Antifragilität im Selbstmanagement: Wie du von unvorhersehbaren Situationen profitierst

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Antifragilität im Selbstmanagement bedeutet nichts anderes, als von unvorhersehbaren Situationen zu profitieren, anstatt an ihnen zu zerbrechen, wie es leider den meisten Menschen geht. Daher sehen wir uns in diesem Artikel nicht nur den Unterschied zwischen fragil, robust und antifragil genauer an, sondern wir werden auch beleuchten, was du brauchst um Antifragil und damit gerade dann so richtig stark zu werden, wenn andere der Verzweiflung nahe sind.

Was ist Antifragilität?

Es gibt leider in keiner der Hauptsprachen einen geeigneten Ausdruck für das Gegenteil von fragil, also muss man sich mit dem Wort Antifragil behelfen. Am besten vergleichen wir die folgenden drei Worte: fragil, robust und antifragil.

Ein fragiler Gegenstand wäre zum Beispiel ein Weinglas. Fällt es zu Boden, wird es in viele kleine Teile zerspringen. Bei einem Holzbrett sieht das schon anders aus. Wenn du ein Holzbrett aus der Hand fallen lässt, dann wird damit nicht viel passieren. Das Holzbrett ist also robust, der Fall kann dem Brett zwar nichts anhaben, aber profitieren davon tut es natürlich nicht. Und da sind wir schon bei der Antifragilität, denn auch einem Antifragilen Gegenstand oder System kann eine Erschütterung oder eine Schwankung nichts anhaben, aber im Gegensatz zum Holzbrett profitiert dieser Gegenstand oder das System davon.

Das beste Beispiel für Antifragilität kommt von der Hydra aus der griechischen Mythologie. Jedesmal wenn ihr ein Kopf abgeschlagen wurde, sind ihr dafür 2 weitere nachgewachsen. Gute Beispiele sind auch im Sport zu finden. Vor allem bei Athleten, die genau dann ihre volle Stärke entfalten, wenn es eben nicht rund läuft und sie einige Rückschläge wegstecken mussten.

Wenn du dich genauer mit dem Thema Antifragilität beschäftigen willst, dann solltest du dir das Buch von Nassim Nicholas Taleb mit dem gleichnamigen Titel holen.

Was bedeutet Antifragilität im Selbstmanagement?

In meiner Definition bedeutet das nichts anderes, als dass du gerade dann am produktivsten und effizientesten Arbeiten kannst, wenn es nicht so läuft wie es laufen sollte. Wenn unvorhersehbare Aufgaben daherkommen, wenn der Druck steigt, wenn Probleme und Herausforderungen auftauchen. Viele Menschen lassen sich von diesen Ereignissen so sehr aus dem Gleichgewicht bringen, dass dann am Ende gar nichts mehr klappt. Das wären die fragilen Menschen. Und dann gibt es Menschen die bei solchen Ereignissen zwar die Ruhe bewahren und alles so gut es geht abarbeiten, das wären die robusten Menschen. Die antifragilen Menschen laufen in so einer Situation aber zur Bestform auf. Die fokussieren sich noch mehr auf das wichtige und schaffen es so noch produktiver und effizienter zu arbeiten.

Antifragile UnternehmerInnen, Führungskräfte, Selbstständige und MitarbeiterInnen sind mit Sicherheit die beliebtesten, denn jeder weiß das man sich auch in Krisensituationen voll und ganz auf sie verlassen kann. Man weiß, dass sie nicht nur ihre Leistung abrufen können, sondern sogar noch über sich hinauswachsen. Bei Führungskräften spielt das nochmal viel mehr eine Rolle, denn die können in solchen Situationen ganze Teams mitreißen.

So wirst du Antifragil

Sehen wir uns jetzt daher an, was es laut Nassim Nicholas Taleb alles braucht um Antifragil zu werden und wie wir das auf den Bereich Selbstmanagement umsetzen können.

