie ist ein wichtiges Vorbild. Wenn ich erkenne, dass meine Kolleginnen und Kollegen gefährdet sind, dann muss ich mich selbst öffnen, um zu erreichen, dass die anderen sich öffnen. Ich muss in der Lage sein, meine eigene Vulnerabilität zu formulieren. „Ja, auch mir macht die Situation in der Pandemie etwas aus. Ich bin einsam im Home Office, und ich bin überlastet.“ Ich muss erkennen, wie es mir selbst geht. Dieses Klima der Offenheit ist eine wichtige Basis für die Zusammenarbeit.  #00:19:47-9#

Ich empfehle die folgenden drei Maßnahmen. Erstens, den wertschätzenden Umgang mit den Beschäftigten. Niemand mag gerne angeschrien werden. Natürlich gibt es Menschen, die das besser aushalten als andere, aber wir alle wollen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Arbeit leisten. Dafür ist es nötig, dass wir sie wertschätzen. Niemand engagiert sich mehr als er soll, nur weil sein Gehalt pünktlich gezahlt wird. Einen hohen Einsatz erhalten wir aufgrund eines wertschätzenden Umgangs miteinander, durch Aufmerksamkeit und mit einem Dankeschön.  #00:20:35-8#

Der zweite Punkt, den ich Führungskräften mitgeben möchte: Gebt euren Mitarbeitern Autonomie und Handlungsspielraum. Menschen wollen Dinge selbst entscheiden. Anweisungen bis ins kleinste Detail vorzugeben, also Micro-Management, das hilft niemandem. Wenn ich ein Team haben möchte, das selbständig arbeitet, dann muss ich darauf vertrauen, dass seine Mitglieder die richtigen Entscheidungen treffen. Und wenn Fehler passieren, dann muss ich damit gut umgehen können, um die Zusammenarbeit vertrauensvoll zu gestalten.  #00:21:20-8#

Der dritte Punkt neben der Wertschätzung und der Autonomie ist das sinnstiftende Arbeiten. Viele meiner Klienten sagen mir, sie sähen keinen Sinn in ihrer Arbeit. Wozu erstelle ich diese Excel-Tabelle, und wer wird sie lesen? Was ist mit dem Bericht, den ich monatlich erstelle, bringt der überhaupt etwas oder schreibe ich ihn für die Mülltonne? Die Menschen müssen die Gewissheit haben, dass ihre Arbeit einen Zweck erfüllt. Sie sollten wissen, wer mit ihren Ergebnissen weiterarbeitet. Das ist extrem motivierend. Führungskräfte können helfen, indem sie die Sinnhaftigkeit der Aufgaben unterstreichen.  #00:21:59-6#

Wertschätzung, Autonomie und Sinnstiftung, das sind die wichtigsten drei Punkte, dich ich auch in meinem Buch „Aktiv Führen“ ausführlich und mit vielen Beispielen behandle. Sie sind die Basis, um motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen.  #00:22:19-3#

Thomas: Das Buch werden wir natürlich in den Show Notes verlinken. Auch für mich ist der Sinn meiner Arbeit einer der wichtigsten Faktoren, die mich motivieren. Denn wenn der Zweck unklar ist, dann entwickelt man eine Abwehrhaltung.  #00:22:38-2#

Veronika: Das geht uns Selbständigen allen so, wir suchen ständig nach sinnstiftenden Aufgaben.  #00:22:44-9#

Thomas: Mit dem Problem der Listen, das du angeführt hast, kann ich mich gut identifizieren. In meinem früheren Job musste auch ich eine Monatsliste erstellen, und ich wusste genau, dass kein Mensch sie liest. Irgendwann habe ich immer dieselbe Liste weggeschickt, und ich glaube, das ist in zehn Jahren niemandem aufgefallen.  #00:23:02-3#

Veronika: Das ist nicht motivierend, da hast du recht.  #00:23:05-0#

Thomas: Lass uns in die Zukunft schauen. Die Zeit der Großraumbüros geht zu Ende, und wir schotten uns wieder mehr voneinander ab. Dadurch kehrt auch mehr Ruhe in den Büros ein. Das ist meine Erfahrung aus dem Zeit- und Selbstmanagement. Wie sieht es aus arbeitspsychologischer Sicht aus? Was muss sich in den nächsten Jahren ändern, damit wir die Belastungen in den Griff bekommen?  #00:23:46-6#

Veronika: Es ist wichtig, dass wir die Entwicklung vorantreiben, offen über Gefühle und psychische Belastungen zu sprechen. Wir alle haben Emotionen und sind Anspannungen und Druck ausgesetzt. Deswegen ist es wichtig, die Probleme anzusprechen. Nur wenn wir wissen, welche Probleme es gibt, können wir Arbeitsplätze gestalten, die uns guttun und auf denen wir motiviert arbeiten. Ich bin guter Dinge, dass wir damit in Zukunft geeignete Maßnahmen entwickeln werden. Wir brauchen nicht nur Entspannungskurse, sondern wir müssen dafür sorgen, die psychischen Belastungen zu eliminieren und darauf aufbauend die Organisation entsprechend entwickeln. Ich hoffe, dass wir die Arbeitswelt in diese Richtung lenken werden.  #00:24:55-5#

Wenn ich mit meinen Kunden Problemanalysen durchführe und Maßnahmen entwickle, dann geben sie mir später meist als Feedback, dass ihnen diese Vorgehensweise sehr geholfen hat. Sie haben wertvolle Informationen erhalten und Probleme erkannt. Das gibt ihnen ein gutes Fundament, um die Firma voranzubringen. Und das sollte sich in allen Organisationen durchsetzen.  #00:25:23-4#