Scheitern ist Grundvoraussetzung

Damit ein System als ganzes Antifragil bleibt, muss ein Großteil der Teile dieses Systems fragil sein. Hört sich im ersten Moment vielleicht widersprüchlich an, ist bei genauerem Hinsehen aber vollkommen logisch. Der Erfolg und das Scheitern der einzelnen Teile hilft dabei, das System mit Informationen zu versorgen, die ihm mitteilen, was funktioniert und was nicht funktioniert. Ganz besonders wichtig ist das in unserer Evolution, denn was im evolutionärem Prozess scheitert, das stirbt aus. Damit führt jedes Scheitern zu einer allgemeinen Verbesserung anderer Lebensformen.

Aber was bedeutet das jetzt für dein Selbstmanagement? Damit das System „Selbstmanagement“ antifragil werden kann, muss es zunächst einmal akzeptieren, dass die Teile dieses Systems antifragil sind. Teile des Systems Selbstmanagement sind zum Beispiel das Management deiner Projekte, Aufgaben, Termine und die Umsetzung in all deinen Lebensbereichen. Ich weiß das viele auf der Suche nach dem heiligen Gral des Selbstmanagements, nach dem perfekten System sind. Antifragilität beschreibt sehr schnell, warum dieses unterfangen sinnlos ist, denn würdest du es finden wäre dieses System enorm fragil und würde bei einem Ereignis, das vielleicht noch nie vorkam, sofort in alle Einzelteile zerspringen.

Es ist also gut, dass in deinem Selbstmanagement auch einiges nicht funktioniert. Das ist aber lediglich ein Feedback des Systems, aus dem du dann deine Rückschlüsse ziehen kannst.

Es sind also zwei Schritte enorm wichtig:

  • Finde dich damit ab, dass Teilbereiche deines Systems fragil sind und erfreue dich sogar an diesen Fehlern, denn sie geben dir ein wichtiges Feedback in deinem persönlichen evolutionären Entwicklungsprozess.
  • Überwache, überprüfe und reflektiere deine fragilen Systeme in regelmäßigen Intervallen (täglich, wöchentlich, monatlich). Reflexion (gerne den verlinkten Artikel dazu lesen) ist also enorm wichtig. Denn nur so kannst du Fehler im System finden.

Die meisten Menschen haben aber genau davor Angst. Fehler im System zu finden ist zwar auf der einen Seite natürlich ein Scheitern, keine Frage, aber entweder kannst du das System neu ausrichten oder du lernst sehr schnell, dass du ein totes Pferd reitest und schleunigst davon absteigen sollst. Für den Moment tut so eine Niederlage vielleicht auch weh, aber in deinem Entwicklungsprozess ist es das Beste, was dir passieren kann.

three people sitting in front of table laughing together

Lass Stressoren zu und versuche sie nicht zu vermeiden

Taleb hat es in seinem Buch folgendermaßen formuliert:

„Erschütterungen und Stressoren stärken antifragile Systeme, indem sie den Aufbau zusätzliche Kapazitäten anregen.“

Nehmen wir dazu den Sport als Beispiel her. Wer Sport treibt, setzt seinem Körper einer höheren Belastung aus als üblich. Der Körper reagiert darauf mit dem Aufbau von Muskeln, er ist also antifragil. Wird ein antifragiles System mit Stress und Belastung konfrontiert, reagiert es mit Überkompensation. Damit verbessert es seine Fähigkeit mit möglichen zukünftigen Gefährdungen umzugehen.

Wenn wir nun auf unser Selbstmanagement zurückkommen, dann versuchen viele Menschen diese Stressoren zu vermeiden oder zumindest zu vermindern. Das ist aber nicht sinnvoll, denn damit erschaffen sie ein fragiles System. Natürlich ist auch Dauerstress nicht sinnvoll, keine Frage. Was du hier brauchst ist das richtige Stressmanagement (gerne diesen Artikel dazu lesen), das Dauerstress vermeidet, aber die für die Antifragilität wichtigen Erschütterungen und Stressoren in regelmäßigen Abständen zulässt.

Es ist also durchaus sinnvoll deinen Tag herausfordernd zu planen, damit das Parkinschon’sche Gesetz eben nicht zuschlägt und damit mit den richtigen Stressoren dein System antifragil hältst. Das musst du mein der Erstellung deines Zeitmanagementsystems immer im Auge behalten.

Sprintphasen sind perfekt

Eine ruhige Umgebung lässt Systeme fragil werden, daher erfordert Antifragilität auch Volatilität. Ich merke das jeden September sehr genau, denn über die Sommermonate reduziere ich meinen Arbeitseinsatz enorm und mache eigentlich nur das Wichtigste. Wenn ich im September dann wieder loslege, mache ich das gleich mit einer Sprintphase, in der ich unheimlich intensiv arbeite. Und jedesmal merke ich, dass ich etwas brauche um wieder in die Spur zu kommen. Der Grund: Ruhe führt zu Fragilität!

Was bedeutet das nun für dein Selbstmanagement? Ganz einfach, sich ein System zu bauen in dem alles ruhig und ohne Probleme verläuft, macht absolut keinen Sinn. Denn irgendwann kannst du die Ruhe, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr aufrechterhalten. Das ist dann auch der Zeitpunkt an dem das ganze System explodiert. Du darfst dir also ohne weiteres auch mal in ruhigen Zeiten Sprintphasen einbauen. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig nicht im Dauersprint zu sein. Ein Muskel wächst nicht während des Trainings, sondern in der Ruhephase. Wenn du ihm diese nicht gibst, wird er nicht wachsen. Und ebenso ist es beim Selbstmanagement. Daher verweise ich hier nochmal auf meinem Artikel zum Stressmanagement.

Praktiker schlagen die Fachidioten

Nasim Taleb fand heraus, dass die erfolgreichsten Händler an den Weltwährungsmärkten jene waren, die am wenigsten gebildet waren. Sie verstanden die komplizierten Wirtschaftstheorien ebenso  wenig wie die politischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ländern. Was sie aber wussten war, wann sie kaufen und wann sie verkaufen mussten. Wir legen oft viel zu viel Wert auf theoretisches Wissen. Aber ganz ehrlich, wem hättest du lieber im Cockpit eines Flugzeuges sitzen, einen Piloten oder einen Flugingenieur?

Für dein Selbstmanagement bedeutet das, dass du nicht auch noch das 22. Buch zu diesem Thema lesen solltest, sondern viel mehr in die Praxis gehen musst. Deswegen sind die Absolventen meiner Selbstmanagement-Rocks-Akademie auch so erfolgreich. Dort bekommst du nämlich nicht ein System zur Verfügung gestellt, dass du nur 1:1 kopieren kannst. Das schockiert viele Teilnehmer im ersten Moment. Aber es ist eben nun mal viel sinnvoller dir Tipps, Tricks, Systeme und Methoden vorzustellen und dich dabei zu begleiten diese in der Praxis zu testen. In deinem eigenen Arbeitsumfeld, in deinem eigenen System. So wirst du zum Praktiker und lasst die Fachidioten links liegen.

Ungewissheit „domestizieren“ anstatt sie zu vermeiden

Viele Menschen wollen am besten in einer Welt leben, in der alles klar voraussehbar, kalkulierbar und ohne Risiken umsetzbar ist. Diese Welt gibt es aber nur in unseren Köpfen. Daher sind sie schon gestresst, wenn sich was unvorhersehbares nur ankündigt. Aber was genau bedeutet es nun die Ungewissheit zu domestizieren? Wenn ich da einen Blick auf meine ideale Woche und meine Tagesplanung werfe, dann stehen mir sogenannte Pufferzeiten zur Verfügung. Diese Zeiten sind genau dazu da, um ungewisse Ereignisse abzufedern oder aufzufangen. Ich kann dir übrigens nur empfehlen deine persönliche ideale Woche zu erstellen, denn daraus wirst du unheimlich viel lernen. Du kannst das sehr gerne in meiner Wochen- & Tagesplanungs-Challenge tun.