Thomas: Das wäre sehr wünschenswert, und ich hoffe, dass wir diesen Schritt bald vollziehen können. Ich kann mir vorstellen, dass es in deinem Bereich einige Tools, Apps oder Programme gibt, die man einsetzen kann.  #00:25:56-0#

Veronika: Ich bin ein Fan davon, die Arbeitsorganisation so zu verändern, dass die Leute gut und motiviert arbeiten können. Die ganzen Projektmanagement- und Kollaborationstools wie Asana, Slack und Evernote helfen auch bei psychischen Belastungen. Die Basis guter Arbeit ist, dass die Menschen die Informationen erhalten, die sie benötigen, und dass sie ihre Kolleginnen und Kollegen schnell erreichen. Diesen Stress kann man mit guter Arbeitsorganisation und mit Hilfe von passenden Werkzeugen abfangen.  #00:26:34-8#

Natürlich gibt es auch Tools zur Selbsthilfe, zum Beispiel Achtsamkeits- und Mediations-Apps. Mittlerweile gibt es sogar künstliche Intelligenzen, die herausfinden, wie es mir gerade geht, um mir anschließend eine passende Intervention vorzuschlagen. In diesem Bereich gibt es viele spannende Entwicklungen. Diese Maßnahmen müssen von allen Betroffenen genutzt werden. Es bringt nichts, wenn ich nur für mich solche Tools einsetze, ohne das Team einzubinden, denn das wird die Arbeitsbedingungen nicht ändern. Wir sollten uns im Team zusammensetzen und gemeinsam erarbeiten, welche Tools gut einsetzbar sind.  #00:27:11-8#

Thomas: Werkzeuge helfen uns, eine bessere Kommunikationsstruktur zu schaffen und Überforderung zu vermeiden. Lass uns noch ein wenig über deinen Präventionskongress plaudern, der einmal jährlich stattfindet. Für wen ist dieser Kongress geeignet, und was kann man dort über das Thema Prävention erfahren?  #00:27:39-8#

Veronika: Der Präventionskongress findet einmal jährlich immer in der letzten Augustwoche statt. Zielgruppe sind alle Menschen, die in der betrieblichen Prävention arbeiten, von Arbeitssicherheit über psychische Gesundheit bis hin zum allgemeinen Gesundheitsmanagement. Das ist die große Bandbreite, die wir abdecken. Eine Woche lang konzentrieren wir uns auf eine spannende Mischung aus Vorträgen, Live Webinaren und Netzwerkveranstaltungen. Unsere Teilnehmer kommen aus dem gesamten DACH-Raum, also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie kommen mit der Intention, ihr Selbstmanagement und ihre Beratungskompetenz zu verbessern, und sie wollen sich fachliche Inputs holen. 2021 erwarten wir über 1.000 Teilnehmende, und ich freue mich schon sehr auf diese Veranstaltung. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass du, lieber Thomas, als Speaker mit dabei bist. Du wirst uns etwas über die ideale Arbeitswoche erzählen und damit vielen Präventionsexperten helfen, ihren Alltag zu verbessern. Darauf freue ich mich schon. Auf www.pionierederpraevention.com/kongress findet man nähere Informationen sowie das Anmeldeformular.  #00:29:12-1#

Thomas: Und wo im Netz kann man mehr über dich erfahren?  #00:29:35-0#

Veronika: Ich bin auf LinkedIn sehr aktiv. Einfach „Veronika Jakl“ eingeben, und dann findet man mich. Auf www.apjakl.at gibt es alles, was ihr für euer Unternehmen braucht. Wer im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement unterwegs ist, sollte auf jeden Fall auch in meinen Podcast „Pioniere der Prävention“ hineinhören. Gerne könnt ihr euch mit mir vernetzen.  #00:30:04-1#

Thomas: Das alles werden wir natürlich in den Show Notes verlinken. Das war ein extrem spannendes Interview, liebe Veronika. Ich sehe meinen Bereich, das Zeit- und Selbstmanagement, als einen wichtigen Teil der Präventionsarbeit, und deswegen hat mir das Gespräch mit dir riesigen Spaß gemacht. Vielleicht können wir bei einem weiteren Interview tiefer in die einzelnen Themengebiete einsteigen. Es würde mich sehr freuen. #00:30:30-8#

In meinem Podcast hat der Gast immer das letzte Wort. Wenn du noch ein Shout-Out oder eine kurze Message für meine Hörerinnen und Hörer hast, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Ich bedanke mich für deine Zeit und freue mich auf deine Abschlussworte.  #00:30:48-9#

Veronika: Dankeschön, lieber Thomas, für die Einladung in deinen Podcast. Liebe Hörerinnen und Hörer, achtet auf eure psychischen Arbeitsbedingungen! Schaut darauf, dass ihr eure Arbeit effizient organisiert, damit ihr so wenig wie möglich psychisch beansprucht werdet. Das zahlt sich wirklich aus. Jeder, der seinen Traumjob gefunden hat, weiß, wovon ich spreche. Wer gerne zur Arbeit geht und wenig Stress hat, der gewinnt an Lebensqualität.  #00:31:20-7#

Thomas: Vielen lieben Dank für die vielen spannenden Dinge, die wir heute lernen durften. Die ganzen Links, die Veronika erwähnt hat, zum Präventionskongress, zu ihrem Buch sowie zu LinkedIn und zu Veronika Jakls Webseite findest du natürlich in den Show Notes.  #00:31:46-8#

Und wenn du die heutige Podcastfolge weiterempfehlen möchtest, weil du jemanden kennst, der mehr auf Prävention achten sollte, dann teile diese Folge gerne mit der betreffenden Person. Vielen lieben Dank fürs Zuhören, machs gut und genieße deinen Tag.  #00:32:20-8#

Hallo & herzlich willkommen

Thomas Mangold, Autor, Podcaster, Keynote-Speaker

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