Optionen sind besser als Zwangslagen

Es ist immer besser mehrere Optionen zur Verfügung zu haben, als nur noch eine einzige. Das bedeutet nämlich, dass du in einer Zwangslage steckst. In stressigen Situationen kannst du dir immer noch die folgenden Fragen stellen:

  • Wie setze ich jetzt die Prioritäten neu?
  • Wie kann ich mir Luft verschaffen?
  • Worauf kann ich / muss ich jetzt verzichten?
  • Was kann ich verschieben?
  • Was kann ich vereinfachen (in diesem Artikel findest du ein paar Anregungen dazu)?
  • Was kann ich eliminieren, automatisieren oder delegieren?

Wenn es auf all diese Fragen keine Antworten mehr gibt, dann steckst du in einer Zwangslage. Diese gilt es zu vermeiden, indem du dich schon frühzeitig genau diesen Fragen widmest.

woman in white shirt using macbook

Je größer die Organisation oder das System, umso härter schlagen Krisen zu

Bleiben wir dazu zunächst einmal beim System. Je einfacher dein Zeit- & Selbstmanagementsystem ist, desto weniger anfällig wird es sein. Das ist auch der große Nachteil der GTD-Methode. Das ist ein unheimlich komplexes System und daher versagt es sehr oft gerade dann, wenn es am wenigsten versagen dürfte. Vereinfache dein Zeitmanagement-System also so gut es nur irgendwie geht.

Wenn du eine Organisation, also ein Unternehmen oder ein Team leitest, dann musst du die Antifragilität dieser Organisation auch stets im Auge behalten. Am einfachsten machst du das, indem du diesen Artikel mit deinen Mitarbeitern teilst. 😉

Aber natürlich heißt es auch hier: überwachen, reflektieren und verbessern. Gerade in ruhigeren Zeiten wird das leider vernachlässigt.

Das Turthahn-Problem

Taleb beschreibt in seinem Buch dieses Problem sehr schön. Ein Truthahn wird jeden Tag gefüttert und hat, vorausgesetzt er wird artgerecht gehalten, eigentlich ein wunderbares Leben. Er braucht sich um nichts kümmern und  bekommt täglich sein Futter. Bis sich Thanks-Giving nähert und er schlussendlich auf einem Teller landet. Ein anderes Beispiel das Taleb bringt ist das Atomkraftwerk Fukushima. Es wurde so genau, dass es das schwerste jemals in dieser Gegend gemessene Erdbeben standhalten kann. Das Problem, es kam noch ein weit stärkeres Erdbeben.

Für dein Selbstmanagement bedeutet das immer auch einen Plan für ein Worst-Worst-Worst-Case Szenario zu entwickeln. Was ist das allerschlimmste das passieren kann und was mache ich, wenn es sogar noch schlimmer kommt. Klar kann es dann immer noch schlimmer kommen als du es dir jemals vorstellen kannst, aber du hast dann zumindest Erfahrung dich mit solchen schlimmen Dingen auch auseinanderzusetzen.

Das Fazit für dein Selbstmanagement

Antifragilität ist ein wichtiges Thema in deiner persönlichen Entwicklung. Setze es immer wieder auf die Tagesordnung, überprüfe deine Systeme, passe sie an und versuche die Zukunft nicht vorherzusagen, sondern bereite dich lieber auf alle Eventualitäten vor. Achte vor allem darauf nicht in Zwangslagen zu kommen, sondern maximiere stattdessen lieber deine Optionen.

Ich wünsche dir dabei viel Erfolg.

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Liebe Grüße

Thomas

Weitere Informationen zu diesem Thema findest du auch auf meiner Premium-Plattform SelbstmanagementRocks!

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Thomas Mangold, Autor, Podcaster, Keynote-Speaker

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